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Heute wäre der Dresdner Komponist, Kapellmeister und Musikkritiker Wilhelm Hübner 100 Jahre alt geworden

Heute wäre der Dresdner Komponist, Kapellmeister und Musikkritiker Wilhelm Hübner 100 Jahre alt geworden

Er war ein überaus anregender Gesprächspartner, verfügte über eine imponierend kompetente, kritische Urteilskraft: der Dresdner Komponist und Musikkritiker Wilhelm Hübner.

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Wilhelm Hübner

Quelle: Archiv

Dresden. So wie ihm die Gabe des Wortes, der kultivierten, geschliffenen Formulierung in schriftlichen Äußerungen gegeben war, debattierte er gern als leidenschaftlicher Diskutierer. Theoretische Auseinandersetzungen beispielsweise im Komponistenverband Dresden, dem er angehörte und dessen Sektion Interpreten er zeitweilig leitete, bereicherte er mit mancherlei eigenwilligen Beiträgen, die durchaus nicht immer konform gingen mit den offiziell verkündeten Leitlinien der Verbandsarbeit. Legitimation dafür empfing der am 12. November 1915 in Prag Geborene aus seiner Ausbildung und dem Berufsweg, den er bis dahin gegangen war und der ihm Wissen und Erfahrung in reichem Maße beschert hatte.

Schon während des Schulbesuches am Gymnasium St. Stephan in Prag erhielt er Violin- und Klavierunterricht. Nach dem Abitur studierte er 1934 bis 1938 an der Deutschen Musikakademie der Moldaustadt Komposition bei Fidelio F. Finke, dem Rektor des Institutes, sowie Dirigieren bei Persönlichkeiten wie George Szell und Fritz Rieger und des weiteren Klavier bei Franz Langer. Danach ging der Absolvent als Korrepetitor an das Stadttheater Reichenberg (heute Liberec), 1939/40 als Chordirektor und Kapellmeister nach Aussig (Usti n.L.).

Das Kriegsende und die damit verbundene Vertreibung der deutsch-böhmischen Bevölkerung aus der Heimat verschlugen Hübner wie auch seinen verehrten Lehrer Finke nach Dresden, wo ersterer von 1945 bis 1949 als Studienleiter und Kapellmeister an der von dem ebenfalls aus Prag gekommenen Joseph Keilberth als Generalmusikdirektor geführten Staatsoper wirkte, an der seitdem auch seine spätere Ehefrau, Kammersängerin Ruth Lange, prominentes Mitglied des Hauses, tätig war. Neben dem Dirigenten Hans Löwlein und dem Spielleiter Heinrich Tessmer gehörte er nun zu den Opernvorständen des damaligen Leitungsteams Joseph Keilberth/Heinz Arnold. Fidelio F. Finke holte seinen ehemaligen Schüler außerdem als Dozent und Dirigent des Hochschulorchesters an die von ihm in Dresden ebenfalls geleitete Akademie für Musik und Theater, die unmittelbare Vorgängerin der heutigen Musikhochschule "C.M.v.Weber". 1948/49 betreute dieser auch die Schauspielmusik des Staatstheaters.

Wilhelm Hübners dirigentische Laufbahn führte ihn nach der ersten Dresdner Zeit als Musikalischer Opernleiter 1949 bis 1952 an die Städtischen Bühnen Quedlinburg, sodann 1953 bis 1956 nach Erfurt. Vier Jahre später - nach freiberuflichem Wirken von Dresden aus - übernahm er nochmals feste Positionen als 1. Kapellmeister, so am Landestheater Halle (1960 bis 1966) und an den Städtischen Bühnen Magdeburg (1966 bis 1968), um dann schließlich nach Dresden zurückzukehren, das zur zweiten Heimat des Künstlers geworden war.

In den nächsten Jahren setzte neben musikkritischer, ja musikschriftstellerischer Tätigkeit eine intensive und fantasievolle kompositorische Arbeitsphase ein, es entstanden zahlreiche Orchester-, Vokal- und Kammermusikwerke, darunter zwei Sinfonien, das "Faksimile J.A. Hasse", Verdi-Konfigurationen, die Konzertsuite "Die Versuchung" nach dem gleichnamigen, von Weber inspirierten Ballett, das 1978 in Dresden in der Choreografie von Harald Wandtke und unter der musikalischen Leitung von Peter Gülke erfolgreich uraufgeführt wurde, sowie die "4 Essays nach Domenico Scarlatti". Musiker von Staatskapelle, Philharmonie und den Landesbühnen brachten zahlreiche der verschieden besetzten Kammermusiken zum Klingen. Die Dresdner Kammersängerin Helga Termer war neben der Frau Hübners die bevorzugte Interpretin seines Liedschaffens. Auch Chansons, Chöre und Kompositionen für die Jugend gehörten zu seinem Œuvre.

Manche schnurrigen Werktitel lassen an den kauzigen Humor Finkes denken, dem sich Wilhelm Hübner zeitlebens eng verbunden fühlte und für dessen bedeutsames, heute leider vergessenes Schaffen - seines ist es inzwischen nicht minder - er immer wieder in Wort und Schrift eingetreten ist. Zu Finkes Märchenoper "Der Zauberfisch", die 1960 in einer Inszenierung Ehrhard Fischers und unter der musikalischen Leitung von Rudolf Neuhaus durch die Dresdner Staatsoper ihre Uraufführung erlebte, verfasste er übrigens des Libretto.

Viele seiner Beiträge in den Dresdner Tageszeitungen, insbesondere der "UNION" und nachfolgend in den "Dresdner Neuesten Nachrichten", sind noch heute lesenswert. Vor allem die gut recherchierte Artikelfolge zur Dresdner Operngeschichte, die anlässlich der Eröffnung der wiederaufgebauten Semperoper 1985 erschien, sei ausdrücklich empfohlen. Am 30. Januar 2004 verstarb Wilhelm Hübner in Dresden nach längerer Krankheit.

Dieter Härtwig

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