Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -2 ° Schneeschauer

Navigation:
Google+
Hannelore Koch im Porträt

DNN Benefizkonzert Hannelore Koch im Porträt

Fast hätten wir Hannelore Koch niemals auf der Bühne erleben können, doch sie entschied sich anders. Am 17. Dezember wird sie auf dem Benefizkonzert der DNN zu Gast sein.

Voriger Artikel
„Kabarettistische Komödie“ mit Peter Flache im Dresdner Theaterkahn
Nächster Artikel
Dresdner Residenzschloss en miniature

Hannelore Koch Sebastian Hoppe Fotografie Prellerstrasse 27 D-01309 Dresden Tel.: +49 178 6000683 Mail: mail@hoppesebastian.de Bankverbindung: Berliner Sparkasse IBAN: DE45 1005 0000 0074 7993 39 BIC: BELADEBEXXX Die Bilder dürfen für Ankündigungen und Rezensionen unter Nennung des Copyrights honorarfrei genutzt werden. Anderweitige Nutzung nur bei Genehmigung des Fotografen. Hannelore Koch

Quelle: Sebastian Hoppe

Dresden. Sie war die erste Frau der Welt – Hannelore Koch – sie war Eva. Da war sie noch blutjung und kam gerade von der Berliner Schauspielschule. Eigentlich hatte sie Dramaturgin werden wollen, dann hätten wir sie leider nie auf der Bühne gesehen. Doch nach einem Jahr Dramaturgie-Assistenz am Maxim-Gorki-Theater lernte sie 1970-73 das Schauspielhandwerk bei den Regisseuren Jürgen Gosch, Thomas Langhoff und Jürgen Holtz. Dann kam die Berlinerin nach Dresden, um im Schauspielhaus die Eva zu spielen. In einer Uraufführung zudem. Welcher Schauspielanfängerin ist schon solches Glück beschieden? Hanne Koch hat damit gleich ein Stückchen Dresdner Theatergeschichte geschrieben, denn die Uraufführung von Peter Hacks’ „Adam und Eva“ wurde ein Dauerbrenner, 166 Mal gespielt, war ein Riesenerfolg in Dresden und ein ebenso großer auf Gastspielreisen in Westdeutschland. Von den Gastspielen erzählte Günter Kurze, der den Adam spielte: „Die Aufführung endete damit, dass Adam und Eva das Paradies verließen, an die Rampe gingen, vorsichtig, unsicher, suchend in den Zuschauerraum, in die „Welt“ blickten, von der Rampe sprangen und den Zuschauern in den ersten Reihen die Hände reichten. So haben wir das immer gespielt. Die West-Zuschauer verstanden das aber politisch, als deutsch-deutsche Verbrüderung. Ein Jubelsturm, Tränen, Umarmungen.“

Von nun an blieb Eva in vielfacher Gestalt viele,viele Jahre am Dresdner Schauspiel. Sie bekam einen Sohn, doch er hatte mit Theater nichts am Hut und machte heute Musik.

Stattliche Reihe großer Rollen

Hannelore Koch, nach eigener Aussage eher im tragischen als im komischen Fach zu Hause, kann auf eine stattliche Reihe großer Rollen zurückblicken. Vom jungen Mädchen über junge Frauen, reife Frauen bis zu Müttern und Großmüttern ist alles vertreten.

Der Eva folgten das Gretchen in Goethes „Faust“, die Helena in Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“, Lucietta in Goldonis „Krach in Chiozza“, Katrin in Brechts „Mutter Courage und ihre Kinder“, die Titelrolle in Kleists „Käthchen von Heilbronn“, die Recha in Lessings Nathan. Da sprechen Kritiker von „starker Emotionalität, heiterer Vernunft, Klugheit und Liebreiz“ (Emil Ulischberger, Sächsische Neueste Nachrichten) oder dass sie „liebliche Mädchenanmut und die Schönheit maßvoller Gebärden mit Witz und hellem Verstanda paart, in ihrer ganzen Persönlichkeit Nathans Tochter, souverän auch in der sprachlichen Durchdringung.“ (Uta Dittmann, UNION).

Für ihre erste Mutterrolle, das war meines Wissens 1982 die Hermione in „Ein Wintermärchen“ von Shakespeare, war sie noch viel zu jung, Janina Hartwig spielte ihre Tochter; die beiden sahen wie Zwillingsschwestern aus! Im gleichen Jahr dann die Mascha in „Drei Schwestern“ von Tschechow. Eine der vielen wunderbaren Inszenierungen von Klaus Dieter Kirst. „Hannelore Kochs Mascha gehört mit der Unbedingtheit und der bis zur aggressiven Härte gehenden Leidenschaftlichkeit, mit der sie in der Liebe zu Werschinin ihren Glücksanspruch verteidigt, zu den anspruchsvollsten Rollengestaltungen.“ (Dr. Lothar Ehrlich, Sächsische Zeitung) Uta Dittman schreibt: „Hier blüht eine der schönsten Frauengestalten Tschechows zu heißem Leben auf, zu einer Vision menschlichen Reichtums. Wie Hannelore Koch diese Mascha in die Katastrophe und Zerstörung führt – ihr wilder Ausbruch bei Werschinins Abschied wie das letzte Aufbäumen des Lebenswillens reicht in tragische Dimensionen, die sie als eine große Schauspielerin ausweisen.“

Zwei Jahre später inszeniert Wolfgang Engel Hebbels „Nibelungen“. Die Rolle der Kriemhild vertraut er Hannelore Koch an, Cornelia Schmaus spielt die Brunhild als Gast. Zwei starke, eindrucksvolle Frauen stehen da auf der Bühne, die einander nichts schuldig bleiben. Hanne Koch hat gern mit Wolfgang Engel gearbeitet, sie fand gut, dass er nichts Fertiges brachte, sondern in der Partnerschaft mit den Schauspielern nach szenischen Lösungen suchte. Ein absoluter Höhepunkt wurde 1986 die Aufführung von Kleists „Penthesilea“. Cornelia Schmaus übernahm die Titelrolle und Hannelore Koch prägte sich ein als deren Freundin Prothoe. Man vergisst das Zusammenspiel beider nie wieder, eine solche Bühnenpräsenz ist selten. Hanne Koch wirkte zart, fast mädchenhaft, strahlte aber dennoch eine stille Kraft aus und ließ in jeder Minute spüren, dass man auch in der größten Gefahr auf sie bauen kann. Mit Horst Schönemann hat sie ebenso gern gearbeitet und in seiner Regie eine weitere Frauengestalt verkörpert, die unvergessen bleibt: die Warwara in Gorkis „Sommergäste“. Frank Hänig, der das geniale Bühnenbild schuf, bemerkt: „Exemplarisch für den Mut, auszubrechen, zeichnet Hanne Koch überzeugend den Weg in ein anderes Leben nach, zeigt die innere Unantastbarkeit ihrer Figur, ihre Forderung nach mehr Ehrlichkeit und Mut, ihre Sehnsucht nach Besserem und den Entschluss, den Teufelskreis zu verlassen und etwas gegen die unseligen Missgestalten zu tun.“

Mit den Inszenierungen „Die Nibelungen“ und „Penthesilea“ ging das Staatsschauspiel Dresden 1988 auf Gastspielreise nach Wien und München. Hanne Kochs neugeborene Tochter Anne-Elise reiste mit. Und nach minutengenau ausgeklügeltem Stillplan hat sie den Theaterbazillus mit der Muttermilch eingesogen. Was sollte dieses Kind anderes tun, als die Schauspielschule zu absolvieren, 2011 den Ensemblepreis beim „Theatertreffen deutschsprachiger Schauspielstudierender“ für ihre Rolle in „Der Meister und Margarita“ nach Bulgakow in Empfang zu nehmen und sich der Bühne zu verschreiben? Um Anne-Elise Minetti zu sehen, muss man allerdings vorerst nach Gießen fahren. Das tut Hanne Koch bestimmt auch, wenn sie Zeit hat, wie sie auch tausende von Autobahnkilometern in Kauf nahm, als sie in der Wendezeit an der Volksbühne die Gelegenheit bekam, wieder in ihrem geliebten Berlin Theater zu spielen.

Dresden bleibt sie als Gast treu

Ihre Rollen in Dresden spielte sie als Gast weiter, eine strapaziöse Zeit, die 1991 endete, als sie wieder Ensemblemitglied in Dresden wurde. In Zusammenarbeit mit dem damals jüngsten Oberspielleiter deutscher Bühnen, Hasko Weber, erarbeitete sie 1993 die Rollen der Jokaste und der Antigone in der Ödipus-Trilogie von Sophokles, war präsent in Webers Wallenstein-Inszenierung und in Heiner Müllers „Auftrag“ als „Engel der Verzweiflung“; das war eine für das ganze Ensemble wichtige Arbeit. Sie war Goethes Iphigenie, die Linda in „Tod eines Handlungsreisenden“ von Miller, Alice in Strindbergs „Totentanz“, die Ranjewskaja in Tolstois „Kirschgarten“, auch mal ganz etwas anderes: Königin Noblesse in „Reineke Fuchs“ und viele andere Rollen.

Abgerundet wird die Theaterarbeit von zahlreichen Lesungen, Auftritten im Fernsehen („Tatort“ und „Polizeiruf 110“) und von einer Gastarbeit in Konstanz, wo sie gemeinsam mit der Berliner Schauspielerin Irma Münch im Zweipersonenstück „Gestern ist auch noch ein Tag“ großen Erfolg hat.

Inzwischen hat Hanne Koch das Rentenalter erreicht, noch ein Jahr „angehängt“ und bleibt uns in dieser Spielzeit als Gast treu. Sie ist zu erleben als Königin Gertrud in Shakespeares „Hamlet“, als Daja in Lessings „Nathan der Weise“ und gemeinsam mit Lars Jung in „Szenen einer Ehe“ von Ingmar Bergman.

Und dann? Es wird eine neue Rolle geben. Man darf also neugierig bleiben auf Hanne Koch.

Von Ingeborg Mätje

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Regional

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr