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Interview mit Malky vor Konzert in Dresden

Konzert in der Scheune Interview mit Malky vor Konzert in Dresden

Nachwuchspreis, Kritikerlob, begeisterte Fans – vor knapp drei Jahren legten die Jungs von Malky mit ihrem Debütalbum „Soon“ – aufgenommen in der eigenen Dachgeschosswohnung – einen Start nach Maß hin. Es folgten hunderte Konzerte in ganz Europa.

Malky beim Leipzig-Konzert im Herbst 2015.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Dresden. Nachwuchspreis, Kritikerlob, begeisterte Fans – vor knapp drei Jahren legten die Jungs von Malky mit ihrem Debütalbum „Soon“ – aufgenommen in der eigenen Dachgeschosswohnung – einen Start nach Maß hin. Es folgten hunderte Konzerte in ganz Europa. Das Duo um Sänger Daniel Stoyanov und den Produzenten Michael Vajna ist künstlerisch mittlerweile in Berlin beheimatet und kommt heute Abend mit der neuen Platte „Where Is Piemont“ in die Scheune. Vor seinem Konzert nahm sich Sänger Daniel Stoyanov Zeit für ein paar Fragen.

Frage: Mit Eurem Debütalbum folgten mehrere Auszeichnungen, inzwischen habt Ihr ein Majorlabel im Rücken. Wie groß war der Druck bei den Arbeiten am Nachfolger?

Daniel Stoyanov: Der Druck war da, aber wir haben ihn für uns schnell relativiert. Wenn es so etwas wie Druck gibt, dann kommt er durch unsere eigenen Ansprüche. Wir haben uns letztlich gar nicht so viele Gedanken über die veränderten Umstände gemacht, sondern vom Label von Anfang an alle Freiheiten bekommen, das Album so zu machen, wie wir es wollten. Alle anderen Drucksituationen wie Abgabetermine sind ganz normal – und das ist auch gut so, positiver Druck eben. Letztlich wollten wir auf „Where Is Piemont“ einfach die Musik machen, für die wir in den nächsten zehn Jahren stehen wollen.

„Soon“, so hieß es damals von Euch, sei „irgendwie eine Leipzig-Platte“. Welche Art Scheibe ist denn nun „Where Is Piemont“ geworden?

Es ist wohl ein Hybrid aus der Region zwischen Torgau und Wittenberg und Italien, der Toskana oder eben Piemont. An jeder Ecke ist Italien. Der Ort wirkt sich natürlich auf die Aufnahmen aus. Und dort wo Michi (Michael Vajna, Produzent) hingezogen ist, eine ländliche Region in der Nähe von Wittenberg, gibt es viel Prärie, viele Kühe und Pferde, viel Wald – eine sehr schöne Landschaft. An manchen Stellen wirkt es durch den sandigen Boden mediterran. Das spiegelt sich in der Platte wider.

Welche Rolle hat Italien als Sehnsuchtsland konkret gespielt?

Italien ist ein Land mit einer unglaublichen Kultur. Man hat das Gefühl, dass die Italiener jeden Moment förmlich zelebrieren: Wenn sie reden, miteinander essen, im ganzen zwischenmenschlichen Verhalten. Diese Sicht ist natürlich auch ein wenig eine Fantasie und entspricht nicht unbedingt der Realität. Aber in den Wintermonaten, als wir die Platte allmählich fertiggestellt haben, dachten wir oft an Italien, als den Ort, wie ihn schon Goethe beschrieben hat, an dem die Zitronenbäume blühen. Dass an diesem Sehnsuchtsort schon so viele Dichter und Denker Inspiration gesucht haben, zeigt deutlich die Anziehungskraft. Man möchte einfach, dass einem warm ums Herz ist, dass man das Imposante am Leben, die Lebensfreude, erlebt und aufblühen lässt.

Textlich geht Ihr auf „Where Is Piemont“ wieder sehr in die Tiefe, etwa im Song „Lampedusa“. Wie schwer war es, diese Gedanken zu Papier zu bringen?

Der Prozess läuft eigentlich immer gleich ab. Ich versuche, bestimmte Dinge, die ich im Hinterkopf habe, zu verarbeiten – und die Flüchtlings-Katastrophe auf Lampedusa gehört dazu. So ein Satz wie „If you don’t want my soul, at least take my body, Lampedusa“ hat für mich einfach eine gewisse Wucht und verdient eine Bühne. Ich will auf eine gewisse Art mit der Tragödie verbunden sein. Es ist schwierig zu erklären, warum, aber ich will nicht, dass es mir permanent ein schlechtes Gewissen macht, sondern einfach damit verbunden sein. Genau so, wie ich mit Leuten verbunden sein will, die der Einwanderungswelle gegenüber skeptisch sind, aber auch mit Leuten, die helfen. Ich will mit allem davon verbunden sein, anderen Meinungen gegenüber nicht die Tür zuschlagen. Im Fall von Lampedusa wollte ich einfach, dass es so einen Song gibt. Einerseits ist es eine Liebeserklärung. Ich singe das Stück an die Insel, merke dann aber, dass es eine Diskrepanz zwischen uns gibt und sage diesen Satz schließlich stellvertretend für die Menschen, die in so einem Boot sitzen. Ich erkläre auf keinen Fall die komplette Situation, sondern erläutere nur einen Teil davon. Einen wichtigen, der einfach erklärt werden muss.

„Where Is Piemont“ besticht auch durch große stilistische Bandbreite. War das eine bewusste Entscheidung oder fällt es Euch einfach schwer, Euch für einen Stil zu entscheiden?

Auf einen Stil festlegen wollen wir uns eigentlich nicht wirklich bewusst. In allem steckt jedoch ein wenig Swing, egal ob wir bombastisch auffahren oder auf der anderen Seite ganz klein sind. Das Schöne an dem Album ist ja, dass es die Stile nicht eins zu eins übernimmt. Es ist keine reine Swingplatte, wir übernehmen viel mehr den Gestus und die Haltung des Crooners auf der Bühne, oder die des Arrangeurs, der gerade den nächsten „Ben Hur“-Soundtrack schreibt. Und diesen Gestus findet man in jedem Song. Wir reden generell viel über die Haltung, mit der wir die Stücke vortragen und lassen einen Track auch erst dann auf die Platte, wenn er dieser Haltung gerecht wird.

Gibt es denn noch irgendwelche Stile, an denen Ihr Euch in Zukunft versuchen möchtet?

Generell würden wir uns gern an allen möglichen Stilen versuchen. Es darf aber am Ende keine Algorithmus-Musik sein. Wir wollen uns nicht ständig fragen: „Okay, damit der Song wirkt, muss dieser Part so klingen, an dieser Stelle gespielt werden und diese Schlagwörter beinhalten.“ Natürlich wäre das eine Herangehensweise, die funktioniert. Aber für uns geht das nicht auf, weil dabei auch ganz schön viel belangloser Mist herauskommt. Wir können uns viel besser isoliert auf einen Sound konzentrieren, der vielleicht auch gar nicht mal so aktuell sein muss. Aber er gefällt uns und ­entspricht unserem Geschmack. Wir merken ja, dass es auch Menschen gibt, die unsere Musik in derselben Tiefe spüren wie wir. Und so lange das irgendwie gegeben ist, können wir das auch weiterführen. Alles andere ist einfach zu be­rechenbar.

Wie sähe denn die ideale Besetzung für Malkys Idee von Musik aus?

Zunächst mal wäre das unsere Stamm­besetzung: Bass, Gitarre und Schlagzeug. Natürlich haben wir auch schon ver­schiedene Setups ausprobiert, etwa ein Wohnzimmerkonzert mit kleinem ­Streicherensemble gespielt. Aber die perfekte Besetzung wäre, ehrlich gesagt: Die Band, drei Streicher und drei Bläser. Dann kriegt man die geballte Ladung Malky.

Wäre das auch mittelfristig Euer Ziel?

An irgendeinem Punkt auf jeden Fall! Darauf müssen wir natürlich hinarbeiten, dass es klappt – und wir es uns leisten können. Vielleicht funktioniert das ja mal im Rahmen einer Special-Tour.

Malky spielen heute in der Scheune, Alaunstraße 36-40

Einlass ist um 19, Beginn um 20 Uhr. Restkarten gibt es für 20 Euro unter www.konzertkasse-dresden.de oder an der Abendkasse.

Von Bastian Fischer

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