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Herbert Blomstedt und das Gewandhausorchester eröffneten „Palastkonzerte“ im Dresdner Kulturpalast

Verheißungsvoller Auftakt Herbert Blomstedt und das Gewandhausorchester eröffneten „Palastkonzerte“ im Dresdner Kulturpalast

Herbert Blomstedt, das Leipziger Gewandhausorchester, der Gewandhauschor und drei erlesene Solisten gastierten in Dresden. Sie eröffneten die neue Konzertreihe „Palastkonzerte“, die von den Dresdner Musikfestspielen ab sofort im Kulturpalast veranstaltet wird.

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Herbert Blomstedt applaudiert seinen vier Horn-Solisten.

Quelle: Oliver Killig

Dresden. Nun sind schon etliche Konzerte über die Bühne des Konzertsaales im Dresdner Kulturpalast gegangen und zugegeben – von verschiedenen Plätzen aus und bei unterschiedlichen Besetzungen konnte man hier oder da in den Instrumenten, bei Gesangsstimmen, selbst bei der neuen Orgel ein paar Ungereimtheiten im Höreindruck vermerken. Und sich damit trösten, dass vielleicht kein Raum je perfekt sein würde.

Gleich zu Beginn der neuen, von den Dresdner Musikfestspielen initiierten Reihe „Palastkonzerte“ (die mehr Abwechslung in den gängigen Dresdner Konzertplan bringen dürfte) gab es ein Gastspiel des Gewandhausorchesters unter Leitung seines früheren Chefdirigenten Herbert Blomstedt, dessen 90. Geburtstag natürlich auch in Leipzig als Ereignis gefeiert wird. Und dieses Konzert war imstande, einem nicht nur in punkto Akustik eine Art Urerlebnis im neuen Saal zu bescheren.

Blomstedt spielte mit dem Gewandhausorchester zwei Stücke des romantischen Ur-Leipziger Repertoires, hinter denen auch eine starke Verbindung zu Dresden steckt: Robert Schumanns Konzertstück für vier Hörner und Orchester F-Dur, das dieser in seiner Dresdner Zeit komponierte, und Felix Mendelssohn Bartholdys „Lobgesang“. Schumanns genial expressives Konzertstück, das relativ selten zu hören ist, wurde in der Leipziger Uraufführung von Julius Rietz dirigiert, den sein Jugendfreund Mendelssohn zunächst nach Düsseldorf geholt hatte und der ihm als Gewandhauskapellmeister nachfolgte. Ab 1860 leitete Rietz dann für 17 Jahre die Dresdner Hofkapelle. Zumindest was die musikalische „Langzeitwirkung“ in beiden Städten betrifft, sind Herbert Blomstedt und Julius Rietz durchaus vergleichbare Persönlichkeiten.

Zwei kurze Akkorde nur, die mit Schwung hingeworfen den Solisten die frische Vorlage gaben: Bernhard Krug, Jan Wessely, Jochen Pleß und Juliane Grepling – allesamt Mitglieder des Gewandhausorchesters – entfalteten unmittelbar ein nuancenreiches Spiel voller Leben und Klangschönheit. Die Leichtigkeit, die dem Konzertstück für vier Hörner innewohnt, übertrug sich in Sekunden. Nach dem sprudelnden Kopfsatz gelang ein gesanglicher, tief atmender langsamer Teil, und beim Schluss schienen alle schon auf den Sitzkanten gehockt zu haben, um endlich applaudieren zu können. Die bei Hörnern gefürchteten Ausrutscher blieben marginal. Dafür gab es eine mustergültige, quicklebendige Darbietung, in der die Solisten und das Orchester wie eins wirkten und Blomstedt eine Klangentfaltung ermöglichte, in der alles präsent und dabei eng miteinander verbunden war.

Dieser opulente, auch in den hohen Streichern intensive Klang und nicht weniger die Spielfreude des durchweg vom Dirigenten höchst inspiriert wirkenden Orchesters potenzierten sich bei Mendelssohns „Lobgesang“. Die Spannung zwischen den in Mendelssohns Musik fast sperrig wirkenden Choralthemen und den großen melodischen Bögen nutzte Blomstedt für starke Kontraste, in denen er viel von der Geisteshaltung des Komponisten erzählte. Dass die Idee dieser Sinfoniekantate auch dem Dirigenten ein persönliches Anliegen sein dürfte, muss man kaum erklären. Wie Blomstedt den Leipziger Gewandhauschor (Einstudierung: Gregor Meyer) in den Orchesterklang einbezog oder an entscheidenden Stellen akzentuiert heraushob, ihn führte und auf sprachliche Genauigkeit achtete, war ein inhaltliches wie ein musikalisches Vergnügen. Da saßen die Fugenteile ebenso wie die A-cappella-Strophe des Chorals. Nicht geringer die Solisten: Mit ideal klarer und mühelos geführter Stimme sang Tilman Lichdi (Tenor), eine Spur zu dramatisierend vielleicht, doch in der Textgestaltung eindrücklich wirkte Sophia Brommer (Sopran), dazu – viel mehr als nur ein zweiter Sopran – Marie Henriette Reinhold. Sie ergaben zusammen eine Solistenbesetzung von seltener Stimmigkeit. Dass Mendelssohns Lobgesang überhaupt im neuen Saal erklingen kann, verdankt sich maßgeblich der (vom Förderverein der Dresdner Philharmonie gestifteten) Eule-Orgel, die zwar erst am kommenden Freitag offiziell eingeweiht wird, aber bereits in zwei chorsinfonischen Werken mitwirken durfte. Gewandhausorganist Michael Schönheit trug Chor und Orchester mit energischem Volumen oder ließ die Orgel – ganz nach der Aufgabe – untergründig glänzen und fand stets die richtige Stärke und Färbung.

Nach einer langen, tiefen Stille, erst, als Herbert Blomstedt die Hände nach dem Schlussakkord ganz gesenkt hatte, entlud sich die Freude am Hören dieser Aufführung in langen, stehenden Ovationen. Und die waren eindeutig mehr als eine Ehrenbezeugung für den beliebten Jubilar.

Von Hartmut Schütz

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