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Im Dresdner Schloss sind ausgesprochen preziöse Prunkwaffen aus der Rüstkammer versammelt

Im Dresdner Schloss sind ausgesprochen preziöse Prunkwaffen aus der Rüstkammer versammelt

Ein Blick auf die Menschheitsgeschichte lehrt, dass kaum einmal die andere Wange hingehalten wurde, sondern in der Regel die jeweils neue Waffe. Die Waffen, die derzeit im Sponselraum im Dresdner Schloss zu sehen sind, waren allerdings eigentlich schon aus der Zeit gefallen, als sie produziert wurden.

Überhaupt hätte man schwerlich mit ihnen kämpfen können. Okay, der Stahl war superb, kam schon mal aus dem für seine Schwertschmiede berühmten Toledo. Aber wenn so ein Rapier einen Griff aus Bergkristall hat, dann ist das ähnlich sinnvoll wie ein handgehäkelter Topflappen mit Lochmuster - für den Tagesgebrauch völlig ungeeignet.

Aber die "Waffen", die in der neuen Sonderausstellung im Schloss in den Fokus gerückt werden, waren Prunkwaffen, durften deshalb gerne auch ein bisschen teurer sein. Da wäre etwa ein Rapier, das Kaiser Maximilian II. bei einem Besuch in Dresden anno 1575 Kurfürst August von Sachsen als Geschenk vermachte. Die Garnitur, also Rapier samt nicht minder prunkvollem Wehrgehänge, kostete exakt 1611 Gulden und 48 Kreuzer. Der Goldwert betrug "nur" 399 Kronen, es war der Macherlohn, der das Kriegswerkzeug so teuer machte. 1000 Gulden bekam der spanische Goldschmied Pere Juan Poch, ein Meister seiner Zunft. Zum Vergleich: "Ein sehr guter Tizian kostete rund 200 Gulden", wie Dirk Syndram, der Direktor des Grünen Gewölbes, anmerkt. Auch sonst ließ sich das Haus Habsburg nicht lumpen.

Ein Stück Reichsgeschichte

Zu sehen sind gleich vier Rapier-Dolch-Garnituren , die Poch zwischen 1556 und 1575 in Wien schuf. Pochs maurisch beeinflusster, manieristischer Formenschatz brilliert gern schon mal mit sich windenden Drachen, Schlangen, Bändern sowie Masken. Auch nicht gerade ein Schnäppchen war die aus Rapier, Dolch, Leibgürtel und Wehrgehänge bestehende Garnitur, die Kurfürst Christian II. 1609 auf der Ostermesse in Leipzig für 1600 Gulden und 20 Silbergroschen vom Juwelier Julius Caesar Marsilian aus Mailand ankaufen ließ, um seinem Bruder Herzog Johann Georg I. eine Freude zu machen. Ursprünglich waren 45 Diamanten und 179 Rubine in dieser Garnitur verarbeitet, nur jeweils sechs gingen im Laufe der Zeit verloren.

Die Schau versammelt jene Prunkwaffen, die August der Starke 1728 aus der Rüstkammer für eine dauerhafte Präsentation im Juwelenzimmer des Grünen Gewölbes vorgesehen hatte: das sächsische Kurschwert, preziöse Rapiere, Dolche, Wehrgehänge und Sporen. Es handelt sich dabei um die kostbarsten, dynastisch bedeutsamsten und künstlerisch überragenden Blankwaffen des 16. und 17. Jahrhunderts aus dem Erbe der Wettiner - der Kurfürsten August bis Johann Georg III. von Sachsen. "Es ist Reichsgeschichte auf höchstem Niveau", versichert Syndram, der ergänzt, dass man auch verdeutlichen wollte, dass nicht alles an Sachsens Gloria auf August dem Starken fußt, sondern dieser Monarch durchaus an dynastische Vorgänger im Wettiner-Clan anknüpfte. Immer wieder sind es die Details an einzelnen Waffen, die bemerkenswert sind. So finden sich an den Enden der Parierstange eines Schwertes von 1604 der Kopf eines Türken bzw. eines Husaren. Ebenfalls ein Blickfang: ein Schwert dessen Knauf in einem (römischen) Adler ausläuft. Es war ursprünglich für ein "Römisches" Maskeradenkostüm konzipiert worden, wurde dann aber überarbeitet und von August III. bei seiner Krönung zum König von Polen am 17.1.1734 in Krakau getragen.

Degen als modisches Accessoire

Die mit Gold, Silber, farbigem Emaille, Bergkristall und Edelsteinen geschmückten Prunkwaffen, darunter die goldenen Rapier-Dolch-Garnituren Pochs oder auch Garnituren Mailänder Waffenschmiede, fanden im Grünen Gewölbe neben den aktuellen Juwelengarnituren des Königs ihren neuen Platz. Die Pracht dieser Waffen entsprach ihrem Gebrauch in der zivilen und zeremoniellen Öffentlichkeit sowie ihrem repräsentativen Status als diplomatisches Geschenk. So war das ritterliche Schwert in der Gestalt des Rapiers und später des Galanteriedegens zu einer Art Modeaccessoire geworden.

Die gezeigten Prunkwaffen sind - neben den Prunkkleidern in der Kurfürstlichen Garderobe sowie in Ausstellungsbereichen zu Kurfürst August und zum barocken Fest und Zeremoniell - für eine künftige dauerhafte Präsentation vorgesehen. Die Waffen waren, so Jutta Charlotte von Bloh, Oberkonservatorin der Rüstkammer und Kuratorin der Ausstellung, "ein Zeichen für Wehrhaftigkeit und ritterlichen Stand."

Anlass für diese Ausstellung war der 100. Jahrestag der Rückführung der Prunkwaffen von August dem Starken in den Bestand der Rüstkammer im Jahre 1914, was nicht zuletzt dem Wirken der Museumsdirektoren Jean Louis Sponsel (1858-1930) und Erich Haenel (1875-1940) zu verdanken war. Auch mittels zusätzlicher Vitrinen für das Juwelenzimmer wurde das Grüne Gewölbe damals fit gemacht für die immer stärker werdenden Besucherströme, die wegen des Ersten Weltkrieges dann allerdings erst mal ausblieben.

bis 6. Oktober, Sponselsaal im Schloss, täglich 10-18 Uhr, Di geschlossen

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 09.07.2014

Christian Ruf

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