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Regional Im Dresdner Verkehrsmuseum widmet sich derzeit eine Ausstellung den Abenteuern von Dig, Dag und Digedag
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17:48 09.09.2015

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Mit ihnen erlebte er die Römerzeit, durchstreifte als Pirat die Südsee und flog in den Weltraum. Und nicht nur Flechtner begeisterten die drei Figuren aus der Feder des Künstlers Hannes Hegen von 1955 bis 1975 in der Comic-Zeitschrift "Mosaik". Eine ganze Generation ostdeutscher Kinder wuchs mit ihren Abenteuern auf. Die Geschichten der drei possierlichen Kobolde ließen sie nicht nur historische Begebenheiten nachempfinden, sondern führten sich auch an solche Sehnsuchtsorte wie den Orient oder das heutige Istanbul, die dem normalen DDR-Bürger sonst verwehrt blieben. Nun haucht das Dresdner Verkehrsmuseum Dig, Dag und Digedag noch einmal neues Leben ein: Seit dem heutigen Sonnabend widmet sich dort eine Ausstellung dem Kult-Comic aus der DDR.

"Die Verbindung zwischen dem Verkehrsmuseum und den Digedags ist für Kenner nicht zu übersehen: Dig, Dag und Digedag nutzen auf ihren Abenteuern immer wieder die kuriosesten Verkehrsmittel", erklärte Joachim Breuninger, Direktor des Verkehrsmuseums, zu den Gründen, die Ausstellung nach Dresden zu holen. Nun erzählen Originalzeichnungen, Entwürfe und Zeichenvorlagen von den Anfängen der "Mosaik"-Hefte, den Begleitumständen einzelner Themenreihen und natürlich von ihrem Schöpfer Johannes Hegenbarth, der sich den Künstlernamen Hannes Hegen gab. Rund 750 Ausstellungsobjekte, darunter 250 Originalzeichnungen aus dem persönlichen Archiv Hegens, lassen den Ausstellungsbesucher die Geschichte der "Mosaikhefte" nachempfinden. Zudem werden politische Rahmenbedingungen und das scheinbar plötzliche Ende der Comic-Helden hinterfragt.

Begonnen hat die Erfolgsgeschichte der Kult-Heftchen 1955 mit der Idee des Illustrators und Karikaturisten Johannes Hegenbarth, eine Bilderzeitschrift für Kinder herzustellen. Noch im gleichen Jahr stellte er sie dem FDJ-Verlag "Junge Welt" vor und brachte sie schließlich mit diesem auf den Markt. In den folgenden 20 Jahren sollten die Digedags in insgesamt 223 Heften durch Raum und Zeit reisen, berühmten Erfindern begegnen und den unvergessenen Ritter Runkel von Rübenstein auf Schatzsuche begleiten.

Mit monatlich bis zu 660 000 verkauften Exemplaren brachten es Hegens knubbelnasige Männchen so zum erfolgreichsten ostdeutschen Comic. Der Erfolg der zweidimensionalen Helden ist umso erstaunlicher, wenn man weiß, dass Comics in der DDR eigentlich mehr als verpönt waren: So beschrieb sie das 1962 in Leipzig herausgegebene "Meyers Neues Lexikon" als "auf sadistische Gewaltverbrechen, Pornografie, Kriegshetze und Hetze gegen das sozialistische Lager orientiert". Dennoch konnten die anfänglichen Verteufelungen den Marsch der Digedags durch die DDR-Kinderzimmer nicht verhindern. Ausgerechnet wegen der wirtschaftlichen Erfolge wurden die Heftchen schließlich im Sozialismus geduldet. Und auch wenn die Mosaik-Geschichten ohne Pioniere mit roten Halstüchern und SED-Propaganda auskamen, so waren sie nicht völlig frei von sozialistischen Färbungen. Nicht zuletzt in der "Weltraumserie" (Hefte 25 bis 44) ist beispielsweise der Geist des Kalten Krieges immer wieder spürbar.

Doch als im Juni-Heft von 1975 Dig, Dag und Digedag auf dem Rücken ihrer Kamele in eine Fata Morgana ritten, sollte dies das letzte Abenteuer der drei ewig Reisenden gewesen sein. Eigens ihr Schöpfer war es wohl, der seinen drei Helden ein solch abruptes Ende bereitete: Hannes Hegen soll dem Verlag gekündigt haben, weil er mit der Reduzierung der Seitenzahl nicht einverstanden gewesen war.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.09.2014

Susann Schädlich

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