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Regional Heike Stöhr stellt Debütroman „Die Fallstricke des Teufels“ vor
Nachrichten Kultur Regional Heike Stöhr stellt Debütroman „Die Fallstricke des Teufels“ vor
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22:00 25.10.2017

„Es ist ein Schnitter, heißt der Tod“, lauten die ersten Worte eines deutsches Volksliedes, das im 17. Jahrhundert entstand, bis heute aber in den Bann zieht, was die Betrachtung über den als Schnitter (Sensenmann) dargestellten Tod und die Vergänglichkeit der Menschen angeht. Vor allem die Pest sorgte immer wieder dafür, dass der Mensch sich seiner Sterblichkeit nur zu rasch bewusst wurde. Als 1532 in Pirna ,,das Sterben der fährlichen Plage der Pestilenz“ grassierte, wie es in einer alten Quelle heißt, „wurde ein Drittel der Bevölkerung hinweggerafft“, ließ Heike Stöhr im Q24 in Pirna wissen, als sie dort ihren Debütroman „Die Fallstricke des Teufels“ vorstellte.

Es ist Historienroman, den Stöhr, die 1964 in Leipzig geboren wurde und in Pirna aufwuchs, verfasst hat. Wie so viele andere verwandelt die promovierte Historikerin und Germanistin Geschichte in Geschichten, so wie Tanja Kinkel und Rebecca Gablé, Sabine Weigand und Sabine Ebert, die allesamt mit ihrem Mix aus exakter Recherche und Unterhaltung Millionenauflagen erzielen. Nun gibt es ja nicht wenige, die monieren, dass die Leute doch lediglich spannende Lektüre für kleine Alltagsfluchten suchen, aber von guten Autoren werden eben auch Lücken im Geschichtswissen geschlossen, weshalb ungemeine viele Leser den Mix aus Fakten und Fiktion, der in der Vergangenheit spielt, aber Fragen der Gegenwart beantwortet, zu schätzen wissen. Mehr als 80 Prozent der Historien-Fans sind Frauen, schätzen Insider der Buchbranche. Und auch die Protagonisten der Bücher sind meist weiblich – in ihren besten Momenten leisten zumindest gut recherchierte Romane einen wichtigen Beitrag zur Geschichtsschreibung aus Frauensicht. Sind Frauen per se nur das Opfer? Nun Mittelalter oder Renaissance mochten von Männern dominiert sein, aber es gab – zumindest in bestimmten Schichten – Eheverträge, Testamente und Zunftbestimmungen, die Frauen absicherten.

Heike Stöhr, die im Alter von 15 mit der AG Junge Historiker zum ersten Mal ins damals noch im Kloster befindliche Stadtarchiv ging („den Geruch vergesse ich nie“), hat akribisch recherchiert und lässt so manches in Ratsakten oder sonstigem Archivgut überlieferte Detail in die Darstellung einfließen. So bestätigt eine (Kämmerer-)Rechnung aus dem 16. Jahrhundert, dass sich in Pirnas Gassen einst auch ein ziemlich berüchtigtes „Stadtschwein“ tummelte, das des Weges kommende Bürger attackierte und biss, bis ,,Hans Kaulfuß 3 Groschen, 5 Pfennige für das Herausbrechen der Zähne des Stadtschweins“ erhielt. Auch sonst sind es immer wieder kleine Details, die das Werk recht stimmig, ja atmosphärisch dicht machen, etwa wenn beiläufig erwähnt wird, dass der Onkel des Baders „(19)25 mit den Bauern in Thüringen zog“ (also im Bauernkrieg kämpfte) oder an einer Stelle schon deshalb auf Frieden gehofft wird, weil die Stadt Pirna im Konfliktfall verpflichtet wäre, dem Herzog bewaffnete Reiter zu stellen, was das Stadtsäckel doch wiederum arg belasten würde.

Autorin Heike Stöhr Quelle: Pr

Die Handlung in Stöhrs Roman setzt 1532 ein, jenem Jahr, in dem die Mutter der Protagonistin Sophia an der Pest stirbt, weil nicht mal mehr die Künste der Hutzlerin, einer Frau, die „weiße Magie“ betreibt und entsprechend in Pirna eher berüchtigt ist, ja als Hexe verschrien, etwas ausrichten hätte können. Sophia, Tochter des reichen Weinhändlers Simon Weyner, wird nach Leipzig geschickt, wo sie bei Verwandten „alle hausfraulichen Tugenden lernt“, aber dank eines alten Professors heimlich auch Griechisch und Latein. Sie nimmt ein geheimnisvolles Buch mit, das sie im Kontor ihres Vaters gefunden hat – und es ist dieses mysteriöse, angeblich ein „gottloses Rezept für ewiges Leben“ (Stöhr) enthaltende und auch sonst Wissen und Macht verleihende Buch, nach dem dann 1542 in Pirna gejagt wird, wo die inzwischen zur selbstbewussten jungen Frau gewordene Sophie inzwischen wieder lebt. Die Einwohner Pirnas sind beunruhigt, ereigneten sich doch einige sehr merkwürdige Todesfälle.

Sophia will das seltsame Buch entschlüsseln, weil sie darin ein Heilmittel gegen den Schwarzen Tod zu finden hofft. Aber auch ein anderer weiß um die Existenz jenes Buches – und er ist besessen davon, es an sich zu bringen. Vorbild für dieses Buch war, wie Stöhr wissen ließ, das in Besitz der Universität von Yale befindliche „Voynich-Manuskript“ (benannt nach Wilfrid Michael Voynich, der das Manuskript 1912 erwarb), ein Schriftstück, das sich einmal im Besitz des Kaisers Rudolf II. des Heiligen Römischen Reichs befand und in einer bislang nicht identifizierten Schrift und Sprache geschrieben ist. Bis heute ist es nicht gelungen, den Inhalt zu entschlüsseln, ja gar unklar, ob der Text überhaupt einen sinnvollen Inhalt transportiert.

Unabhängig davon, wie das Debütwerk Stöhrs einschlägt, es wird zwei weitere Bände geben, der letzte Teil der Trilogie wird dann während des Schmalkaldischen Krieges spielen, wie die Autorin wissen ließ, deren Lesung im Q24 übrigens kurzweilig vom Pirnaer Reime-Sprecher Theo Theodor begleitet wurde. Der ließ eine Maid, die an einer zweideutigen Stelle lachte, schon mal wissen: „Hinweis an die junge Frau, der Gedanke macht das Wort zur Sau!“

Der Debütroman Quelle: dtv Verlag

Heike Stöhr: Die Fallstricke des Teufels. Historischer Roman. Deutscher Taschenbuch Verlag, 511 Seiten, 16,90 Euro

Von Christian Ruf

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