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Regional Großzügige Kunst- und Immobilien-Schenkung von Max Uhlig an den Freistaat
Nachrichten Kultur Regional Großzügige Kunst- und Immobilien-Schenkung von Max Uhlig an den Freistaat
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19:06 28.03.2018
am 28.03.18 in Dresden im helfenberger Grund : PK Schenkung Max Uhlig : Schlüsselübergabe Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

„Max-Uhlig-Haus – Internationale Künstlerresidenz“ steht auf dem Schlüsselanhänger. Die Übergabe dieses ersten Schlüssels war das fotogene „Pünktchen auf dem i“ eines Pressetermins, der gestern im Helfenberger Grund, in Max Uhligs (Jg. 1937) langjährigem Wohn- und Arbeitsdomizil stattfand. Tags zuvor, am 27. März, hatten er und seine Frau Angela Simon einen Schenkungsvertrag mit der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen unterschrieben. Deren Präsident Ulf Großmann, Stiftungsdirektor Ralph Lindner und vor allem Eva-Maria Stange, Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, ließen es sich nicht nehmen, dem national und international bekannten Künstler sowie Angela Simon angesichts der „großzügigen Schenkung“ öffentlich zu danken. Stange sieht diese zugleich „als Auftrag“. Sie stellte die Schenkung in den Kontext „der gegenwärtigen Debatte um den Umgang mit Künstlernachlässen und nannte sie „ein herausragendes Beispiel für die vorausschauende und verantwortliche Bewahrung eines künstlerischen Lebenswerks“.

Zukünftig wird es möglich sein, Uhligs Werk „an dessen Entstehungs- und Wirkungsort zu erforschen, zu pflegen, zu vermitteln und auszustellen“, so Ulf Großmann. Und Ralph Lindner ist wohl zuzustimmen, wenn er von einer „einmaligen Chance für den Freistaat Sachsen“ sprach. Denn die Schenkung umfasst die Liegenschaft von 1700 Quadratmetern Fläche – damit die räumliche Voraussetzung für die internationale Künstlerresidenz – sowie 15 214 Werke aller Gattungen, den die Kulturstiftung betreuen wird. Festgelegt ist auch, welcher Teil unveräußerlich ist, und was eventuell auf den Kunstmarkt gebracht werden kann. Darüber hinaus sind Erinnerungsstücke, eine große Katalogbibliothek und anderes inbegriffen.

Das Max Uhlig-Haus im Helfenberger Grund Quelle: Dietrich Flechtner

Damit entsteht eine „für Mitteldeutschland vollständig neuartige Einrichtung“, so Lindner. Zwar vergibt die Kulturstiftung jährlich etwa 40 Künstlerstipendien für Auslandsaufenthalte, hat aber kein Stipendienprogramm für Aufenthalte internationaler Künstler in Dresden. Das wird nun anders werden. Nach vier Jahren Vorbereitungszeit und der erfolgten Unterzeichnung des Schenkungsvertrags wird das Max-Uhlig-Haus „unmittelbar die Arbeit“ aufnehmen – auch als internationale Künstlerresidenz. Natürlich wird das Ganze schrittweise erfolgen – bedingt durch notwendige Baumaßnahmen. Nicht zufällig hielt sich Lindner mit detaillierten terminlichen Aussagen zurück. Gleichwohl ist das Max-Uhlig-Haus und sein Residenzcharakter als Größe im Doppelhaushalt des Freistaates eingestellt beziehungsweise als Teil des Haushaltes der Kulturstiftung verankert, so dass Architektenleistungen und Baumaßnahmen vergeben werden können. Neben Büro- und Wohnräumen für die Gäste geht es auch um den Ausbau einer Druckwerkstatt im Sockelgeschoss, einer Rahmenwerkstatt in der unteren Halle sowie der Räumlichkeiten für Ausstellungen.

Mit all diesen Möglichkeiten soll das Max-Uhlig-Haus ein lebendiger Organismus sein. Dazu gehören bis auf Weiteres der Namensgeber selbst und natürlich seine Frau. Das Haus im Helfenberger Grund bleibe Wohndomizil, „so lange es geht“. „Noch bin ich leichtsinnig fröhlich“, so der Künstler beim Pressegespräch, dem mit dem Abschluss des Schenkungsvertrags gewiss auch eine Last von den Schultern genommen ist. Denn es ist ja für jeden Künstler eine Frage, was aus seinem Werk wird. Wenn es gelingt, dies beizeiten zu klären, ist das sicher beruhigend. Der Kopf bleibt dann frei für die Kunst. Und man weiß ja, dass Uhlig ohne eigenes künstlerisches Tun nicht sein kann. Man denke nur an die gewissermaßen zu seinem 80. Geburtstag im vergangenen Jahr vollendeten Fenster der St. Johannis-Kirche in Magdeburg. Dass die, wie gestern zu hören war, teils noch nicht bezahlt sind, gehört allerdings auch zum Leben eines Künstlers.

Gleichwohl ist Max Uhlig heute wohl an einem Punkt seiner „Karriere“, wie er es sich in jungen Jahren kaum hätte träumen lassen. Allerdings hat er, was von ihm abhing, kontinuierlich getan – an der Vervollkommnung seiner künstlerischen Mittel zu arbeiten, dabei seinen ihm gemäßen Weg zu verfolgen, was nicht immer einfach war, angesichts der offiziellen Erwartungen unter dem Motto „Sozialistischer Realismus“.

Max Uhlig hat gestern noch einmal diesen Weg skizziert, sein „Unbehagen von Anfang an“ bezüglich solcher Erwartungen an die Künstler verdeutlicht. Es ist ja bekannt, dass er sich im Studium ganz bewusst für die Grafik entschieden hat, weil er es dort mit Lehrern zu tun hatte, die seinen inneren Vorstellungen entsprachen: Max Schwimmer und Hans Theo Richter. Er machte noch einmal deutlich, wie „falsch“, ja „wenig realistisch“ ihm dazumal vieles Gemalte vorkam. Das Eigene sei „vielleicht begrenzt, aber nicht falsch“, so Uhlig über sein Werk. Wichtige Stationen für seinen Weg waren (wie für so viele) Begegnungen mit Otto Niemeyer-Holstein, Aufenthalte in der Uckermark und Mecklenburg, teils mit Gerda Lepke, später im Erzgebirge und nach der Wende in Südfrankreich.

Dass – besonders bis 1989 – die räumlichen Bedingungen, ob an diesen Malstätten oder im Künstlerhaus, oft „Bruchbuden“ glichen, verwundert nicht. Letzteres galt übrigens zunächst auch für das ehemalige Betriebsgebäude im Helfenberger Grund, das nach dem Atelierbrand 1996 im Künstlerhaus bald zum Schaffens- und Wohndomizil wurde. Und dieser Ort, der schon bisher über Dresden hinaus strahlte, soll dies fortan erst recht tun. „Mir ist wichtig, dass hier Zukunft stattfindet“, so Max Uhlig gestern.

Von Lisa Werner-Art

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