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07:49 26.07.2018
James Blunt in der Jungen Garde Dresden Quelle: Anja Schneider
Dresden

James Blunt ist einer der Sänger weltweit, der seinem Stil seit dutzend Jahren treu geblieben ist und damit immer noch ankommt. Auf seiner Tour namens „Afterlove“ präsentiert er selbstverständlich – wie das Motto erahnen lässt – seine größten Liebesballaden, die es bis weit nach oben an die Chartspitze geschafft haben. Und er bleibt eben auch der nette Mann von nebenan, entzückt mit seiner bodenständigen Art und britischem Humor die Fans. So auch die Dresdner am Dienstagabend in der Jungen Garde.

Die volle Dröhnung Kuschelsongs

Obwohl der 44-Jährige seit Oktober 2017 bereits über 100 Konzerte in Europa, Asien und Amerika hinter sich hat, gab er sich sichtlich Mühe, auch in der Elbflorenz eine gute Show abzuliefern. Denn die Dresdner Fans sind seine Freunde, die er besonders beeindrucken möchte, schmeichelt James Blunt den Zuschauern. Und die waren sogar schon von seinen mangelnden Deutschkentnissen beeindruckt: Auf „Hallo, guten Abend! Wie geht’s?“ folgten bereits die ersten Jubelschreie.

James Blunt in der Jungen Garde Dresden

Dass Blunt einst zehn Jahre lang im nordrhein-westfälischen Soest gewohnt hat, wo sein Vater als Soldat stationiert war, und ihm dieser Basiswortschatz deshalb nicht schwer fallen sollte, wussten wohl die wenigsten. Wohl aber, was sie in den kommenden anderthalb Stunden erwarten würde: die volle Dröhnung romantischer Kuschelsongs. Und genau dafür waren sie hier – am passenden Ort, bei perfektem Wetter, mit dem richtigen Sänger. Sogar vor der Jungen Garde tummelten sich noch etwa 600 Menschen auf der Wiese, um zuzuhören.

Optimistische Grundstimmung trotz politischer Ausreißer

Mit dem Hit „Heart to Heart“ stieg der Brite ein und stellte die Zuschauer zunächst – wenn auch anfangs in etwas schiefer Tonlage – mit altbekannten Liedern wie „I’ll take Everthing“ und „Wisemen“ der ersten beiden Alben zufrieden, bis er den ersten Song „Time Of Our Lives“ des aktuellen Albums „Afterlove“ hören ließ. Als er diese Hommage an seine vierjährige Ehe spielte, hatte James Blunt sich auch endlich soweit eingesungen, dass er mit seiner gewohnt sanft-rauchigen, hohen Stimme wieder alle Töne traf.

Mit „Someone singing along“ kündigte der Singer-Songwriter einen extremen Themenwechsel an und witzelte: „Das Lied ist über Trump. Das konnte ich auf der USA-Tour aber niemandem sagen, immerhin wollen wir in Zukunft wieder dort spielen.“ In dem Lied des aktuellen Albums wird Blunt überraschend politisch, findet mit Zeilen wie „Somebody’s gonna wave a flag/ Somebody’s going to attack/ Someone will tell you to take a side/ Tell you their version of wrong or right” deutliche Worte – und zeigte als Bühnenszene Bilder vom zerbombten Syrien. Trotz allem blieb auch dieses Lied in seiner Grundstimmung optimistisch, genau wie „Lose my Number“, „Same Mistake“ oder die Pianoballade „Goodbye My Lover“. Selbst wenn die Texte oder Videos Tristesse versprühten, erzeugten sie durch ihre Beats paradoxerweise immer eine gute Stimmung.

Schmusesänger unter sich

Textlich fröhlicher wurde es dann aber auch wieder beim Ukulele-Song „Postcards“ und „High“. James Blunt forderte die Fans auf, die Gänsehaut-Momente durch leuchtende, schwingende Smartphones und Mitgesang zu unterstützen. Noch romantischer wurde es, als der Sänger im neuen Liebeslied „Make Me Better“ seiner Frau Sofia Wellesley dafür dankte, ihm einen Sohn geschenkt zu haben. Beim Dichten dieser harmonischen Zeilen hat ihm ein bekannter Musiker-Kollege geholfen, der sich im Metier der Liebesballaden mindestens genauso gut auskennt wie James Blunt selbst: Ed Sheeran.

Obwohl der – ebenfalls Brite und Popsänger – trotz späteren Karrierestarts bereits wesentlich erfolgreicher ist und sich scheinbar Blunts musikalische Nische als Schnulzensänger zu eigen gemacht hat, sieht James ihn nicht als Konkurrenten. Er freundete sich stattdessen mit ihm an, bot seine Hilfe als Skilehrer für Ed Sheeran in der Schweiz gegen dessen musikalische Expertise an und scherzt heutzutage darüber, dass er den rothaarigen, tätowierten Sänger auf dessen Nordamerika-Tour supportete, anstatt selber als Hauptact zu spielen: „I was kind of like Ed Sheeran’s bitch.“

Das Beste kommt zum Schluss

Dann, gegen Ende des Konzerts, kam endlich der Moment, auf den jeder eingefleischte Fan gewartet hat. Beim Nummer-1-Hit „You’re beautiful“, mit dem der Sänger damals seinen musikalischen Durchbruch schaffte, konnte keiner mehr still sitzen bleiben. Ein Konzert ohne dieses Lied wäre wohl undenkbar – auch wenn er es sicher schon tausend Mal gespielt hat. James Blunt hat sich auch die anderen, beliebtesten Lieder bis zum Encore aufgehoben: „Stay the Night“, „1973“ und „Bonfire Heart“ rundeten den Auftritt des sympathischen Briten perfekt ab. Textsicher sangen rund 5000 Menschen im Rund auch dann noch mit, als die Lieder lange verklungen waren. James Blunt versteht es eben, die Zuhörer mit seinen lebensbejahenden Stücken anzustecken – und verabschiedete die glücklichen Besucher nach 18 Liedern und zweieinhalb Stunden.

Von Katharina Jakob

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