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Regional Hand mit Krönchen: „Schwanensee-Märchen“ mit Tänzern der Landesbühnen Sachsen
Nachrichten Kultur Regional Hand mit Krönchen: „Schwanensee-Märchen“ mit Tänzern der Landesbühnen Sachsen
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22:00 28.01.2018
Odette (Suzanne Gregory) verwandelt sich zur Schwanenprinzessin Quelle: Foto: Hagen König
Radebeul

Es beginnt mit einem wunderbaren Lied voller Sehnsucht, offenbar in norwegischer Sprache gesungen. Denn jene Tänzerin, die es beim Hereinkommen in den Saal singt, stammt aus Norwegen. Und sie wird sich schon bald in einen weißen Schwan verwandeln und in den Prinzen verlieben. Ob das gutgehen kann? Das erfahren wir erst am Ende der Aufführung, zumal eben im Norden und während der Weißen Nächte Wunder ja auch wahr werden können. Wirklich und wahrhaftig, wie gerade eben jenes von der Schwanenprinzessin, die ihre menschliche Gestalt zurückerhält durch die Kraft der Liebe.

Eine schöne Geschichte, die da auf der Studiobühne der Landesbühnen Sachsen erzählt wird. Und manche werden wohl auch gleich erahnen, dass es dabei irgendwie um „Schwanensee“ geht. Allerdings weniger um jene Fassung, wie sie ursprünglich zur Musik von Tschaikowski entstanden ist. Dafür in einer Erzählweise, die für eine kleineres Tanztheater, einen kleineren Saal sowie vor allem auch für ein noch recht junges Tanzpublikum bestimmt ist. Ganz ohne den verkitschten, verklärten Prinzessinnen-Beigeschmack, wie er in manchen Massenprodukten hinreichend suggeriert wird.

In der neuen Tanzproduktion der Landesbühnen Sachsen liest Wencke Kriemer de Matos, die auch für die Choreografie und Inszenierung sorgt, die etwas abgewandelte und mit Tanz erzählte Geschichte den Kindern aus einem großen Buch vor. Und diese sind in der knappen Stunde höchst aufmerksam dabei, kommentieren und hinterfragen zuweilen auch das Geschehen. Als dieses aber letztlich nicht so recht zum Happy-End kommen will, greift die Erzählerin selbst beherzt ein, „spult“ das Ganze zurück und sorgt dafür, dass die beiden Liebenden wahrhaft beieinander bleiben können. Zur Freude aller, das ist keine Frage.

Wie gesagt, hier geht es nicht um den herkömmlichen „Schwanensee“ – insgesamt sechs Darsteller auf der Bühne reichen da wohl auch nicht mal für eine Sparvariante. Aber „weiße Bilder“, verstärkt durch eine geheimnisvoll-dunstige weiße Szenerie, gibt es allemal. Und mit Fantasie und stimmigen Ideen lässt sich das eben auch etwas anders erzählen. Tom Böhm hat da in der Ausstattung im Zusammenwirken mit allen wieder zauberhafte Ideen einbringen können, sorgt für wandlungsfähige Kostüme, szenische Überraschungen. Und die Kinder staunen ganz offensichtlich, wie sich Odette (sehr liebenswert in dieser Rolle: Anita Suzanne Gregory) zur Schwanenprinzessin verwandelt, assoziiert auch von einem langen weißen Handschuh und der abgewinkelten, sich „umschauenden“ Hand mit „Krönchen“.

Verwandeln ist in dieser Vorstellung überhaupt ein angesagtes Spiel. Und wenn sich die Prinzessinnen aus allen Landen dem Prinzen Siegfried (Hugo Rodrigues) vorstellen, um von ihm erwählt zu werden, hätte er in der Qual der Wahl durchaus wanken können. Aber er bleibt angesagt unglücklich und auch etwas desinteressiert, widersteht selbst der zauberhaft-wandlungsfähigen Prinzessin (Joana Martins), die aber bei ihm keine Chance hat, mehr schon bei seinem Freund Albert (Mattia Saracino), lässt sich jedoch reinlegen vom Zauberer Rotbart (Leonardo Germani), der ihm als Schwarzen Schwan seine eigene Tochter Odile (Alena Krivileva) unterschieben will.

Doch gerade noch rechtzeitig fliegt der Spuk auf und es kommt, wie es kommen muss – ein wunderschöner Schluss. Sie kriegen sich, und alle, alle sind glücklich und zufrieden. Die Erzählerin, umringt von den Darstellern, pustet aus den Seiten des großen Märchenbuches kleine weiße Flaumfedern in die Luft. Und da sie nicht gestorben sind, leben sie ganz gewiss auch noch heute.

Mit diesem glücklichen Ende sind natürlich ebenso die Kinder höchst zufrieden. Und man staunt nicht wenig, wie sie im anschließenden Gespräch mit Wencke Kriemer de Matos sowie der Theaterpädagogin und Dramaturgin Nadja Lauterbach viele, viele Fragen stellen. Ein wunderbar neugieriges Publikum, das – wie so oft bei Kindern – natürlich auch ganz genau hingeschaut hat. Und nun beispielsweise wissen will, woraus der Schwan geformt ist, der sich am Anfang zur Spieluhrmusik mit einem Schwanensee-Motiv drehte. Und sie fragen ebenso, ob die Tänzer am Theater oder in einer Schule das Tanzen gelernt haben, wie lange sie das Stück vorbereiten, aus welchen Ländern sie kommen, woraus die Bühnenwand besteht oder was es mit dem weißen Nebel so auf sich hat. Wiederkommen wollen sie offenbar alle, für Tanz scheinen sie sich auch zu interessieren. Und bei der Frage, wer von ihnen selbst tanzt, stehen doch weit mehr Kinder auf, als es zu erwarten war. Ein gutes Zeichen, das deutlich auch für die Landesbühnen spricht.

„Das Schwanensee-Märchen“, choreografiert und inszeniert von Wencke Kriemer de Matos, wieder am 1.3., Beginn 10 Uhr, am 6.3., 19.30 Uhr, und am 20.3., 10 Uhr, Studiobühne Radebeul sowie am 13, März, Beginn 10.30 Uhr, im Kulturhaus Freital

Von Gabriele Gorgas

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