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Gudrun Trendafilovs Ausstellung "Vom Finden" in der Landesärztekammer in Dresden

Gudrun Trendafilovs Ausstellung "Vom Finden" in der Landesärztekammer in Dresden

Gefühl, Phantasie und Sehnsucht sind drei Begriffe mit denen die Stilrichtung der Romantik verbunden war. Gudrun Trendafilov ist bekennende Romantikerin. Sie folgt in gewissem Sinne der Forderung Caspar David Friedrichs, der da meinte: "Schließe dein leibliches Auge, damit du mit dem geistigen Auge zuerst siehest ein Bild.

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Gudrun Trendafilov: "Gebirge", 120 cm x 90 cm.Repro: Galerie

Dann fördere zutage, was du im Dunkeln gesehen, daß es zurückwirke auf andere von außen nach innen."

In unserem entmystifizierten Zeitalter nähert sich Gudrun Trendafilov ohne Vorbehalte der eigenen Gefühlswelt. Das ernsthafte künstlerische Tun ist eine harte, gefährdete Fahrt durch sich selbst, ein Leiden, Wandern, Irren, Suchen nach der verborgenen Heimat, voller tragischer Momente, geborsten von Sprüngen, Ausbrüchen, Einsamkeit, aufgeladen mit dem Wissen um das Licht und um das Finden. Sie hat den Mut sich mit dem bekannten Unbekannten auseinanderzusetzen. Sie setzt den Menschen sich selbst aus. Unsere Erinnerungen sind es, die uns zu dem machen, was wir sind.

Gudrun Trendafilov "findet" Erinnerungen. Ihre Arbeiten erzeugen Illusionen, regen die Phantasie an und schenken dem Betrachter eine Freiheit, die wohltuend ist, ohne etwas erwarten zu wollen und zu müssen. Die Abgründe sind tief und beileibe nicht jeder wagt es, sich an den Rand zu begeben, um hineinzublicken oder gar hinabzusteigen zum Urgrund, um etwas herauszufischen, was mit Urtrieben, Urängsten, Träumen und Visionen zu tun hat. Die Härte des Alltags verleitet dazu, alles in einem ertragbaren, wie anmutigem Zerrbild zu spiegeln.

Der Bilderkosmos von Gudrun Trendafilov ist rätselhaft, schön und geheimnisvoll. Mit ihren Geschichten reagiert die Künstlerin hellwach und intelligent auf die sie umgebende, sehr widersprüchliche Wirklichkeit, indem sich ihre Personnage in Einsamkeit und Selbstbezogenheit verliert. Die Künstlerin untersucht Zusammenhänge zwischen dem Innen und dem Außen. Zahlreiche Un- und Überwirklichkeiten zeugen von der Notwendigkeit der Träume. Die Angst vor der Tatsache der Entfremdung von den Ursprüngen, eingebunden in alltägliche Zwänge und Bedrängnisse, die Angst sich zu verlieren oder bereits verloren zu haben, ist spürbar. Sie malt die Suche nach der verborgenen oder sogar schon verlorenen Heimat. Sie beschreibt das Wandern, das Irren, die einsamen Versprechen, die Abgründe und die Sehnsucht nach Erlösung, sich von dem Albdruck zu befreien, endlich die Augen wieder öffnen zu dürfen. Sie malt die Sehnsucht nach Harmonie, nach Wärme, nach Kommunikation in einer erkaltenden Welt, die auch nicht mehr von der lebendigen Natur gerettet werden kann.

Geboren wurde Gudrun Trendafilov 1958 im erzgebirgischen Bernsbach. Sie absolvierte 1981 ein Studium der Malerei und Grafik an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden. 1989 war die Malerin Gründungsmitglied der Dresdner Sezession '80, mit der sie immer noch verbunden ist. Seit einigen Jahren lebt sie nun schon im fränkischen Nürnberg, jenseits der Elbe, um regelmäßig in ihr Dresdner Atelier zurückzukehren. Sie sammelt Verborgenes, Vergessenes, Träume und Hoffnungen und schaut hinter Türen, die für manche von uns immer geschlossen bleiben. Sie ergibt sich dem Prozesshaften, dem Wandel, der auch mit der Entwicklung der eigenen Persönlichkeit zusammenhängt und lässt sich immer wieder mitreißen vom Strudel künstlerischer Inspirationen, die von einem Tuschfleck, einem Gedanken, einem tiefen Gefühl ausgehen können, immer wieder begeistert von der Kraft figürlicher Ereignisse auf den Bildträgern, die sich zum nahezu mythischen Gleichnis des Stirb und Werde verdichten. Ihre Kunst ist Ausdruck eines Lebensgefühls, dessen Kraftwirkung auch den Betrachter einschließt. Einsam und zweisam versinken die menschlichen Wesen im Mikrokosmos der sinnlichen Bildwelten, in denen alles möglich scheint, in denen sich Träume erfüllen und die Erde den Himmel berührt.

Gudrun Trendafilov entwirft Visionen einer friedlichen, völlig ungestörten Koexistenz zwischen Mensch und Natur, der eine universelle Dimension innewohnt, die in archaischen Mythen immer präsent ist. Die Sinnlichkeit der Darstellung ist nicht immer nur Vorführung, sondern vor allem Verführung, wenn man der Linie folgt. Die Künstlerin weiß um des Lebens Auf und Ab und findet sich selbst in der Stille und lehrt uns das Fliegen und das Träumen. Von Zeit zu Zeit muss man innehalten, um das eigene Maß innerhalb täglicher Unrast und äußerer Maßlosigkeit zu finden. Das ist in dieser Ausstellung mit den Mischtechniken auf Papier und Leinwand von Gudrun Trendafilov möglich.

Der Betrachter wird in dieser Ausstellung zum staunenden Entdecker von Arbeiten, die Zeugnis einer poetischen Spiritualität sind, die in transzendente Räume mit optischen Sensationen, Verdichtungen und sinnlichen Überraschungen führen.Die Sehnsucht nach Harmonie, der Traum und die Erinnerung an archaische Mythen und Strukturen erscheinen gegenwärtig lebensnotwendig, da die Menschheit im emsigen Treiben, verführt von medialen Bildern, die der maßlosen, dumpfen Gier nachgeben, menschliches Maß und Gefühl verliert. Die Kunst, das Bild, wie ehemals, als Fenster in eine Welt, die parallele Realitäten schafft, anzunehmen, in denen möglich ist, was unmöglich erscheint, lässt den Verstand gesunden. In gewissem Sinne verkörpert die Kunst von Gudrun Trendafilov das Maß der Zeit, das notwendig ist, um sich selbst und seine Wünsche mit Abstand zu betrachten. Ihr gelingt es mit zeichnerischer Intensität, Stille hörbar und fühlbar zu machen, der Sehnsucht nach dem Einklang mit archaischen Wurzeln in vielen Klangfarben Ausdruck zu verleihen.

Ihre Bilder faszinieren nicht nur deshalb, da man sich ihrer gegenwärtig daran erinnert, was man bereits verloren hat, sondern sie wecken auch den Wunsch, einen dieser Fetische namenloser Glückseligkeit als Fluchtpunkt bei sich zu tragen, um das Erinnerte nicht wieder zu vergessen. Die Macht der Gedanken ist es, die neue Realitäten schafft, die die Welt verändern kann, wie es Quantenforscher belegen. Schönheit, Harmonie, Meditation - was spricht dagegen?

Galerie in der Landesärztekammer, Schützenhöhe 16, 01099 Dresden, geöffnet: Mo.-Fr. 9-18 Uhr, Ausstellung bis 15. Januar 2012

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.12.2011

Karin Weber

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