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Grüne initiieren Dialog – Auftaktthema Musik

Werkstattgespräche zur Kultur Dresden Grüne initiieren Dialog – Auftaktthema Musik

Kulturförderung in der Kulturstadt - ein endloses Thema. Die Stadtpolitik wagt nun ein neues Format dazu: Werkstattgespräche in der Volkshochschule Dresden, initiiert von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Der Auftakt zum Thema Musik geriet vielversprechend. Weitergehen soll es mit Debatten zur Bildenden und Darstellenden Kunst sowie explizit zum Tanz. Mitte März folgt eine Auswertungswerkstatt.

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Christiane Filius-Jehne moderierte den Gesprächsauftakt.

Quelle: Archiv

Dresden. Miteinander reden: Was in jeder guten Beziehung – ebenso wie in so manchen zerrütteten – sinnvoll und nützlich sein kann, das macht jetzt auch eine Initiative der Stadtratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen. Auslöser dazu war ein gehöriges Stück Frustration, wie Moderatorin Christiane Filius-Jehne freimütig bekannte. Am Montagabend moderierte sie das erste Werkstattgespräch in der Reihe „Kultur gerecht finanzieren“, zum Thema Musik. Bis Mitte März sollen weitere Debatten folgen zur Bildenden (22. Januar) und Darstellenden Kunst (5. Februar) sowie explizit zum Tanz (26. Februar). In einer Auswertungswerkstatt (12.März) soll dann Bilanz gezogen werden.

Für diese Gespräche hat die Volkshochschule ihre „LernBar“ in der Annenstraße zur Verfügung gestellt, ein guter Ort zum Disput. Es soll darin ja um die vermeintliche Kluft zwischen der sogenannten Freien Szene und der vermeintlichen Hochkultur gehen. Also wurden (und werden auch in den nächsten Runden) Vertreter beider Ufer geladen. Das erste Tandem war gleich doppelt besetzt, für die Dresdner Philharmonie saßen Intendantin Frauke Roth und deren Dramaturgin Adelheid Schloemann neben Berit Kramer und Peter Motzkus von AuditivVokal Dresden in Podium.

Was Frauke Roth eingangs als ureigenen Anspruch einer Dienstleistung formulierte, nämlich in die Kommune zu wirken, um mit Bildung und Teilhabe für die gesamte Gesellschaft nützlich zu sein, verwässerte allzu bald im Missverständnis, dass die teuer subventionierten Institutionen zu Dienstleistern der Freien Szene mutieren sollten. Dabei dürfte beiden Seiten nichts ferner liegen als dies. Berit Kramer brachte das rasch auf den Punkt und fragte danach, was man füreinander tun könnte. Statt einseitig Ansprüche zu stellen, wolle man künstlerisch etwas beitragen, das ein Miteinander rechtfertigt.

Die Diplomatie der Dramaturgin befand „Partnerschaft“ als schwieriges Wort und erwog erst einmal Projekte, um die jeweiligen Ränder zu öffnen. Statt diese Idee zu verfolgen, geriet die Diskussion rasch in eine vermeintlich konkrete Debatte um Probenräume und bürokratische Hürden. Dabei erhob AuditivVokal überhaupt keinen Anspruch etwa auf den Konzertsaal im Kulturpalast. Vielmehr stellt Berit Kramer klar, dass Planungssicherheiten in der Freien Szene stets problematisch, weil abhängig von relativ kurzfristigen Förderzusagen seien.

Sie war sich mit der Philharmonie-Intendantin darin einig, dass die vermeintlich divergierenden Szenen einander bräuchten. Roth empfand als „impulsgebend“, was aus der Subkultur komme, und forderte für die Freie Szene „eine vernünftige und gerechte Finanzierung“, um im selben Atemzug zu fragen, was vernünftig und gerecht sei.

Filius-Jehne resümierte diesen Teil der Werkstatt mit dem Hinweis darauf, dass die Freie Szene meist ein in sich recht geschlossener Teil des finanziellen Kulturtopfes sei, während in der sogenannten Hochkultur jede Institution für sich kämpfen würde. Mit der Frage, wie beide – auf öffentliche Gelder angewiesene – Bereiche einander helfen könnten, wurde das Werkstattgespräch fürs Publikum geöffnet, in dem zahlreiche Mitglieder kultureller Einrichtungen sowie des Kulturamtes saßen.

Torsten Tannenberg vom Sächsischen Musikrat betonte zunächst, dass Deutschland einen enormen kulturellen Reichtum besitze, den es zu erhalten gelte. Die Selbstausbeutung in der Freien Szene – teilweise zu Stundenlöhnen von etwa drei Euro – sei damit nicht vereinbar. Dafür müssten alle Beteiligten das Gespräch suchen, denn sie seien aufeinander angewiesen, wie ihm auch Katarina Hinzpeter von den Dresdner Musikfestspielen attestierte. Markus Rindt von den Dresdner Sinfonikern lobte dieses Gesprächsformat, das fortgesetzt werden solle, und meinte, Philharmonie und Musikfestspiele sollten die Kräfte vor Ort fördern. Weil: „Sie haben es verdient!“

Ob das freilich für alle gilt, stellte Kilian Forster geradezu vorsätzlich in Frage, indem er seinen Redebeitrag als Werbeblock für ein von ihm und seiner Frau ausgerichtetes Festival nutzte. Prompt erntete er heftigen Widerspruch von Frauke Roth, die „im Sinne der künstlerischen Freiheit“ klarstellte, wie unlauter es sei, ein Genre nur einer einzigen Organisation zuzuordnen. Immerhin sei sie verpflichtet, mit öffentlichen Mitteln für eine kulturelle Grundversorgung der Bevölkerung beizutragen.

Kreuzkantor Roderich Kreile empfand bei dieser Auseinandersetzung eine Art Déjà-vu, denn „schon vor Jahren wurde in Dresden ein Parlament der Künste gefordert.“ Er würde gern mehr mit der Freien Szene kommunizieren, denn als Stadt der Kultur und Wissenschaften könne Dresden nur „im reichen Biotop der unterschiedlichen Kulturen“ funktionieren. Denkbar sei sogar eine Patenschaft der Kreuzchors für ein Ensemble wie AuditivVokal.

Fazit: Der Gesprächsansatz hat funktioniert, es muss miteinander geredet werden. Möglicherweise setzt diese Reihe der Werkstattgespräche ein regelmäßiges Forum in Gang. Das wäre schon mal mehr als nur ein Auftakt.

Von MICHAEL ERNST

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