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Joachim Król: Singen nicht ausgeschlossen

Konzertante Lesung im Schauspielhaus Dresden Joachim Król: Singen nicht ausgeschlossen

Seit dem Detlev-Buck-Film „Wir können auch anders“ kennt man ihn, seit „Der bewegte Man“ ist er berühmt: Joachim Król. Ob er gern mehr Theater spielen würde und wo seine persönlichen Lektüre-Vorlieben liegen, darüber spricht er im Interview. Und darüber, dass er sich als Reisenden sieht.

 
 
 

Quelle: Christian Flemming

Dresden.  Es war 1993, als Joachim Król erstmals einem großen Publikum bekannt wurde: in dem Detlev-Buck-Film „Wir können auch anders“. Bei fast 70 Filmen stand er vor der Kamera. Nach Dresden kommt er nun mit einem literarischen Programm, in dem er aus dem Roman „Seide“ liest, begleitet vom South of the Border Trio. Mit den DNN sprach Król über seine Vorliebe fürs Feuilleton, will einen Auftritt als Sänger nicht ausschließen und kritisiert, dass mittlerweile alles zum Event gemacht wird.

Frage: Eine konzertante Lesung aus Haruki Murakamis Roman „Gefährliche Geliebte“ war ursprünglich der Plan, dann wurde Alessandro Bariccos „Seide“ daraus, ein Buch, das ebenfalls in Japan spielt. Verbirgt sich dahinter eine gewisse Sehnsucht in Richtung Fernost?

Joachim Król: Nein. Der Regisseur Martin Mühleis hatte sich die Rechte für Murakamis Buch für unser Projekt gesichert. Daraus war eine Testaufführung entstanden, die sehr gut lief, irgendwo tief im Schwäbischen. Die Tournee war auch fast ausverkauft. Aber die Rechtelage änderte sich plötzlich zu unseren Ungunsten. Da gab es dann den Glücksfall, dass Martin Mühleis zu mir sagte: „Lies mal ganz schnell ’Seide’.“ Christoph Dangelmaier, der mit mir auf der Bühne steht, komponierte im Handumdrehen Material für das neue Buch. Damit sind wir raus, irgendwo in einem kleinen Theater in Liechtenstein: Generalprobe und erster Auftritt, alles auf einmal. Wir haben uns in das Projekt reingeschmissen, und es hat funktioniert.

Also ein Zufall...

Ich würde es lieber als Glücksfall bezeichnen. Nun machen wir das Programm auch schon seit gut vier Jahren.

Was lesen Sie eigentlich privat, wenn es nicht gerade Drehbücher sind?

Ich bin jemand, der sich gern anregen lässt – durch alles Mögliche. Ich bin ein Feuilleton-Leser, und wenn dort Buchtipps dabei sind, kann es sein, dass ich sofort darauf reagiere. Außerdem schaue ich immer, was bei meiner Frau auf dem Nachttisch liegt. Ich bin da ganz à la carte, nicht sehr festgelegt. Mich interessiert vieles.

Bleiben wir noch etwas beim Thema Literatur. Gibt es Bücher, die in ihrem Leben, beruflich oder privat, Entscheidendes mitgeprägt oder gar angestoßen haben?

Schon als Schüler habe ich die Beckett-Stücke gelesen. Sie haben mich fasziniert und gewiss meine Theateraffinität mitbegründet. Dann habe ich diesen Shakespeare-Zyklus im Schauspielhaus Bochum zur Peter-Zadek-Ära gesehen und danach alles gelesen, was Shakespeare betraf. Das war mein Theaterzugang. Ansonsten lese ich sehr gern Kazuo Ishiguro, Murakami natürlich auch. Jetzt werde ich auf der lit.cologne Evelyn Waugh wiederentdecken, da entsteht ein Abend. In meinem Regal stehen mittlerweile vier Bücher von ihm.

Mit Beckett und Shakespeare ist die Brücke gebaut zum Theater. Das letzte Mal standen Sie in „Szenen einer Ehe“ in Stuttgart auf der Bühne. Das ist schon wieder ein paar Jahre her. Würden Sie selbst gern häufiger Theater spielen?

Auch wenn ich jetzt in Dresden ohne Schauspielkollegen auftrete, ist es doch immer wieder das Bühnenerlebnis, das mich daran erinnert, wo die Idee herkam, diesen Beruf zu ergreifen. Ich würde gern öfter Theater spielen, aber mich dafür fest an ein Ensemble zu binden, schließt sich aus. Einerseits fehlt mir das Bühnenerlebnis dann und wann, andererseits bin ich sehr froh, dreigleisig fahren zu können: Bühne, Fernsehen, ab und zu Kino.

Sie haben Ihre Dreigleisigkeit angesprochen. Mancher Ihrer Kollegen sattelt da noch einen drauf. Ulrich Tukur singt zum Beispiel und tourt mit einer Band, andere wie Burghart Klaußner führen Regie. Haben Sie in diesen Richtungen auch Ambitionen?

Gerade probe ich für eine Rolle und entdecke dabei – es ist ein Auffrischen –, was das Singen für einen großen Spaß macht. Es gibt jetzt keinen konkreten Plan. Aber meine wunderbare Gesangslehrerin hat mir bestätigt, dass ich singen kann. Warum soll man das also nicht irgendwann mal nutzen?

Sie sind über die Jahre vor allem dem Fernsehpublikum bekannt geworden. Figuren wie der Steier im Tatort, Lutter oder Brunetti. Sie waren sogar die erste Besetzung für Wilsberg. Nach jeweils überschaubaren Zeiträumen, aber wohl sehr verschiedenen Gründen, sind Sie bei diesen Filmreihen wieder ausgestiegen. Haben Sie in dieser Hinsicht Bindungsängste?

Überhaupt nicht. Wenn ich gut arbeiten kann, dann auch sehr gern und sehr lang an derselben Geschichte. Ich bin ja auch schon 35 Jahre mit einer Frau zusammen.

Gutes Argument.

Außerdem ist es bei einem Schauspieler nicht so ungewöhnlich. Fragen Sie mal den Stuttgarter Intendanten Armin Petras, wie viele Theater der hinter sich hat. Wir sind ja Reisende. Ein Entscheidung für nur eine Rolle, wie es die Kollegen der „Lindenstraße“ gemacht haben, käme für mich nie in Frage. Und bei den Beispielen, die Sie genannt haben, da habe ich die Situation überprüft und dann gesagt: Die Reise geht weiter. Ich bin durchaus bereit, mir im Segment der Filmreihen wieder Angebote anzuschauen. You never know.

Gibt es Filme oder andere Projekte von Kollegen, bei denen Sie auch gern dabeigewesen wären? Und gibt es Drehbücher, deren Absage Sie im Nachgang bereut haben?

Ich habe mal einen Film gemacht, der hieß „Wir können auch anders“. Es gab da einen Satz, den meine Figur, der Rudi Kipp, häufiger in den Mund genommen hat: „Nützt ja nix.“ Diese Frage, die Sie da gerade stellen, die nützt wirklich nix (lacht). Mit Sicherheit hat jeder so etwas in seiner Biografie. Nehmen Sie das berühmte Beispiel, dass Burt Reynolds die Wunschbesetzung von Milos Forman für „Einer flog über das Kuckucksnest“ war. Dann hat Jack Nicholson darauf seine Weltkarriere begründet. Ich glaube, Reynolds hatte im Nachhinein die eine oder andere schlaflose Nacht, weil er das Potenzial dieses Projekts vielleicht nicht erkannt hatte. So etwas habe ich in meiner Biografie nun nicht, aber es gab ab und zu mal den Gedanken: Ach, das hätte man...

Eine Frage an den gestandenen Fernsehmann: Haben wir heutzutage zu viel Unterhaltung oder immer noch zu wenig?

(kurze Pause). Nun ja. Vielleicht würde ich kritisieren, dass mittlerweile alles Unterhaltung ist. Vor Jahren wurde das Wort Infotainment geprägt. Da dachte ich: Was soll das werden? Diese Vermischung, auch dass alles zum Event gemacht wird, eine Unterhaltungsqualität haben muss. Das Spektrum wird immer breiter, die riesige Auswahl bringt aber auch Freiheit für das Individuum. Jeder kann dort auswählen. So wie ich meine Projekte auswähle. Drehzeit ist immer Lebenszeit. Warum soll’s mir bei der Arbeit schlechter gehen, als wenn ich nicht arbeite? Ich brauche Leute um mich, mit denen ich mich verständigen kann, die mich verstehen. Dann ist es der wunderbarste Beruf der Welt.

Sie werden 60 in diesem Jahr. Haben Sie Angst vorm Altwerden oder immer noch große Erwartungen?

Ein weiser Mann hat mal gesagt: Alt werden ist wie Atmen. Es passiert einfach. Und wenn es nicht mehr passiert, wird man auch nicht mehr älter.

Joachim Król und das South of the Border Trio mit „Seide“ im Schauspielhaus, Mittwoch, 20 Uhr, Tickets ab 18 Euro

www.staatsschauspiel-dresden.de

Von Torsten Klaus

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