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Regional Im Dresdner Kulturpalast ist die Eule-Orgel eingeweiht worden
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09:15 09.09.2017
Kreuzorganist Holger Gehring begann das Programm effektvoll mit dem Meistersingervorspiel von Wagner. Quelle: Anja Schneider
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Dresden

Bisher gab es kaum Gelegenheit, dass sich Staub auf den Pfeifen der neuen Konzertorgel des Dresdner Kulturpalastes ablagern konnte: Schon vor der Einweihung war das von der Bautzner Orgelbaufirma Hermann Eule erbaute Instrument in Mahlers 8. Sinfonie und in Mendelssohns „Lobgesang“ schwer beschäftigt. Das Einweihungskonzert begann am frühen Freitagbend, und wer Orgelweihen kennt, kennt die damit verbundene Reihe der Grußworte, hinter denen das mit Spannung erwartete Erklingen des Instruments in die Ferne rückt. Diesmal hatte man der Ungeduld vorgebeugt, und Kreuzorganist Holger Gehring begann das Programm effektvoll mit dem Meistersingervorspiel von Wagner (bearbeitet von Karg-Elert). Gehring wird als Custos auch künftig für die Orgel verantwortlich sein.

Mit einer Festveranstaltung ist die neue Orgel des Dresdner Kulturpalastes übergeben worden.

Die Freude, die Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) zum Ausdruck brachte, darf man ihm gern abnehmen, fiel die ursprüngliche Entscheidung, den neuen Saal ohne Orgel zu errichten, noch in die Wirkungszeit eines anderen Stadtrates. Auch Philharmonie-Intendantin Frauke Roth war damals noch nicht im Amt. Sie nannte die Konzertorgel einen „Schatz, an dem alle teilhaben können“. Zum eigentlichen Initiator für den Orgelneubau war schließlich der Förderverein der Dresdner Philharmonie geworden, unter dessen Vorsitzenden Lutz Kittelmann der Löwenanteil der Baukosten von insgesamt 1,4 Millionen Euro gesammelt wurde. Die gewaltigste Spende trug die Familie Arnhold bei, deren zahlreiche in aller Welt lebende Mitglieder sich Dresden noch immer verbunden fühlen.

„Hüten und bewahren Sie dieses Instrument und beglücken Sie die Menschen auf der ganzen Welt mit ihrem Klang.“

Als Geschenk übergab Lutz Kittelmann die Orgel nun an die Stadt, und er gab ihr, an den Oberbürgermeister gerichtet, fast mahnende Worte mit auf den Weg: „Hüten und bewahren Sie dieses Instrument und beglücken Sie die Menschen auf der ganzen Welt mit ihrem Klang.“ Diese Orgel ist wohl das größte Geschenk, das Dresden in der jüngeren Vergangenheit erhalten hat, und es dient dem, was für das Selbstverständnis der Stadt seit langem bedeutsam ist und hoffentlich bleiben wird – der Musik, der Kunst.

Die Freude über die erfolgreiche Fertigstellung des Werkes sprach auch aus den Worten von Firmenchefin Anne-Christin Eule. Mit ihr waren Orgelbaumeister Dirk Eule und viele Mitarbeiter der Bautzner Werkstatt zur Einweihung gekommen. Zur Freude gesellte sich für die Familie Eule in diesen Tagen auch Trauer, denn am 23. August verstarb die Seniorchefin Ingeborg Eule im Alter von 92 Jahren. Sie wurde am vergangenen Montag unter immenser Anteilnahme in Bautzen beigesetzt.

So umfänglich wie die Reihe der Gratulanten war auch die der Organisten des Einweihungskonzerts. Holger Gehring bestritt das Programm bis zur Pause und hatte neben Wagner noch weitere Komponisten und Kompositionen gewählt, die mit dem Dresdner Musikleben in Verbindung standen: Das Andantino aus Robert Schumanns Studie (für Pedalflügel) op. 56/3 und seine Fuge über BACH op. 60/5, dazu einen Satz aus der Sonate Nr. 1 d-Moll des Hoforganisten Gustav Merkel. Die romantische Prägung der neuen Konzertorgel kam dabei bestens zur Geltung.

Einem mehr konzertant sich eignenden Repertoire, das man nur behutsam im Kirchenraum ansiedeln würde, galten die übrigen Programmteile. Johann Sebastian Bachs Chaconne d-Moll, eins seiner berühmtesten Violinstücke, spielte Gehring in einer kuriosen Bearbeitung von Wilhelm Middelschulte. Die Orgelsonate B-Dur von Felix Mendelssohn Bartholdy interpretierte Johannes Trümpler (Kathedrale) mit vielen Schattierungen von feinen Soloregistrierungen bis zum vollen Werk ganz im Sinn der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Und mit dem Choralthema „Ein feste Burg“ auch an das Reformationsjubiläum erinnernd, spielte Samuel Kummer (Frauenkirche) eine eigene, nachträglich notierte Improvisation, deren dramatischer Stil ganz einem Max Reger verpflichtet schien. Kummers expressives Stück verfehlte seine Wirkung nicht.

Olivier Latry am Spieltisch der Kulturpalast-Orgel Quelle: Björn Kadenbach

Endlich nahm Olivier Latry (Notre-Dame, Paris) am Spieltisch Platz, der mit „Boléro über ein Thema von Charles Racquet“ für Orgel und Schlagzeug (Transkription einer Improvisation von Latrys Amtsvorgänger Pierre Cochereau) den Weg stärker in Richtung Gegenwart wies. Gemeinsam mit den Schlagzeugern Alexej Bröse (Dresdner Philharmonie) und Christian Pilz (Symphonieorchester des BR) spielte Latry ein weit ausladendes Crescendo von packender rhythmischer Präsenz, das am Schluss wieder ganz ins Pianissimo zurückging und einen riesigen Spannungsbogen bis zum letzten Ton beschrieb.

Das Instrument bietet konzentrierte Direktheit des Hörerlebnisses im Saal

Am Ende des Abends stand eine Improvisation Latrys und damit jene Spezialität, die Organisten seit jeher als ihre Domäne pflegen: Das Spiel aus dem Stegreif über ein erfragtes Thema auf einem großen Instrument vor großem Publikum. Die Schlagzeugkollegen hatten mehrere farbige Umschläge mit notierten Themen vorbreitet, aus denen sich Olivier Latry den blauen wählte, in dem „Der Mond ist aufgegangen“ steckte. Der Pariser Organist und erste Dresdner Palastorganist zauberte daraus eine groß angelegte Orgelfantasie.

Dass man die drei Stunden des Einweihungskonzertes ohne Mühe aufnehmen konnte und doch immer wieder neue Nuancen in Spiel und Klang fand, sprach mit Nachdruck dafür, dass die Eule-Orgel gelungen ist. Die konzentrierte Direktheit des Hörerlebnisses, den das Instrument im Saal bietet, potenzierte sich mit seinem Farbenreichtum und seiner klanglichen Eleganz in sehr erfreulicher Weise. Man konnte so die neue Konzertorgel gleich bei der ersten ausführlichen Begegnung sehr zufrieden in der Runde der großen Dresdner Orgeln begrüßen, durfte die Begeisterung der Zuhörer im ausverkauften Saal unumwunden teilen und darf sich auf kommende Konzerte unbedingt freuen.

Von Hartmut Schütz

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