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Intensives Konzert der Musikbrücke Prag-Dresden in der Annenkirche

Intensives Konzert der Musikbrücke Prag-Dresden in der Annenkirche

Die meisten Kirchenkonzerte konzentrieren sich jetzt auf den Karfreitag und Passionsoratorien weisen allerorten auf die Kreuzigung hin. Im Blick von außen auf das musikalische Repertoire offenbarte das Konzert von Collegium 1704 und Collegium Vocale 1704, dem ersten in der Reihe "Musikbrücke Prag-Dresden" im Jahr 2013, dass in der Passionszeit mehr möglich ist.

Das Programm blickte über dem Karfreitag hinaus, auf die Überwindung des Irdischen als Bezug des christlichen Glaubens.

Doch nicht nur darauf machte das Konzert in der Annenkirche aufmerksam. Es war vor allem die musikalische Intensität, die den Abend beflügelte, die ungeahnte Effekte in den Werken freilegte und jeden Applaus zwischen den Werken überflüssig werden ließ. Es ist wohl nicht übertrieben, dieses Konzert zu den stärksten der "Musikbrücke" zu zählen. Dabei verzichtete es auf "Populäres" und überzeugte in seiner inhaltlichen Klarheit. Als gehörten sie zusammen, entsprach die Sinfonia aus Zelenkas "I Penitenti" in ihrem dunklen, pulsenden Gestus, den Dirigent Václav Luks fand, der Kantate "Liebster Jesu, mein Verlangen" von Johann Sebastian Bach. Der Dialog zwischen einer gläubigen Seele (Nicola Proksch, Sopran) und Jesus (Tomás Král, Bass) drückt aus, was die Zeitgenossen des Komponisten in ihrem Glauben bewegte, und Luks erfasste diese ambivalente Situation zwischen Abkehr von der Welt und der Notwendigkeit, in ihr zu leben, musikalisch sehr genau. Der beweglichen Stimme von Nicola Proksch fehlte eine Spur mehr Intensität im Ausdruck, um der dichten Interpretation von Tomás Král zu entsprechen. Oder auch dem Oboenspiel von Luise Haugk.

Ein größerer als der von Luks in Wilhelm Friedmann Bachs "Adagio und Fuge d-Moll" entwickelte Kontrast, ließ sich kaum erzeugen. Die atmende Adagio mit seinem zauberhaften Traversflöten-Duett (Julie Barná, Lucie Dusková) war gegen die Kraft der Fuge derart gespannt, dass sie bis zum Schluss des Konzerts trug. Die Sinfonia von Johann Sebastian Bachs Kantate "Nach dir, Herr, verlanget mich" schloss sich entsprechend an, und der Reiz der Kantate, die im Text von der Überwindung irdischer Endlichkeit hoffnungsfroh berichtet, setzte den Spannungsbogen musikalisch in einer herrlichen Detailarbeit fort. Bis sich die gesammelte Energie in der Einleitung des Miserere c-Moll von Jan Dismas Zelenka zu größter Dramatik entlud, von Václav Luks dynamisch im folgenden Chor eingefangen. Nach der fast luftig genommenen Chorfuge und der Sopranarie ließ die Reprise des ersten Abschnitts keinen Zweifel daran, dass dies Musik zur Passionszeit war. Trotzdem war hier nach einer gebührenden Pause viel Applaus für die besondere Aufführung angebracht.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 19.02.2013

Hartmut Schütz

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