Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 2 ° Schneeregen

Navigation:
Google+
Hintergrundgeschichten - DNN-Rezensentin Lisa Werner-Art blickt auf die Dresdner Saison zurück

Hintergrundgeschichten - DNN-Rezensentin Lisa Werner-Art blickt auf die Dresdner Saison zurück

Was war, was wird? Was war herausragend, wo konnten Erwartungen dagegen nicht erfüllt werden? Auch im Kulturbereich wird mittlerweile oft und gern nach Höhepunkten und Enttäuschungen gesucht, die eine Saison, ein Jahr, eine Spielzeit geprägt haben.

Voriger Artikel
Start in die 15. Spielzeit - Das Dresdner Societaetstheater und sein Programm
Nächster Artikel
Maite Beaumont und ihr grandioses Debüt in "La Cenerentola" an der Semperoper Dresden

Vilhelm Hammershøi, Interieur mit der Staffelei des Künstlers, 1910. Öl auf Leinwand, Statens Museum for Kunst, Kopenhagen.

Quelle: SMK foto

Eine Aufgabe, der sich nun im Sommer in lockerer Folge auch Autoren der DNN-Kulturseiten stellen. Sie fassen ihre ganz persönlichen Favoriten und Impressionen zusammen, erzählen in komprimierter Form von ihren Eindrücken zwischen Bravos und Kopfschütteln. Es ist mehr ein Rück- als ein Ausblick, und er soll subjektiv und damit streitbar sein. Vielleicht ein Anlass, auch als Leser vor diesem Hintergrund sein ganz persönliches Resümee zu ziehen - oder sich bewusst mit dem Fazit unserer Autoren auseinanderzusetzen. Heute erinnert sich Lisa Werner-Art.

Das herausragende Ereignis

- ist schwer benennbar. Bedeutend waren zweifellos die fulminante, Will Grohmann gewidmete Schau "Im Netzwerk der Moderne -", die zu Beginn des Jahres 2013 zu Ende ging, und ebenso die als abschließendes Statement anzusehende, von Ulrich Bischoff (im Frühjahr verabschiedeter Direktor der Galerie Neue Meister der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden) in Zusammenarbeit mit Luc Tuymans entwickelte Schau "Constable, Delacroix, Friedrich, Goya. Die Erschütterung der Sinne". Was die Besucher beider Präsentationen wohl am meisten begeisterte, war die Vielzahl bedeutender Kunstwerke, die herzu geholt wurden und die sich besonders im zweiten Fall in schöner, gleichwertiger Verbundenheit mit Werken der Galerie an den Wänden reihten. Ging es in der erstgenannten Präsentation um die Moderne und einen ihrer wichtigen Förderer im 20. Jahrhundert - Will Grohmann -, so widmete sich die zweite deren Quellen, für die die im Ausstellungstitel genannten Künstler beispielhaft stehen sollen.

Im Jahr 2013 wurde zudem erneut ein Abschnitt beim Schlossausbau vollendet. Im, in der Kubatur, aber nicht im historischen Gewand wieder hergestellten Riesensaal geben sich nun Exponate der Rüstkammer ein attraktiv gestaltetes Stelldichein und halten die Hoffnung auf die Eröffnung neuer Räume in den nächsten Jahren lebendig - trotz nicht mehr so üppig fließender Mittel. Im Zusammenspiel mit der Türckischen Cammer deutet sich nun schon an, was einmal von dem fertiggestellten Museumskomplex - dazu gehört natürlich das Grüne Gewölbe - zu erwarten sein wird. Erwähnung verdient zudem die - vorerst leider nur kurzzeitige - Belebung der grandiosen Anlage von Schloss Hubertusburg mit der Ausstellung der Kunstsammlungen anlässlich des Jubiläums des dort geschlossenen gleichnamigen Friedens von 1763.

Auch Chemnitz hatte wieder einiges zu bieten: außer der weit beachteten Rauch/Loy-Schau und der singulären Allen-Jones-Präsentation die bis Ende September laufende, dem 150. Geburtstag Henry van de Veldes und Edvard Munch gewidmete Ausstellung, die außer mit vielen eigenen mit zahlreichen selten gezeigten Stücken aus privater Hand glänzt.

Überraschendster Künstler

... war für mich der dänische Maler Vilhelm Hammershøi (1864-1912), der in "Die Erschütterung der Sinne" vertreten war. Seinen von Grautönen dominierten, ruhigen Bildern, ihrer auratischen Ausstrahlung kann man sich auch im 21. Jahrhunderts kaum entziehen. Gegenwartspositionen bot eine ansprechende Kunstfondsschau mit Ankäufen von Werken sächsischer Künstler seit den 1990er Jahren. Eine große Hubertus-Giebe-Überblicksschau in der Neuen Sächsischen Galerie Chemnitz lohnte ebenfalls, gelingt es dem Künstler doch in vielen Bildern, Widersprüche und Gefahren unserer Zeit in eine Zeichenhaftigkeit zu transponieren, die das Historisch-Konkrete ins Existenziell-Überzeitliche wandelt.

Enttäuschte Erwartungen

.... verbinden sich nach wie vor mit der ständigen Präsentation der Galerie Neue Meister. Während Hauptlinien wie Romantik, Impressionismus, kleine Expressionismusabteilung und die Verankerung von Gerhard Richter und Georg Baselitz weitgehend klar erkennbar sind, ist die Präsentation der im weitesten Sinn vor Ort gewachsenen Kunst (mit punktuellen Ausnahmen wie Dix) eigentlich ein Trauerspiel. Es ist zu hoffen, dass gerade nach Ausstellungen wie "Die Neue Sachlichkeit in Dresden" und mit der Neuberufung eines Direktors der Galerie sich etwas bewegt. Damit im Zusammenhang steht die Frage, wie und womit die Räume in der ersten Etage des Albertinums nach der Ausstellung "geteilt/ungeteilt" bespielt werden sollen.

Was fehlte in der Saison?

Es ist das alte, bereits 2012 an dieser Stelle angesprochene Thema der kontinuierlichen Arbeit mit den Beständen an Kunst des 20. Jahrhunderts, besonders dessen zweiter Hälfte. Zudem hofft man als Beobachter der "Szene", dass die vakanten Direktorenstellen zügig besetzt werden. Gleiches gilt für die Klärung eventueller struktureller Fragen.

Worauf ist die Vorfreude groß?

Die Ausstellung "Dionysos. Rausch und Ekstase", die 120 Kunstwerke aus den Dresdner Kunstsammlungen sowie europäischen und amerikanischen Museen umfasst und zunächst in Hamburg sowie ab Februar 2014 in Dresden gezeigt wird, könnte ein Ereignis werden. Ungewöhnlich wird auch die Präsentation von Indianerbildnissen, die der aus Dresden stammende Bildhauer Ferdinand Pettrich (1798-1872) im 19. Jahrhundert während seines Amerikaaufenthaltes schuf. Die Plastiken verlassen für Dresden erstmals den Vatikanstaat. Dass im Jahr, in dem sich zum 100. Mal der Beginn des 1. Weltkrieges jährt, eine Schau um Dix' grandioses Kriegs-Triptychon gebaut wird, ist fast eine Selbstverständlichkeit. Schließlich: In unmittelbarer zeitlicher Nähe zum Erscheinen dieser Zeilen werden Georg Baselitz' "Hintergrundgeschichten" im Residenzschloss eröffnet (ab 21. September). Diese, auf für den Maler wichtige Werke der Dresdner Galerien bezogene Schau weckt durchaus Erwartungen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 31.08.2013

Lisa Werner-Art

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Regional

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr