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Harald Marx, bis 2009 Direktor der Dresdner Gemäldegalerie Alte Meister, wird 75

Würdigung eines Kunstexperten Harald Marx, bis 2009 Direktor der Dresdner Gemäldegalerie Alte Meister, wird 75

Seit seinem 24. Lebensjahr war Harald Marx, eigentlich gebürtiger Berliner, der Stadt Dresden und der Gemäldegalerie Alte Meister der Staatlichen Kunstsammlungen zutiefst verbunden, zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Kustos und schließlich ab 1991 als deren Direktor. Aber auch seit seiner Verabschiedung aus dem Amt 2009 lässt Harald Marx die Kunst nicht los. Am 13. Februar 2017 feiert er seinen 75. Geburtstag.

Harald Marx

Quelle: privat

Dresden. Das Geburtsdatum von Harald Marx hält eine merkwürdige Duplizität bereit, erblickte er doch an einem 13. Februar vor 75 Jahren, 1942, das Licht der Welt – einem Tag, der drei Jahre später für Dresden so tragisch enden sollte. Dass der gebürtige Berliner der Stadt und seiner Gemäldegalerie Alte Meister ab seinem 24. Lebensjahr zutiefst verbunden sein würde, war damals noch nicht abzusehen. Beim Verbundensein blieb es bekanntlich nicht. Harald Marx hat vielmehr schon seit DDR-Zeiten Wesentliches für die internationale Wahrnehmung „seiner“ Galerie geleistet, wo er seit 1966 als wissenschaftlicher Mitarbeiter, seit 1980 als Kustos und seit 1991 als deren Direktor tätig war. Pierre Rosenberg, langjähriger Chef des Louvre, hatte Harald Marx 2009 in seiner Rede zu dessen Verabschiedung aus dem Amt beim Festakt in der Semperoper bescheinigt: „Sie haben Dresden auf der Weltkarte der Museen platziert und zu internationalem Ansehen und Ausstrahlung verholfen.“

Einen festen Platz im kulturellen Gedächtnis haben von Marx verantwortete und konzipierte Ausstellungen, mit denen er „Meisterwerke aus Dresden“ – so einer der Titel – in die Welt brachte, aber auch solche, die sächsische Kunst- und Kulturgeschichte ausloteten wie „Bergbau und Kunst in Sachsen“ (verbunden mit seiner Promotion-B). Marx war zudem Kommissar der 2. Sächsischen Landesausstellung „Glaube und Macht“ in Torgau. Publikationen und teils Ausstellungen entstanden weiterhin etwa zu Matthäus Daniel Pöppelmann sowie zu Louis de Silvestre, Johann Alexander Thiele, Christian Wilhelm Ernst Dietrich und Anton Graff. Nicht zu vergessen der unter seiner Regie herausgegebene zweibändige Katalog der Werke der Galerie – alles Kompendien, die sich in vielen Bücherregalen finden dürften, wobei damit keineswegs der Vollständigkeit genüge getan ist. Die unzähligen Artikel in den „Dresdner Kunstblättern“, den Jahrbüchern der Kunstsammlungen und anderswo seien zumindest erwähnt.

Noch recht frisch im Gedächtnis ist Marxens Abschiedsausstellung. „Wunschbilder. Sehnsucht und Wirklichkeit. Malerei für Dresden im 18. Jahrhundert“ lautete der volle Titel der 217 Werke, darunter 50 Leihgaben aus aller Welt, zeigenden Schau, mit der der Museumsmann, der seit 1996 auch als Honorarprofessor an der Technischen Universität sein Wissen weitergab, noch einmal sein „Lebensthema“ aufnahm, hatte er doch 1971 „Zur dekorativen Malerei des 18. Jahrhunderts in Sachsen“ promoviert. Die Exposition beschloss 2009 ein mehr als 40-jähriges Wirken für die Gemäldegalerie Alte Meister. Allein diese Zeitspanne mag heute Erstaunen hervorrufen, gilt doch ein Achtjahresvertrag mittlerweile schon als lang, scheint der Wechsel zum Prinzip erhoben – für die eigene Karriere, aber auch aus institutioneller Sicht.

Marx allerdings hat diese enge Bindung, das über Jahrzehnte fundierte Eindringen in den Sammlungsbestand, letztlich seine Bodenständigkeit, mit einer kontinuierlich erarbeiteten, auffallenden Weltläufigkeit gepaart, die schon vor 1989 – mitunter von DDR-Offiziellen misstrauisch beäugt – internationale Anerkennung und Freundschaften zeitigte, unter anderem mit dem oben genannten renommierten Kunsthistoriker Pierre Rosenberg, mit dem ihn auch die Liebe zur französischen Malerei des 17. und 18. Jahrhunderts, zu Künstlern wie Poussin oder Watteau, verbindet. Dies dürfte 1991 auch den Start in das Amt und die damit verbundenen internationalen Kontakte erleichtert haben, wobei Marx sich Frankreich wohl besonders eng verbunden fühlt. Nicht zuletzt spiegelt wohl die Ernennung zum Offizier der französischen Ehrenlegion (1998) dies auf spezielle Weise.

Natürlich gab es für dieses enge Verhältnis auch inhaltliche Gründe, kamen doch viele der im 18. Jahrhundert erworbenen Werke aus französischen Sammlungen oder dank französischer Vermittler nach Dresden. Und der langjährige Hofmaler Louis de Silvestre war ja ebenfalls Franzose, während zugleich viele der Dresdner Künstler jener Zeit auf Pariser Jahre verweisen konnten. Bei all dem war es für Marx selbstverständlich, des Französischen mächtig zu sein, darüber hinaus ebenfalls italienisch und russisch – auch zur Eremitage und anderen russischen Museen gab es natürlich enge Beziehungen – parlieren zu können.

Dass Harald Marx bis heute nach dem Motto „einmal Kunst, immer Kunst“ lebt, dürfte niemanden wundern. Nach seinem Abschied aus dem Amt wartete schon ein „blinder Fleck“ der Kunstgeschichte darauf, von ihm erhellt zu werden. Wer dem Kunsthistoriker in den letzten Jahren begegnete, wurde immer wieder mit neuen Erkenntnissen über den Maler Traugott Leberecht Pochmann (1762–1830), einen Dresdner Künstler aus der Phase des Rétablissements, gefüttert. Dieser Maler, der 1815 bis 1828 Professor an der Kunstakademie war und dessen Porträts auch heute noch gut anzusehen sind, war fast im Vergessen verschwunden – ein Schicksal, das er wohl mit manchem anderen teilt. Seit Marx Artikel auf Artikel über Pochmann publiziert hat, in den „Sächsischen Heimatblättern“ oder den „Dresdner Heften“, ist dieser nun kein „blinder Fleck“ mehr, zumal anlässlich des 250. Geburtstages des Malers 2012 eine Ausstellung im Schaukabinett des Albertinums realisiert werden konnte.

Nicht unerwähnt bleiben darf, dass Harald Marx keineswegs nur ein Auge für die deutsche Renaissance – man denke an seine Liebe zu Cranach – oder eben die Malerei des 17./18. Jahrhunderts hat, sondern sich mit den Jahren, teils vermittelt über Freundschaften, zudem heutigen Dresdner Künstlern zugewandt hat. Nun bleibt ihm mehr Zeit und Raum, um beispielsweise Ausstellungen zu eröffnen – für alte Freunde wie Uli Eisenfeld und Christoph Wetzel, aber auch für junge Künstler. Und letztere müssen keine Berühmtheiten sein. Marx weiß aus der Kunstgeschichte, wie lang und manchmal auch glanzlos der Weg von Künstlern sein kann.

Fragte man ihn nach aktuellen Wünschen, würde man, abgesehen von persönlichen – erinnert sei daran, dass er wenige Jahre vor seinem Ausscheiden aus dem Amt eine schwere Erkrankung überstehen musste –, wohl besonders einen zu hören bekommen. Marx, der sowohl die Wiedereröffnung der Gemäldegalerie Alte Meister nach langen Baumaßnahmen 1992 – ein internationales Ereignis – als auch ihr beinahe Versinken im Elbehochwasser 2002 in verantwortlicher Position erlebte, dürfte mit allen Kunstfreunden die Hoffnung teilen, dass sich seine einstige Wirkungsstätte angesichts der aktuellen Baumaßnahmen bald wieder als Ganzes unter Bedingungen zeigt, die die Werke überall im Semperbau auf bestmögliche Weise zur Geltung kommen lassen.

Von Lisa Werner-Art

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