Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -1 ° Schneefall

Navigation:
Google+
Hexenritt: Ivor Bolton und Isabelle Faust bei den Musikfestspielen

Hexenritt: Ivor Bolton und Isabelle Faust bei den Musikfestspielen

Es gibt Konzerte, die entwickeln eine Strahlkraft, dass man noch Stunden nachher davon zehren kann. Das Programm, das das Festspielorchester Dresden unter Leitung von Ivor Bolton im Rahmen der Dresdner Musikfestspiele in der Semperoper bestritt, war zweifelsohne eines von diesen.

Der Auftakt war mit Felix Mendelssohn Bartholdys (1809-1847) Konzert-Ouvertüre "Die Hebriden" noch eher den sachten, ruhigeren Tönen vorbehalten. Besonders der Anfang dieses Stücks ist von einer nahezu hellen Leichtigkeit geprägt, die Bolton und das Orchester mit viel Liebe zum Detail hin zu wilder, natürlicher Unbändigkeit führten. Ganz präzise und mit einem sicheren Gefühl für laute und leise Töne, verstand es Bolton hier sprichwörtlich, aus Ruhe Kraft zu entwickeln.

Mit Ludwig van Beethovens (1770-1827) Konzert für Violine und Orchester D-Dur op. 61 leitete der englische Dirigent anschließend gleich den Höhepunkt dieses Vormittags ein - und bereitete sich im Zusammenspiel mit der Violinistin Isabelle Faust sichtlich selbst ein Geburtstagsgeschenk zum 57. Ehrentag. Auch mit Beethoven gelang es ihm wunderbar, raue und weiche Partien in einen fließenden Kontrast zu bringen.

Isabelle Faust spielte ihre Soli mit kompromissloser Zielgenauigkeit und bewies ebenso wie Bolton ein sehr feines Gespür für Stimmungen und Tempi. Große Künstlergesten sind freilich nicht ihre Sache, mit geschlossenen Augen, offensichtlich auf das Innerste der Musik konzentriert, entlockte sie ihrem Instrument außergewöhnlich klare und spannungsvolle Interpretationen. Gerade dieses fein abgestimmte Spiel von Orchester und Solistin verlieh Beethovens Konzert jedoch wunderbar klare Konturen.

Nach einem so gut geglückten ersten Konzertabschnitt konnte Bolton seinem Temperament nach der Pause dann freien Lauf lassen. Er dirigierte Robert Schumanns Sinfonie Nr. 2 in C-Dur förmlich als wilden Hexenritt, ließ den ersten Satz energiegeladen und voll getriebener Unruhe anheben. Hier trafen Präzision, Freude und Energie in einer mitreißenden Melange aufeinander. Bolton gestattete sich und dem Orchester auch ungezwungene Momente, in denen es ordentlich krachte und brauste, wobei er die Fäden dieses spritzigen Donnerwetters stets fest in der Hand behielt. Am Ende dieses inspirierenden Konzertvormittags prasselte Applaus durch den Saal. Viel aufgeweckter kann ein Tag wohl auch kaum beginnen.

www.musikfestspiele.com

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 19.05.2015

Nicole Czerwinka

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr