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Im Gespräch mit Tänzer und Choreograph Felix Berning

Interview Im Gespräch mit Tänzer und Choreograph Felix Berning

Zum Auftakt von „Open Grounds“ der Dresden Frankfurt Dance Company am Mittwoch im Festspielhaus Hellerau ein Interview mit Felix Berning

Felix Berning

Quelle: Bastian Stein

Dresden. Mit der Dresden-Premiere am 29. November eröffnet die Dresden Frankfurt Dance Company eine Aufführungsserie zu „Open Grounds“ im Festspielhaus Hellerau. Vorgestellt werden ausschließlich Choreografien von und mit Ensemblemitgliedern. Erstmals wird dann auch eine Arbeit von Felix Berning dabei sein, der seit Mitte 2016 zur Company gehört. Gabriele Gorgas spricht mit ihm über seine besonderen Wege zum Tanz, das Studium an der Palucca Hochschule, sein erstes Engagement und die Lust am Choreografieren.

Gerade noch Student und schon seit 2016 Mitglied der Dresden Frankfurt Dance Company. Wie ist das möglich?

Es war einfach ein glücklicher Zufall. Ich durfte mich 2016 als Studierender im Bachelor-Studiengang Tanz der Palucca Hochschule bei der Gala an den Landesbühnen Sachsen zum 25jährigen Bestehen der Tanzwoche Dresden mit einer eigenen Choreografie vorstellen. Und Jacopo Godani sowie Mitglieder der Company, die mich auch schon kannten, waren offenbar recht angetan davon. Dann trafen wir uns und ich bekam das verlockende Angebot, in der Dresden Frankfurt Dance Company zu tanzen. Das Problem aber: ich war noch im 2. Bachelor-Studienjahr Tanz, also ohne Abschluss. Und so brauchte es das besondere Entgegenkommen der Hochschule wie auch meinen festen Entschluss, beides zu schaffen, Engagement und Studienabschluss. Was ja eher die Ausnahme ist. Und manche waren da auch sehr skeptisch. Was meinen Ehrgeiz aber ganz besonders angestachelt hat.

Ein Junge, der bereits mit vier Jahren zu tanzen beginnt, ist ja an sich schon die Ausnahme.

Bei meiner Familie ist das aber nicht verwunderlich. Meine Mutter hat nebenbei Step-Tanz unterrichtet und meine Großeltern waren mit Standard-Lateintänzen unterwegs. Mir lag der Tanz sozusagen im Blut. Und schon mit vier Jahren habe ich mit free style angefangen. Während sich mein Zwillingsbruder mehr für Fußball interessierte, was die Richtung meines Vaters war. Ich hatte dann bald privaten Unterricht in Showdance, habe auch mehrfach an Weltmeisterschaften in Riesa teilgenommen und als 16-Jähriger einen 8. Platz in der Kategorie Solo belegt. Da war ich mächtig stolz darauf.

Aber es blieb nicht beim Showtanz?

Es war gut für meine Entwicklung, aber künstlerisch auch ein ziemlicher Richtungswechsel, als ich schließlich das Gymnasium Essen-Werden besuchen konnte. Dieses bietet als einziges in Deutschland Tanz als Leistungskurs an. Beim Vortanzen musste ich so merkwürdige Ballettstrumpfhosen anziehen und habe mich damit schrecklich unwohl gefühlt. Aber ich wurde genommen und konnte dort viel lernen. Wir hatten täglich Tanztraining, Unterricht in Klassisch, Modern, Improvisation und später auch Repertoire. Das war sehr hilfreich, als ich nach dem Abitur auf der Suche nach einer geeigneten professionellen Tanzausbildung war. Erst glaubte ich, sie in Rotterdam, dann in Frankfurt gefunden zu haben. Um mich schließlich für Dresden und die Palucca Hochschule zu entscheiden. Was ich nie bereut habe.

Was ist so besonders an der Palucca Hochschule?

Die Hochschulen bieten zwar ähnliche Profile an, aber Konzept und Struktur in Dresden haben mich besonders angesprochen. Da hast du die Chance, dich ernsthaft auszuprobieren, bist in jeder Richtung gleichermaßen gefordert. Und entwickeltst eine gewisse Freiheit und Sicherheit, um schließlich eigene Wege gehen zu können. Ich weiß heute ganz besonders zu schätzen, wie sehr sich der Klassische und Moderne Tanz bedingen. Keine dieser Seiten sollte vernachlässigt werden. Was ja auch so eine Art Philosophie der Palucca Schule ist.

Es passt zu Felix, dem Glücklichen, so schnell ein so tolles Engagement gefunden zu haben.

Wenn ich überlege, dass ich jetzt schon über ein Jahr mit der Company und Jacopo Godani arbeite, wo ich doch im Frühsommer 2017 gerade erst meinen Bachelor in Dresden gemacht habe. Das ist schon verrückt. Wir sind aber alle ganz gut unterkommen, manche in Deutschland, andere in der Schweiz, Frankreich oder in den USA. Und Paula Tarraguel, mit der gemeinsam ich auch jetzt mein Duett bei „Open Grounds“ in Hellerau tanze, gehört nun zur Absolventenklasse im Bachelor-Studiengang Tanz. Alternierend dazu übernimmt ebenso Zoe Lenzi aus der Company diesen Part, die übrigens auch von der Palucca Hochschule kommt.

Wer ist auf die Idee gekommen, einen solchen Abend wie „Open Grounds“ zu wagen?

Jacopo Godani und Luisa Sancho Escanero. Eine erste Aufführungsfolge hat es schon in Frankfurt gegeben - ich war da zunächst als Tänzer in den Choreografien von Claudia und Joel dabei. Meine eigene Arbeit stelle ich nun in Hellerau vor. Für uns ist das alles sehr aufregend und eine große Herausforderung.

Was bedeutet es überhaupt, zu choreografieren?

Wir sind in dieser speziellen Konstellation für alles selbst verantwortlich, entwickeln ein Konzept für die eigene Arbeit, kümmern uns um Kostüm, Licht, Musik. Mit dem Vorteil, dabei Hilfe von der Company insgesamt zu bekommen. Und sind auch als Tänzer einbezogen in die Überlegungen der Kollegen, Freunde. Das fühlt sich so an, als haben wir alle gemeinsam dieses Projekt geschaffen, mit dem wir uns auch vorstellen können. Egal, in welcher Rolle wir dabei sind. Mir selbst macht es viel Spaß, mich im Choreografieren auszuleben und ich möchte so auch mehr über mich erfahren. Das ist ähnlich wie in der Improvisation. Man projiziert in das Geschehen, was man fühlt und denkt.

Der Tänzerberuf ist bekanntlich ein disziplinierender, herausfordernder Job.

Ja,so ist es. Manche halten das jedoch für ein Gerücht. Weil sie so eine Art Freizeit-Vorstellung auch vom professionellen Tanz haben. Dabei sind wir eingebunden in einen geregelten, anstrengenden Tagesablauf und hinzu kommen noch die Aufführungen. Aber ich habe zum Beruf gemacht, was ich liebe, bin mit Leib und Seele dabei. Das inspiriert sehr und ist für mich auch ein großes Glück.

„Open Grounds“, Festspielhaus Hellerau, Dresden Frankfurt Dance Company, Aufführungen am 29./30. 11. sowie vom 1. bis 3. 12., Beginn jeweils 20 Uhr, am 3.12. werden ab 16 Uhr darüberhinaus in der interkulturellen Reihe KIWI - Kinderwelt in Hellerau Mitglieder der Company Arbeiten vorstellen, mit den Kindern ins Gespräch kommen und gemeinsam mit ihnen tanzen. Kartenbestellungen für alle Termine sind möglich auch über den Besucherdienst in Hellerau, Telefon 49 (0) 351 2646246.

Von Gabriele Gorgas

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