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Jeder Ort ist der beste: Temporäre Galerien - ein preisgekröntes Konzept aus Dresden

Jeder Ort ist der beste: Temporäre Galerien - ein preisgekröntes Konzept aus Dresden

Verena Andreas und Torsten Rommel verwandeln leer stehende Gebäude in Dresden für kurze Zeit in Räume für die zeitgenössische Kunst. Andreas arbeitet als freischaffende Grafikerin und Kulturmanagerin, Rommel als freischaffender Kulturorganisator und Projektentwickler.

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Torsten Rommel und Verena Andreas

Quelle: Sandra Petzold

Sie kommen frisch aus der Winterpause und öffneten gerade - erneut auf dem Gelände des Kraftwerk Mitte - Modul Nummer acht. Es heißt "räumliche Position".

Frage: Der Name der aktuellen Ausstellung passt thematisch gut zu Ihrem Gesamtkonzept, in dem Sie sich mit dem Thema Nutzbarmachung von Freiraum auseinandersetzen. Ist das Zufall?

Torsten Rommel: Die ausgewählten Künstler haben sich mit diesem Thema auseinandergesetzt und wir fanden, dass es gut zur Wiedereröffnung und als Ausstellungsauftakt passt. Mit dieser Entscheidung sind wir glücklich, die Arbeiten sind großartig. Für unsere "galerie module" gilt, das Raum und Kunst eine Symbiose eingehen sollen, den Raum aber nicht unbedingt zum Thema haben müssen.

2011 haben Sie das Wanderkonzept begonnen. Sie waren in einem Geschäft auf dem Neustädter Markt, in einem ehemaligen Gemüseladen, in einem historischen Gewölbekeller oder im ehemaligen Industrie-Komplex Zeitenströmung gewesen. Was war der bisher beste Ort?

Verena Andreas: Bisher war es immer so, dass wir in jedem unserer Räume nach dem Aufbau der Meinung waren, dies sei der beste Ort. Vielleicht ist es der Wechsel der Orte - die Mischung aus Abschiedsschmerz und Vorfreude. Als besonderen Ort würden wir den als Silberstollen bekannten Gewölbekeller des ehemaligen Neustädter Rathauses an der Hauptstraße benennen. Denn die spektakulär geschnittenen Räume ermöglichten uns eine einmalige Kooperation mit zehn Dresdner Galerien und Off-Spaces.

Sie betreiben eine Kunstgalerie und nutzen leer stehende Objekte für temporäre Ausstellungen und kulturelle Veranstaltungen. Wie schwierig ist es, sich jedes Mal neu auf einen Ort einzulassen?

Rommel: Es ist schon jedes Mal eine Herausforderung. Zuerst gilt es, die besonderen Eigenschaften, wie Lage, Schnitte, Licht und Atmosphären des Raumes herauszufiltern, denn daran wollen wir nichts verändern. Dann suchen wir in unseren Köpfen und Netzwerken nach passenden Kunstformen und Künstlern, deren Arbeiten an diesem Ort optimal zur Geltung kommen.

Nach acht Anläufen können Sie vermutlich auch sagen, wie dieses Konzept funktioniert?

Rommel: Wir sind ohne große Erwartungen gestartet und können nach fast drei Jahren schon von einer erfolgreichen Unternehmung sprechen. Wir konnten für die zeitgenössische Kunst bisher verschlossene Räume öffnen und aktivieren, wir konnten zahlreichen Künstlern eine sehr gute Plattform sein. Seit der Gründung im Juli 2011 haben wir in acht Immobilienleerständen 15 Ausstellungen durchgeführt, haben 39 Kunstschaffenden sowie 42 Gastprojekten und Kooperationen Raum vermitteln können. Es kommen nicht nur Kunstinteressierte, sondern auch Rauminteressierte, also potenzielle Nachnutzer.

Betrachten Sie "galerie module" als einen Off-Space, also als einen nichtkommerziellen, unabhängigen Ausstellungsraum für junge, noch nicht etablierte, zeitgenössische Kunst?

Andreas: Wir sind wirtschaftlich orientiert, in dem Sinne, als dass wir von unserer Arbeit für "galerie module" leben wollen. Unser Dienstleistungskonzept - wirtschaftliche Interessen mit Interessen von Künstlern in Zwischennutzungsprojekten zu verbinden - schafft dabei für Künstler Räume, die unkommerziell und gleichzeitig wirtschaftlich unabhängig sind. Da wir keine Fördermittel beantragen, entstehen nicht einmal dadurch antragsbedingte Einschränkungen. Geschweige denn, dass die Künstler bei uns Miete bezahlen müssten. Eben gerade weil wir wirtschaftlich aufgestellt sind, realisieren wir tatsächlich nichtkommerzielle Ausstellungsräume. Das ermöglicht uns, Kunst nach Qualität auszuwählen und nicht nach Kunstmarktkomptabilität. Um die Frage zu beantworten: Jein. Oder: Wir erzeugen wirtschaftlich unabhängige Off-Spaces.

Sie kooperieren also mit Unternehmen, die sich für Kunst interessieren?

Rommel: Unsere Auftraggeber und Partner aus der Wirtschaft sind mit unserer Arbeit zufrieden, so dass wir einige Kooperationen mittlerweile ausbauen konnten. Dass wir 2012 als erste Dresdner vom Bundeswirtschaftsministerium mit dem Titel Kultur- und Kreativpilot ausgezeichnet wurden, uns bundesweit gegen über 600 Mitbewerbern durchsetzten, zeigt die zukunftsorientierte Stärke unseres Konzeptes. Auch fragen bereits andere Städte an, ob wir nicht einmal ein "galerie modul" bei ihnen machen können.

Wie vermitteln konkret Sie zwischen der Kultur- und Kreativwirtschaft und der Immobilienwirtschaft Dresdens?

Rommel: Über unsere Projektplattform werden Leerstandsangebote für die Nutzung als Atelier- und Arbeitsräume für die Kultur- und Kreativwirtschaft in Dresden öffentlich angeboten, während auf Wunsch von Eigentümern einige Immobilien vertraulich behandelt werden. Als Dienstleister vermittelt "galerie module" in persönlichen Gesprächen zwischen Immobilienwirtschaft und Kultur- und Kreativwirtschaft. Auf diesem Weg haben wir bisher gut 30 Künstler bei der Suche nach Arbeitsräumen oder temporären Ausstellungsräumen erfolgreich unterstützt.

In den Räumen auf dem Gelände des Kraftwerk Mitte haben Sie bereits zweimal ausgestellt und gehen nun in die dritte Runde. Ist das kein Widerspruch zum temporären Gedanken?

Rommel: Nein. Auch dieses Modul ist wie die vorherigen ein Zwischennutzungsprojekt und zeitlich begrenzt. Sicher ist dies das bisher längste "galerie modul". Wir selber sind, wie viele andere Akteure der Kultur- und Kreativwirtschaft auch, neugierig und gespannt auf die zukünftige Entwicklung des Areals Kraftwerk Mitte.

Ist dieser Ort von den Sanierungsmaßnahmen im Kraftwerk betroffen oder könnten Sie darin bleiben?

Andreas: Wir werden bis Mitte Oktober die Räume bespielen. In diesem Zeitraum werden wir dort fünf Ausstellungsprojekte verwirklichen sowie die "17. Internationale Dresdner Sommerakademie - Riesa Efau" und die "CrossMedia Tour" des Medienkulturzentrum e.V. als Gäste haben. Erst im Anschluss daran wird das Gebäude saniert und zukünftig die Verwaltungen von Staatsoperette und TJG beherbergen.

Interview: Juliane Hanka

i"galerie modul 8", "räumliche Position" auf der Ehrlichstraße 2 (Kraftwerk Mitte), noch bis zum 17. Mai, geöffnet Mi-Sa 13-18 Uhr. Mit Werken von Künstler Manja Barthel, Anke Ewers, Valeria Drotskaja, Ludwig Flohe, Christian Rätsch und Claudia Scheffler

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.04.2014

Juliana Hanka

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