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Ina Müller zu Gast in der Messe Dresden

Juhu-Tour Ina Müller zu Gast in der Messe Dresden

Seit Ina Müllers freches Fernsehformat „Inas Nacht“, eine manchmal bizarre, meist aber kurzweilige Mischung aus Stammtischgeplauder, uriger Musik, deftigen Trinkgelagen und ganz viel Spontaneität, vom dritten ins erste Fernsehprogramm gewandert ist, ist die trinkfeste Talkmasterin und auch sonst auf vielen Hochzeiten tanzende Künstlerin endgültig auch in Sachsen Kult. Jetzt war sie in Dresdens Messe zu Gast.

Ina Müller in der Messe Dresden.
 

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden.  Krone der Schöpfung? Wunderwerk Mensch? „Ja, ja, deswegen sieht es auf der Welt zur Zeit auch so gut aus. Weil wir so schlau sind“, ätzte süffisant-ironisch Ina Müller in der Dresdner Messe, wo sie im Rahmen ihrer Juhu-Tour Station machte (mit im Gepäck das neue Album „Ich bin die“), umjubelt von Hunderten von Frauen – und ja, auch nicht zu knapp Männern.

Seit Müllers freches Fernsehformat „Inas Nacht“, eine manchmal bizarre, meist aber kurzweilige Mischung aus Stammtischgeplauder, uriger Musik, deftigen Trinkgelagen und ganz viel Spontaneität, vom dritten ins erste Programm gewandert ist, ist die trinkfeste Talkmasterin und auch sonst auf vielen Hochzeiten tanzende Künstlerin endgültig auch in Sachsen Kult. Die Bekanntheit hat allerdings auch so ihre Schattenseiten, wie Müller in einer bereitwillig erzählten Anekdote wissen ließ. Als sie unlängst in einem Hotel eincheckte, guckte sie ein älterer Mann lange an und fragte, allen Mut zusammennehmend, schließlich: „Sie kommen mir bekannt vor“. Müllers Antwort launige lautete: „Wirklich? Gucken Sie manchmal Pornos?“ Spaß muss sein, aber man kann es dem Mann auch nicht verdenken, dass sein Blick dann ziemlich eisig war.

Wie man das von ihr kennt, redet oder sabbelt Müller viel zwischen den Liedern, bei denen sie sich von einem erstklassigen siebenköpfigen Ensemble, fünf männlichen Musikern und den beiden frisch verheirateten Chorsängerinnen Sarajane McMinn und Ulla Ihm, begleiten lässt. Sorgt das wunderschöne, autobiografische „Fünf Schwestern“ eher für Gänsehaut-Feeling, so zeichnet sich das Gros der Popsongs eher durch feinen Witz aus, gerade auch wenn es um die zwischenmenschlichen Beziehungen geht. Eröffnet wurde der Lieder-Reigen mit dem Chanson „Zimmer 410“, in dem darüber spekuliert wird, was sich in dem Hotelzimmer so getan hat im Laufe der Zeit. Danach ging Müller das erste Mal so richtig in die Vollen und heizte die Stimmung mit „Sie schreit nur noch bei Zalando“ ordentlich an. Mag auch keines der Lieder die einschlägigen Charts stürmen, so sind sie doch, gerade weil Müller keinem Trend hinterherjagt, in gewisser Weise zeitlos. Man kann das auch in fünf oder zehn Jahren noch hören, denn Ina Müller erzählt Geschichten und beschreibt Situationen in ihren Songs, wie sie das Leben nun mal schreibt, wenig angenehme, was das Älterwerden angeht, inklusive.

Wie gewohnt ist der Abend eine Mischung aus Konzert und Comedy, wobei die vierte von fünf Töchtern einer Bauernfamilie aus dem Landkreis Cuxhaven „heiße“ Eisen anpackt, die Frauen nun mal bewegen: Schuhe, Wechseljahre („Die Generalprobe für den Tod“) und die Macken der Macker. Männer? Die sind einfach eine Fehlpressung, wie Müller einem ihr geschenkten Buch entnahm, das den Mann zur Sackgasse der Evolution erklärt, zum Aussterben verdammt. In 127 000 Jahren, was noch ein bisschen hin ist. Wenn diese Erkenntnis nicht zu den Fake News zu zählen ist, dann ist es vorbei mit Sprüchen wie: „Ich habe nie gesagt, dass Du nicht kochen kannst. Aber es ist doch komisch, dass der Hund immer, wenn du kochst, nicht am Tisch sitzt und bettelt.“

Auch sonst zeigt Müller keine Scheu vor Kalauern und Zoten, wirft gerade mit Wonne mit Witzen und derben Sprüchen um sich, die teilweise aus dem Pleistozän der verbiesterten wie bigotten Feminismusbewegung stammen, teilweise aber halt auch mehr als nur das berühmte Körnchen Wahrheit enthalten. Wer möchte ernsthaft bestreiten, dass man mehr vom Weg hat, wenn man nach einem Kneipenabend schwankend nach Hause geht? Und klar, wer alterstechnisch die Fünfzig mal erreicht hat, der versteht in der Tat nicht, wie man sich als Kind nur derart gegen den Mittagsschlaf sträuben konnte.

Bemerkenswert ist an Ina Müller der Sinn zur Selbstironie. Sie ist sogar so frei, alles andere als elegant bäuchlings auf den weißen „Schimmel“-Flügel zu robben, der zwischenzeitlich auf die Bühne geschoben wird. Der Flügel klingt erstmal verstimmt, dann wird er geöffnet, und Müller kramt erst, tätä, ein ledernes Halsband mit rotem „Spielball“, also einer Sado-Maso-Kugel, und dann eine Peitsche hervor. Die schwingt sie dann, nicht Domina-like, aber doch bestimmt, als sie über die aktuelle Fernsehwerbung und das dort vorherrschende Frauenbild ereifert und giftig fragt: „Ja bin ich denn in Doofhausen?“ Und bei allem Spott über Männer, es ist auch nicht schön, wenn „er“ nicht da ist, wie Müller in einem Lied konstatiert.

Von Christian Ruf

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