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Händels Oratorium "Solomon" erklang mit dem Dresdner Kreuzchor

Händels Oratorium "Solomon" erklang mit dem Dresdner Kreuzchor

Wenn man so den deutschen Konzertalltag betrachtet, hat man bezüglich Händel zuweilen den Eindruck, er habe nur ein einziges Oratorium, den "Messiah", geschrieben.

Dabei gibt es doch auf diesem Gebiet so viel zu entdecken, wie etwa den in seinen späten Jahren (1748) geschriebenen "Solomon". Warum aber die Singakademie Dresden und der Dresdner Kreuzchor diese Entdeckung innerhalb eines halben Jahres, also in ziemlich dichter Folge machen mussten, ist dennoch nicht so recht nachvollziehbar.

In der Lichtgestalt des alttestamentarischen Königs Salomon verkörpert sich alles, wovon zur Entstehungszeit die Engländer nach turbulenten Zeiten träumten - ein verlässlicher Monarch, familiär gesonnen, weise in seinen Entscheidungen und auch ein bisschen Pomp und Glanz versprechend. Händel hat dafür eine feinsinnige musikalische Entsprechung gefunden, eigentlich mehr in Form einer dreiteiligen Kantate und ohne durchgehenden Handlungsstrang.

Roderich Kreile und der Dresdner Kreuzchor fühlten sich hörbar wohl im Händel'schen Klangreichtum mit all seinen kunstvollen Ornamenten und satztechnischen Einfällen. Schon als die Chorbässe kraftvoll den Auftakt zum achtstimmigen Chor der Priester "Your harps and cymbals sound" gaben, war klar, in welch wunderbarer stimmlichen Verfassung der Chor derzeit ist, was für ein vorzügliches Männerstimmenfundament er besitzt. Dieser Qualität standen die schlank geführten, souveränen Knabenstimmen in nichts nach. Da sich alles sehr homogen zusammenfügte und immer wieder textnahe Gestaltungsweisen zu registrieren waren, flexibel und plausibel im Ausdruck differenziert, hatte man seine ungetrübte Freude an dieser tollen Chorleistung der Kruzianer. Beispielhaft seien der zauberhafte Nachtigallenchor am Ende des ersten Aktes, der jubelnde Doppelchor "Praise the Lord" (fein ausbalanciert in der Gegenüberstellung beider Chöre) sowie die große Schlusssteigerung "The name of the wicked" genannt. Die Beispiele ließen sich mühelos fortsetzen.

Die Dresdner Kapellsolisten musizierten ausgesprochen delikat und besonders klangschön, sehr vertraut wirkend mit Händels Tonsprache in ihren lyrischen wie dramatischen Dimensionen. Was da allein schon die sensiblen Bläser des Orchesters leisteten! Punktgenau und flexibel, wie erwartet, steuerten Sebastian Knebel (Cembalo) und Peter Kopp (Orgel) ihre Akzente bei.

Ausschlaggebend für das hochkarätige Gelingen einer Aufführung des "Solomon" ist die Besetzung des Vokalensembles. Und da kann man hier nur sagen: edel! Britta Schwarz lieh der Titelpartie in idealer Weise Stimme und mannigfaltige Ausdruckvariabilität. Man nahm ihr den König in seinen verschiedenen Lebensstationen problemlos ab: liebevoll-innig mit seiner Gattin im ersten Akt, streng und klug bei seinem Urteil über den Kinderstreit, glanzvoll und würdig als Herrscher. Und in Ute Selbig hatte sie eine ebenbürtige Partnerin. Stimmlich bestens disponiert, mit einem Sopran, der eine ganz besondere Leuchtkraft hat, überzeugte diese mit lieblicher Ausstrahlung als Königin. Die Duette mit Britta Schwarz sind einfach nicht besser denkbar. Am meisten faszinierte Ute Selbig aber im 2. Akt, wenn die zwei Frauen um das Kind streiten, in ihrem Larghetto "Can I see my infant" - ganz, ganz schlicht und innig, die Szene ausfüllend. Mit bester Charakterisierungskunst zeichnete sich auch ihre Gegenspielerin, die Sopranistin Monika Eder, aus. Sie hatte dann als glanzvolle Königin von Saba im 3. Akt große Momente. Koloraturensicher und stimmlich geschmeidig bewältigte Virgil Hartinger als Zadok seinen tenoralen Part. Und bei Georg Zeppenfeld beeindruckte neben der profunden Schönheit seines Basses vor allem die Noblesse und die Prägnanz seiner Ausstrahlung als Levit - wunderbar.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 05.10.2013

M. Hanns

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