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Jennifer Rostock gaben im Alten Schlachthof Vollgas

Konzert in Dresden Jennifer Rostock gaben im Alten Schlachthof Vollgas

Jennifer Rostock waren zu Gast in Dresden: Die Punk- und Alternativ-Rocker aus Usedom gaben wie bestellt mächtig Vollgas und ließen dabei die Schallwellen im Schlachthof stellenweise regelrecht kollabieren. Energiebündel Jennifer Weist röhrte fast durchgängig von der ersten bis zur letzten Minute erstklassig.

Jennifer Rostock gaben im Schlachthof 90 Minuten Vollgas.
 

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Manchmal kann einem der Schlachthof schon etwas leidtun. Während das markante Industriedenkmal normalerweise diversen Künstlern und ihren Fans genreübergreifend charmante und individuelle Konzerterlebnisse bietet, bereiten vor allem Rockgruppen oder diejenigen, die den Verstärkerregler etwas weiter aufdrehen, der 146 Jahre alten Halle immer wieder größere Probleme akustischer Natur. Definitiv den Regler am Anschlag hatten am Freitagabend Jennifer Weist und ihre vier männlichen Kollegen von Jennifer Rostock vor ausverkauftem Haus.

Die Punk- und Alternativ-Rocker aus Usedom gaben wie bestellt mächtig Vollgas und ließen dabei die Schallwellen im Schlachthof stellenweise regelrecht kollabieren. Energiebündel Jennifer Weist röhrte fast durchgängig von der ersten bis zur letzten Minute erstklassig, überzeugte aber auch wie gewohnt bei den etwas ruhigeren Parts. Als Support hatten sich Jennifer Rostock, die in diesem Jahr ihr zehnjähriges Bestehen feiern, die schon oftmals als „One-Hit-Wonder“ abgeschriebenen Jungs von Jupiter Jones mitgebracht, die seit ihrem 2011er Echotitel „Still“ und dem Abgang von Sänger Nicholaus Müller im Jahr 2014 eher kleine Brötchen backen. Auch am Freitagabend präsentierten sich die vier Musiker eher von einer profilarmen Seite, die spätestens fünf Sekunden nachdem Jennifer Weist und ihre Jungs die Bühne stürmten, in Vergessenheit geraten sein dürfte.

Jennifer Rostock waren mal wieder zu Gast in Dresden. Hier gibt es die Bilder vom Konzert im Alten Schlachthof.

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Gleich beim ersten Titel „Baukräne“, vom 2016er Album „Genau in diesem Ton“, unter welchem auch die aktuelle Tour firmiert, legte die mittlerweile 31-jährige „Rockgöre“ von Null auf Hundert los – und das natürlich im markant-provokanten Outfit. An Provokationen mangelte es auch in den folgenden 90 Minuten nicht. Während die Kleidungsdichte der Frontfrau mit zunehmender Konzertdauer immer knapper wurde, stiegen auch ihre sexuellen Anspielungen, nicht zuletzt zur Untermauerung der politischen Statements, die sich vor allem gegen Sexismus, Diskriminierung und Nazis richteten.

Die gesamte Band präsentierte sich an diesem Abend in Hochform, Zeit zum Durchatmen gab es kaum. Höchstens als sich die Bühnenprotagonisten nach gefühlt jedem dritten Titel einen Kurzen gönnten. Unterbrochen wird der derbe Hardcore- und Rocksound, der gelegentlich durch Hip-Hop- und Elektroeinflüsse ergänzt wird, für eine kleine, spontane „Unplugged“-Show. Still und heimlich verkrümelten sich Weist und ihre Jungs nach „Kaladoskop“ von der Bühne, um kurze Zeit später mitten im Publikum aufzutauchen.

Während der beiden unverstärkten Songs „Irgendwo anders“ und „Jenga“, bei denen Keyboarder „Jo“ mit nichts mehr als einem handgroßen Hello-Kitty-Piano ausgestattet war, zeigte die Sängerin die gesamte und immer wieder erstaunliche Bandbreite ihres außergewöhnliches Gesangtalents. Sie kann halt nicht nur röhren, sondern auch zart und rührend singen. Kurzzeitig stoppt die Riesenparty und lässt die 1900 wütenden Anhänger regelrecht zu verliebten Teenies erstarren, die ihr Popidol anhimmeln.

 Doch damit war dann auch recht schnell wieder Schluss. Die Feuerzeuge, die versehentlich noch brannten, wurden bei „I love you, but I´ve chosen Dispo“ von einer regelrechten Druckwelle ausgeblasen, ausgelöst von Jennifer Weist, die mit ihrem heavy-metal-artigen Gesang an die besten Zeiten von Sandra Nasic und deren Guano Apes erinnerte.

Neben zehn Songs von der aktuellen Platte, die unter bis auf Rang zwei in den deutschen Albumcharts kletterte, gab es natürlich auch die Titel der ersten Stunde, wie „Feuer“ oder „Kopf oder Zahl“. Nach 90 Minuten, in denen Publikum und Band jederzeit auf einer Wellenlänge zu schweben schienen, war die Dauerdröhnung dann auch vorbei. Zum Abschied lies es sich Weist dann auch nicht nehmen, erneut inmitten des Publikums aufzutauchen und mit ordentlich Booty-Shake im Gepäck ihren Rapsong „Hengstin“ zu zelebrieren.

Am Ende hatte die „Hengstin“ dann auch noch eine gute Nachricht für ihre Fans. Am 24. Juni kommen Jennifer Rostock schon wieder nach Dresden, dann in die Garde. Gewarnt seien an dieser Stelle alle Bewohner südöstlich der Karcherallee: Wer keine Rollläden an den Fenstern hat, sollte sich bis zum Juni dringend ein Paar Ohropax in den Nachttisch legen…

Von Sebastian Burkhardt

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