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10:02 02.02.2018
Streetart-Künstler Tasso zeigt eine aktuelle Collage mit dem Umriss des Zwickauer Doms. Quelle: Claudia Drescher/dpa
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Zwickau

Die farbige Leinwand hängt in Fetzen zerschnitten aus dem Bildrahmen, darüber prangen eine kahle Ziegelwand und die Reste eines Graffitis. In gewohnt ironischer Manier schreckt Streetart-Künstler Tasso nicht einmal davor zurück, sein eigenes Werk zu zerstören. Das Bild ist eines von insgesamt 40 Arbeiten, die der aus Meerane stammende Graffiti-Künstler ab Sonntag (11.00 Uhr) in einer Sonderausstellung in der Galerie am Domhof Zwickau zeigt.

Das zerstückelte Werk ist eine Anspielung auf sein Riesen-Graffito, das seit Herbst eine vormals kahle Hauswand in der Zwickauer Innenstadt schmückt - mit dem ehrwürdigen Dom im Hintergrund. Im Vorfeld hatte es bei manchem Bedenken gegeben, der Blick auf das 500 Jahre alte Denkmal werde so verschandelt, erzählt der 51-Jährige. Für ihn Grund genug, das Ganze nun umzudrehen und kurzerhand den Dom als Störfaktor herauszuschneiden. Anfassen sei in diesem Fall übrigens ausdrücklich erlaubt.

Die neue Schau mit dem Titel „Claquere willkommen!“ ist eine der seltenen Gelegenheiten, Tassos künstlerisches Schaffen in seiner Heimat zu erleben. In der Streetart-Szene gilt er durch seine fotorealistischen Graffiti als weltweite Größe. Einzel- und Gruppenausstellungen mit ihm findet man eher jenseits der Grenzen als direkt vor der eigenen Haustür, berichtet Tasso, der mit bürgerlichem Namen Jens Müller heißt.

Die Mehrheit der gezeigten Graffiti, abstrakten Malereien, Collagen sowie eine Installation sind erst im vergangenen Jahr entstanden. Mit einer Vorliebe für Ironie und das Unerwartete setzt er sich darin mit gesellschaftskritischen Themen auseinander. Genitalverstümmelung, häusliche Gewalt, Obdachlosigkeit - all das bringen Tassos Bilder mit unverkennbaren Einflüssen aus der Streetart zum Ausdruck.

Galerie-Leiterin Alexandra Hortenbach ist zuversichtlich, dass Tassos Arbeit ankommen wird - auch wenn die Galerie-Besucher sonst eher der arrivierten Kunst zusprechen. „Für uns ist diese Ausstellung eine Chance, nicht nur unser Stammpublikum anzusprechen, sondern darüber hinaus auch ein jüngeres Klientel.“

Umgekehrt biete sich für ihn die Chance, ältere Kunstinteressierte zu begeistern, die bislang keinen Zugang zu Graffiti hätten, meint Tasso. Denn von eigenen Arbeiten leben könne er trotz weltweiter Reputation auch nach 25 Jahren noch nicht. Seinen Lebensunterhalt bestreite er mit Graffitikunst im Kundenauftrag. „Wobei ich die Auftragsarbeiten an all den Wänden nicht missen möchte, nur im Atelier - das wäre mir dann doch zu langweilig.“

Wenige Tage nach Eröffnung seiner Sonderausstellung ist er daher auch schon wieder fernab der Heimat unterwegs. In Dänemark wartet schon die nächste kahle Hauswand.

Von Claudia Drescher, dpa

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