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Regional Hinreißendes Landschaftstheater am Zirkelstein in der Sächsischen Schweiz
Nachrichten Kultur Regional Hinreißendes Landschaftstheater am Zirkelstein in der Sächsischen Schweiz
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22:00 20.08.2017
„Rasselbock – ein Hasenkrimi“ – ein Spektakel mit 60 Spielern aus Reinhardtsdorf-Schöna Quelle: Programmflyer

„Theaterspielen ist wie eine Infektion“, sagt der Dresdner René Roschig. Es komme immer wieder, und man könne gar nicht damit aufhören. Roschig hat die Pressearbeit für den Sandsteinspiele e.V. übernommen, spielt in der neuesten Landschaftstheaterproduktion „Der Rasselbock“ selber den nicht sonderlich beliebten fliegenden italienischen Händler Luigi. Auch eine Tochter wirkt mit. Es ist die Saat der Bürgerbühne des Dresdner Staatsschauspiels, die rund um den Zirkelstein in der Sächsischen Schweiz aufgeht. 2013 landete hier ein UFO und sorgte für den „Fall aus dem All“. Bürgerbühnenleiterin Miriam Tscholl gewann damals für das Spektakel 60 Spieler aus Reinhardtsdorf-Schöna, brachte ihre Hildesheimer Freunde vom Theater Aspik hierher und engagierte den Freiluft-Spezialisten Uli Jäckle als Regisseur. Noch einmal stand die Bürgerbühne mit „Wildnis“ Pate, dann gründeten die „infizierten“ Spieler vor Ort und ihre Unterstützer den eigenen Sandsteinspiele-Verein.

Am Sonnabend nun gab es mit dem „Rasselbock – ein Hasenkrimi“ schon die vierte Inszenierung des Landschaftstheaters bei Schöna. 250 Besucher schnappten sich einen Klapphocker und wanderten wie die Spieler rund dreieinhalb Stunden von Schauplatz zu Schauplatz. Beginnend auf dem Dorfplatz zu Schöna und happy endend knapp unterhalb des Zirkelsteins mit einer fantastischen Aussicht auf die Schrammsteine. Zur Pause rückte der Wurstwagen an. Ja, es sei einfacher geworden, Helfer und Sponsoren am Ort und in der Region zu finden, ist aus Vereinskreisen zu erfahren. Auch wenn es nach wie vor einige Banausen gibt, die sich durch den Probenlärm im Dorf gestört fühlen. Aber diese vierten Sandstein-Schau-Spiele lassen nicht nur die spielbegeisterten Einwohner nicht mehr los, sie sind auch zu einem Begriff geworden. Allein 31 Unterstützer listet das Programmfaltblatt auf.

Wie schon im Vorjahr gibt die Regionalgeschichte den Aufhänger für den Rasselbock-Plot des Jahres 2017 her. Auch wenn sich anscheinend niemand für den erbarmungswürdigen Schuppen des Heimatmuseums zu interessieren scheint. Eintritt zehn Pfennig. Der Rasselbock könnte treffender auch Rammelbock heißen und gehört zur Gattung der Rammler, der Hasen also. Ein ziemlich kapitales Exemplar mit Libido-stimulierenden Fähigkeiten. Er kommt ins Spiel, als es um die Lösung des demografischen Problems geht. Der Storch nämlich, der bekanntlich die Kinder bringt, hat sich in Afrika zur Ruhe gesetzt und denkt ungeachtet des Klimawandels keineswegs an Rückflug. Also wird der heimische Rasselbock entdeckt, sozusagen der Patron einer Liebesbank für verliebte Hasen, die garantiert nachwuchsfördernd wirkt.

Aufgeschnappt und auf 75 Seiten Manuskript ausgebreitet hat diese Idee einmal mehr Uli Jaeckle, nicht nur Spezialist für Landschaftstheater, sondern auch verliebt in diese Form. Wie er das zeitlich geschafft hat, ist ein Rätsel, denn parallel liefen die Proben für Peter Handkes „Die Stunde, da wir nichts voneinander wussten“ auf dem Dresdner Theaterplatz und ein weiteres Projekt. Bei Jäckle gibt es immer eine Fabel, eine Botschaft, ja geradezu eine Moral. Hübsch verpackt in eine Unmenge drolliger Einfälle und gesellschaftspolitischer Anspielungen, die manchmal wiederum zur Ausuferung und Verselbständigung neigen. Die blau-gelbe Maulwurftruppe etwa, die mit etwas Fantasie auch als Whistleblower verstanden werden kann. Da versanden manchmal Erzählstränge wie etwa der Suchtrupp, der unter Führung des Bürgermeisters den Storch in Afrika aufspüren will.

Verwoben ist die Rasselbock-Geschichte mit einem köstlichen Rotkäppchen-Trio. Die Großmutter, die seit Jahrhunderten eine Affäre mit dem Wolf hat, wünscht sich zu ihrem 500. Geburtstag einen Hasenbraten. Der Wolf aber hat eine Identitätskrise. „Wer bin ich?“ fragt er in Prechtscher Manier und möchte doch so lieb sein. Rotkäppchen, und dieses elfjährige Talent Franziska Naumann muss man beim Namen nennen, leidet überhaupt nicht an Herz- und sonstigen Drücken, sondern avanciert zum Publikumsliebling. Ähnlich die schwul-eitel näselnde vierköpfige Fuchsentruppe.

Eine Namensnennung hätten alle rund 50 Mitwirkenden verdient, so hinreißend und nur durch zwei Profis verstärkt steigern sie sich in ihre Rollen hinein. Gleich vier mitwirkende Autos sorgen für etwas James-Bond-Flair. Am Ende siegt selbstverständlich die Liebe – um was sonst sollte es letztlich gehen – in einer geradezu opernhaften Massenhochzeit. Auch der Storch kehrt auf Stelzen zurück. Verdiente Premierenfeier in der Scheune zu Schöna.

Bis 17.9. jeweils Sonnabend/Sonntag

Von Michael Bartsch

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