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Himmelszeichen: Die Mark Morris Group mit Jan Vogler bei den Dresdner Musikfestspielen

Himmelszeichen: Die Mark Morris Group mit Jan Vogler bei den Dresdner Musikfestspielen

Zum Schlussapplaus tritt der Choreograf selbst auf die Bühne, ein schwarzgewandeter Tanzguru, Choreograf, Lehrer. Nur seine knallroten Schuhe erinnern vielleicht daran, dass Mark Morris in den Achtzigerjahren als "Bad Boy" des amerikanischen Tanzes galt.

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"Falling Down Stairs", musikalisch live begleitet von Jan Vogler.

Quelle: Oliver Killig

In den drei im Schauspielhaus vorgestellten Choreografien aus den Neunzigerjahren findet sich davon nichts. Sie vereint eine Klassizität, die mich nicht an die im Programmheft zitierte Nähe zum großen Georg Balanchine erinnert, sondern eher an die Anfänge des modernen Tanzes und Namen wie Isadora Duncan, Mary Wigman oder Martha Graham. Ging es damals auch um die Rückkehr der individuellen Expression der Darsteller in den Bühnentanz, verbannt Mark Morris diese aus seinen Choreografien weitestgehend. Er verordnet seinen Darstellern kollektive Introvertiertheit und lässt die jungen Tänzer im Gestus deutlich plakativ und in den Bewegungen einfach agieren. Wichtiger als eine Geschichte ist ihm auf der Bühne die Visualisierung der Zusammenhänge zwischen Musik und Bewegung, was schnell in spirituelle Welten und an die Herkunft des Tanzes aus einem rituellen Kontext führt.

Nicht verwunderlich also, dass das erste Stück nach Johann Sebastian Bachs Kantate "Jesu, meine Freude" Bewegungsmaterial aufgreift, das mit verschiedenen, teils ungewöhnlichen Handhaltungen, symbolhaften Bewegungen gen Himmel und wenig raumgreifenden Schritten auf leerer Bühne an religiöse rituelle Handlungen erinnert und die zehn weißgewandeten, halbnackten Körper selbst zum Botschafter eines religiösen Inhalts macht. Die Musik wird mit ihren rhythmischen und melodischen Verläufen lesbar abgebildet, nicht jede Bewegung sitzt dabei sicher. Im Zusammenspiel mit dem wunderbaren Dresdner Kammerchor kommt das Bühnengeschehen auch nicht an den Kosmos widersprüchlicher Emotionen und Bilder heran, die Bachs Kompositionen auszeichnet, und verbleibt im Dekorativen.

Mark Morris dirigierte die Aufführung und besteht für sein Ensemble seit vielen Jahren auf die Begleitung durch Live-Musik. Seine Hingabe an die Musik brachte ihm die für einen Choreografen ungewöhnliche Berufung als Direktor eines Musikfestivals. Aus diesem Zusammenhang mag die Bekanntschaft mit Jan Vogler rühren, der im zweiten Stück "Falling Down Stairs" gewohnt souverän die Suite für Violoncello solo Nr. 3 spielt. Die Bühne dominiert diesmal eine Treppe. Sie ist Tribüne, wie Arena, wie Himmelsleiter und im steten Auf- und Ab ermöglicht sie die Trennung in Handelnde und Zuschauer. Die Tänzer sind jetzt deutlich aktiver mit Sprüngen, Drehungen und Schrittreihungen. Alles von eher heiterer Grundstimmung durchzogen, ein Spiel mit Bewegung im Raum, mit dem Klang der Musik und den Farben der langen und kurzen Samtkleider und -umhänge. Den Höhepunkt boten die amerikanischen Gäste mit "Grand Duo". Musik von Lou Harrison für Violine und Piano und das Bühnengeschehen finden hier zu glücklicher Synthese. Die vierzehn Tänzer beginnen aus einem mystisch ausgeleuchteten Körperfries heraus. Zuerst stoßen einzelne Finger in den Himmel, dann ergreift es die statuarischen Körper mehr und mehr in Rück- und Seitbeugen. Es ergeben sich verschiedene Konstellationen, die wieder auf ritualisierte Bewegungen wie Knien oder Drehen zurückgreifen, die Gruppe aber doch immer stärker chorisch zusammenführt. Am Ende stampfen die Füße archaisch und die Gemeinschaft wird in einem kraftvollen Kreis gebunden. Diese Energie überträgt sich unmittelbar in den Zuschauerraum und wird mit begeistertem Beifall vom Publikum zurückgegeben.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 26.05.2014

Sonja Hauser

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