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Regional Guckkastenwelten en miniature - Weihnachtsausstellung im Dresdner Stadtmuseum zeigt Kinderspielzeug
Nachrichten Kultur Regional Guckkastenwelten en miniature - Weihnachtsausstellung im Dresdner Stadtmuseum zeigt Kinderspielzeug
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17:27 09.09.2015
Lange Beine, blonde Haare: Barbie ist der Liebling der Mädchen. Aber es gibt auch noch viele andere Puppen und diese hier im Stadtmuseum ziehen nicht allein kleine Leute in ihren Bann. Quelle: Dietrich Flechtner
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Nun denn, dann sind wir an dieser Stelle mal so frei, eine Schar von Puppen sowie entsprechenden Puppenstuben zu preisen, die bis zum 1. März 2015 in der Weihnachtsausstellung "Die Welt im Kleinen" im Dresdner Stadtmuseum bestaunt werden können.

Die in über vier Jahrzehnten aufgebaute Privatsammlung von Elke Dröscher aus Dresdens Partnerstadt Hamburg wartet mit liebevoll gestalteten Puppenstuben, Kaufmannsläden und Spielzeugküchen aus zwei Jahrhunderten auf. Das gute Dutzend auf die Reise nach Dresden geschickter Miniaturausgaben zeitgenössischer Lebenswelten gibt einen Einblick in die Wohnsituationen adliger und vor allem (groß-)bürgerlicher Kreise zwischen Biedermeier, Gründerzeit und Gelsenkirchener Barock.

Vitrine um Vitrine blicken sie einen stumm an: Puppen aus zwei Jahrhunderten (die älteste Dame ist Jahrgang 1820), Wesen mit geschlossenem oder offenem Mund, mit Köpfen aus Porzellan, Pappmaschee oder Wachs, mit Körpern voll Sägemehl, aus Zelluloid, Gummi oder Plaste. Auch Puppen-Ladies, durchgestylt und sexy, mit ausgemalten Augenbrauen oder mit Wimpern, die kunstvoll in Wachs eingedrückt wurden, lenken die Blicke auf sich. Manche scheinen zu schmollen, einige lächeln vieldeutig, andere gucken herausfordernd, wieder andere lächeln still vergnügt vor sich hin. Die einen tragen Rüschenrock, die anderen glänzen in mondäner Abendrobe.

Es ist eine Welt für sich, die da zu bestaunen ist, auch im Nintendo-Zeitalter durchaus fasziniert. Die Puppenhäuser und Kaufmannsläden sind die reinsten Guckkasten-Welten, die "die Menschen in sich hineinziehen, für Entschleunigung sorgen" sollen, wie die Designerin, Galeristin und Puppensammlerin Elke Dröscher gestern erklärte. Historie lebt hier wieder auf, in Miniatur. Da steht die Dame des Hauses (oder doch die Dienstmagd?) mit dem Besen in der Küche. Das Lebensgefühl von einst schimmert durch die gänzlich ikeafreien Wohnkulturen durch. Man muss kein Antiquar sein, um zu wissen, welche famose Arbeit diese Lilliput-Biedermeier-Möbel mit ihren eingelegten Intarsien sind, die 1855 in der Nähe von Danzig in Westpreußen für eine Puppenstube gefertigt wurden. Wie zierlich doch diese Abbildungen der Gegenstände des täglichen Lebens von einst doch sind.

Spielerisch lernten die höheren Töchter, was wichtig war: Haushaltsführung, Benimmregeln, wie man sich angemessen kleidete, wie man den Tisch ordentlich deckte, also mit - Altachtundsechziger müssen jetzt tapfer sein - Messerbänkchen und Serviettenringen. Eine Welt ohne Puppen? Die Chancen für Kinder, sich in ganz eigener Weise, spielerisch, mit dem Anderen im eigenen Selbst auseinanderzusetzen, wären eindeutig geringer. Mit einer traditionellen Modelleisenbahnanlage und kleinteiligen Spielwaren wird die Schau ergänzt.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.11.2014

Christian Ruf

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