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Regional Handbuch des eindimensionalen Denkens: Die Verteidiger von Lothar König als Herausgeber
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20:36 09.09.2015
Pünktlich vor dem 13. Februar auf dem Markt: Das Buch zum Prozess.
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Pünktlich vor dem 13

Und die Sicht der drei Herausgeber ist eindimensional: "In Sachsen wählt jeder zehnte Wähler die NPD. Eine einfache Erklärung wäre, dass Sympathisanten der NPD in Polizeiuniform oder im Justizgewand einen erklärten Antifaschisten aus dem Verkehr ziehen wollten", heißt es im Vorwort, das in der These gipfelt: Polizei und Justiz haben sich zu einem Komplott gegen Pfarrer König verschworen. "Die Beweislage wurde zuungunsten des Angeklagten verfälscht", stellen die Autoren fest.

Am 19. Februar 2011 wurde Dresden von schweren Ausschreitungen erschüttert. Barrikaden und Mülltonnen brannten, auf Polizisten flogen Steine, Flaschen, Eisenstangen. Das ist den Autoren des Buches allerdings nicht erinnerlich. Sie erinnern sich nur an friedliebende engagierte Antifaschisten, die von der brutalen Polizei an der Ausübung ihres Demonstrationsrechts gehindert wurden. Sollte es tatsächlich kleinere - nun ja - Missverständnisse gegeben haben, sei daran einzig die Polizei Schuld gewesen, die die Gegendemonstranten nicht zu den Rechtsextremen gelassen habe.

Die Staatsgewalt erinnert sich anders und sucht nach Schuldigen für die Krawalle. Der Jenaer Jugendpfarrer war mit seinem Lautsprecherwagen exponiert im Getümmel dabei - die Staatsanwaltschaft stellte die Frage, ob König dabei Grenzen des zivilen Ungehorsams überschritten haben könnte. Das aber ist für alle Autoren des Sammelbandes eine Zumutung. Ihr oberster Glaubensgrundsatz lautet: Ein Antifaschist ist ein guter Mensch, weil er gegen das Böse antritt. Was im Umkehrschluss bedeutet: Wer gegen einen Antifaschisten ermittelt und ihm Straftaten vorwirft, verbündet sich mit dem Bösen.

Das eindimensionale Schwarz-Weiß-Denken geht so weit, dass Eisenberg einer Bundespolizistin, die als Zeugin im Prozess gegen König aussagte, wegen ihrer Frisur eine rechtsextreme Überzeugung unterstellt. Verteidiger in einem Strafverfahren können sich Verkürzungen, Verknappungen und Vereinfachungen leisten. Sie sind nicht der Wahrheit, sondern ihrem Mandanten verpflichtet. Das in Buchform zu gießen, ist ambitioniert.

Das Buch wurde mit heißer Nadel gestrickt, der Termindruck dürfte einer gründlichen Überarbeitung der Texte im Wege gestanden haben. Das macht die Lektüre schwer verdaulich. Die juristischen Erläuterungen sind langatmig und tautologisch. Viele Wiederholungen strapazieren die Geduld des Lesers, die Sprache erinnert an die Leitartikel im "Neuen Deutschland" vor 1990.

Johannes Eisenberg u.a. (Hrsg.), "Antifaschismus als Feindbild", 304 Seiten, Laika-Verlag, ISBN 978-3-944233-06-2, 21 Euro

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.02.2014

Thomas Baumann-Hartwig

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