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In der Osterausstellung im Jägerhof gleicht kein Ei dem anderen

Große Fotostrecke In der Osterausstellung im Jägerhof gleicht kein Ei dem anderen

In der neuen Osterausstellung des Museums für Sächsische Volkskunst im Jägerhof in Dresden werden unter dem Motto „Poesie in Bewegung“ auch Installationen und Dioramen Reinhard Zabkas präsentiert. Dazu gibt es viel Buntes vom Hasen und vom Ei.

Ostern im Jägerhof 2018

Quelle: Dresdner Neueste Nachrichten

Dresden. Ostern gehört, man muss es einfach so deutlich sagen, zu den gefährlichsten Feiertagen des Jahres. Schuld daran sind die Eier. Mal wird vermeldet, dass sie voller Dioxin, mal tummeln sich Salmonellen in ihnen, weshalb Kindern, Kranken und alten Leute abgeraten wird, Eier auszublasen.

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So bunt ist die Osterausstellung im Jägerhof. Jedes Ei verzückt dabei mit ganz eigenen Besonderheiten

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Aber es gibt natürlich auch zu jedem Risiko bereite Mitbürger. Sie stellen aus Eiern die ungewöhnlichsten Kunstwerke her – und liefern Nachschub für das Museum für Sächsische Volkskunst, das deshalb einmal mehr zur beliebten und deshalb auch alle Jahre wieder ausgerichteten „Ostern im Jägerhof“-Schau einzuladen vermag.

Wer sich also aufmacht, findet im Jägerhof herrliche geschmückte Ostersträuße, Eier-Künstler, die ihre traditionellen oder frisch erfundenen Verzierungstechniken vorführen und erläutern – etwa 15 sind es unter der Woche, gut 25 an den Wochenenden. Alles in allem werden insgesamt 60 Künstler zeigen, auf welche Weise sie Eier künstlerisch umgestalten. Manche Eier werden mit Draht verziert, eine Technik, die aus dem Böhmischen kommt, andere werden einer Wachsbossiertechnik unterzogen. Wieder andere wurden zu kleinen Vögeln umgestaltet. Ein großes Ei diente Elisabeth „Schakira“ Wolf aus Radebeul als Vogelkörper, ein kleines als Kopf (Hühnereier blieben als Arbeitsmaterial außen vor), farbenprächtige Pfauenfedern fungieren als Schwanzgefieder.

So um die 150 Leute schreibt man jedes Jahr an, dann hat man die Qual der Wahl, wie Elke Birninger, Organisatorin des Veranstaltungsprogrammes, gestern gegenüber den DNN erklärte. Zwei Sorbinnen in Tracht sind auch mit von der Partie, die „müssen dabei sein, das erwarten die Leute“, ließ Igor A. Jenzen durchblicken, der Direktor des Museums für Sächsische Volkskunst mit Puppentheatersammlung.

Auf die Besucher wartete eine Auswahl der schönsten, kuriosesten und virtuosesten Ostereier aus der umfangreichen udn sich stetig erweiternden Sammlung des Museums, Bastelangebote für Groß und Klein und natürlich viele Gelegenheiten, kleine Geschenke einzukaufen. Viele Eier sind in diversen Vitrinen der ständigen Ausstellung (alles andere als) „versteckt“. In einer Vitrine lagern etwa Eier, die nicht einfach nur angepikst sind, wie man dies so tut, wenn man sie kochen will – sie sind regelrecht durchlöchert. Loch reiht sich an Loch, aber irgendwie anders als auf dem Golfplatz. Kunstvoller. Raffinierter.

Neue Reihe „Wahlverwandtschaften“

Und so wie Ostern ein bewegliches Fest ist (weil es im christlichen Kalender jeweils auf den Sonntag nach dem Frühlings-Vollmond liegt), so will sich auch das Museum für Sächsische Volkskunst selbst beweglich zeigen und öffnet in einer neuen Ausstellungsreihe „Wahlverwandtschaften“ sich für diejenigen bildenden Künstler, die die Volkskunst als Inspirationsquelle, als Reibungsfläche oder auch als Bühne schätzen. In diesem Jahr wurde Reinhardt Zabka, der manchem vielleicht eher unter seinem Künstlernamen Richard von Gigantikow bekannt ist, was jetzt zumindest einen Tick besser klingt als Abul Abbas der Blutige, Albrecht der Entartete oder Azog der Schänder. Zabkas Kunstwerke, ob riesengroß als Phantasmagorien aus Europaletten, Latten und Brettern auf den Elbwiesen, oder als höchst subtile Kabinettstücke in seinem „Lügenmuseum“ in Radebeul-Serkowitz, sind immer in Bewegung, entsprechend lautet das Motto seiner Schau im Jägerhof auch „Poesie in Bewegung“.

Begleitprogramm

17. März, 11 Uhr: Frühlingsmärchen, erzählt von Frank-Ole Haake; 15 Uhr: Frühlingsgeschichten mit Madame Rosa

18. März, 11 Uhr: Frühlingsklänge mit Anja Zscheile, Gesang, und Dorthe Braun, Harfe; 15 Uhr: „Jesus Christ Superstar“ mit Detlef Hutschenreuter

22. März, 11 Uhr: Puppenspiel mit Volkmar Funke

30. März, 11 Uhr: Märchen der Welt; 15 Uhr: „Das Leiden Christi“ – das mechanische Figurentheater aus der Oberlausitz um 1830, Kunstgespräch mit Igor A. Jenzen

Ostermontag, 2. April, 11 Uhr: Veranstaltung mit Petra Landsberg; 16 Uhr: Frühlingskonzert mit dem Männerchor Dresden-Striesen

Zu DDR-Zeiten war Zabka eine der Gegenstimmen auf dem Prenzlauer Berg in Berlin, organisierte Straßenfeste, Ausstellungen und illegale Veranstaltungen in seinem Atelier. Nach dem Mauerfall erklärte er sein Kunsthaus zum Lügenmuseum und organisierte internationale Kunstereignisse. Museumschef Igor A. Jenzen kennt Zabka schon lange, er ist stets aufs Neue fasziniert von dessen „verspielter Art, mit Resten des Alltags umzugehen“. Ein alter Koffer, den er jahrzehntelang mitgeschleppt hatte, wurde von Zabka für eine Installation zersägt und lässt sich nun wie ein Flügelaltar aufklappen. Ein anderes nach dem Steckkasten-Prinzip gestaltetes Diorama wird als „Museum der fragwürdigen Dinge“ ausgewiesen, zu den Exponaten gehören u.a. „Monstranzbohnen“ und ein „tödlicher Kaltstecker“. Jenzen versichert, die Osterausstellung sei enorm anregend – und ganz wichtig ist für ihn, dass mit ihr versucht wird, „die Besucher zum Selbermachen zu animieren“. Ob nun fürs Basteln ein Ei benötigt wird oder nicht, muss jeder selbst entscheiden (wie eingangs konstatiert, haben Eier ja so ihre Tücken).

Ergänzend zur Schau wird bis zum 2. April abwechslungsreiches Programm von Vorträgen, Lesungen und Konzerten als passende Einstimmung aufs Ostefest angeboten. So kann Birninger u.a. stolz den ersten Vortrag einer neuen Reihe ankündigen: Am Palmsonntag, dem 25. März, 11 Uhr, sprechen Mitarbeiter des Bibelpflanzenprojekts an der TU Dresden zum Thema „Von Gerechtigkeit und Süßigkeiten – Die Dattelpalme in biblischen Texten“. Man darf davon ausgehen, dass peu à peu Weizen und Gerste, Weinstock, Feigenbaum und Granatbaum, Ölbaum und Honig abgehandelt werden, jene sieben Früchte, die laut einem Vers im dem Deuteronomium die Fruchtbarkeit Kanaans symbolisieren.

bis 2.4., die Schau „Poesie in Bewegung“ ist gar bis zum 21.5. zu sehen.

www.skd.museum.de

Von Christian Ruf

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