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Gojko Mitic spielt in Reformationsstück einen Häuptling

„In Gottes eigenem Land“ Gojko Mitic spielt in Reformationsstück einen Häuptling

Indianer-Spielen hält jung. Gojko Mitic hat als Häuptling in DEFA- Filmen ein Millionenpublikum begeistert. Auch als altersweise Rothaut ist der Schauspieler gefragt.

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Gojko Mitić

Quelle: dpa

Dresden.

Im großen Saal laufen die Proben für „Traviata“, die Musik dringt durch die Türen, wenngleich natürlich gedämpft. Theateralltag. Ähnliches gilt auch für das Pressegespräch im benachbarten Foyer. Die jüngste Produktion wird vorab von der Theatermannschaft vorgestellt. Doch ganz so alltäglich ist das alles im Radebeuler Stammhaus der Landesbühnen Sachsen dann doch nicht.

Das liegt in erster Linie an einem Namen: Gojko Mitic. Der Mann, der östlich der Elbe nicht mehr vorgestellt werden muss, der es in den vergangenen zwei Jahrzehnten dazu noch schaffte, sich eine gesamtdeutsche Karriere aufzubauen, ob nun in diversen Fernsehserien oder als Winnetou bei den Segeberger Karl-May-Festspielen, wo er es auf sage und schreibe 1024 Aufführungen brachte.
Mitic also. Jahrgang 1940. Geboren im damaligen Königreich Jugoslawien. Und im DDR-Fernsehen, mit großer Wahrscheinlichkeit aber weit darüber hinaus, der authentischste Darsteller, den es für die Rolle eines Indianers auf lange Zeit gegeben hat. Über Selbstironie verfügt er ebenfalls. „Ich habe immer versucht, aus dieser Schublade herauszukommen, aber ich lande immer wieder dort“, sagte Mitic gestern in Radebeul. Grund genug hat er: In der Inszenierung „In Gottes eigenem Land“, der Geschichte Heinrich Melchior Mühlenbergs, des Begründers des Luthertums in Amerika, spielt Mitic den Delawaren-Häuptling Fliegender Pfeil. Premierentermin ist der 29. April.

Landesbühnen-Intendant Manuel Schöbel bezeichnet das Stück als „die größte Schauspielproduktion dieser Spielzeit“. Dafür spricht allein schon die Integration einer großen Zahl von Laiendarstellern als auch die Kooperation mit verschiedenen Chören, je nach Aufführungsort. Denn „In Gottes eigenem Land“ soll nach sechs Vorstellungen in Radebeul durch die Region touren: nach Großenhain, Meißen, Torgau, Eisleben, Zeitz, Storkow. Ein Teil der Inszenierung soll außerdem zum diesjährigen Reformationsfest in Wittenberg gezeigt werden, wie Schöbel gestern ankündigte. Termin des Festes ist der 31. Oktober. Nicht zuletzt sticht die Produktion auch deshalb heraus, weil mit Damian Cruden vom Theater York ein englischer Regisseur nach Radebeul verpflichtet wurde.
Der Vorlauf des Theaters für das „Reformationsstück“ kann dabei auf etwa fünf Jahre beziffert werden. Im Mai 2012 habe der Autor Eberhard Görner einen Brief geschickt, in dem er seinen Roman „In Gottes eigenem Land“ als Vorlage für ein Theaterstück empfahl, sagte Projektleiterin Jane Taubert. Mit diesem Stoff sei dann übrigens auch Mitic gelockt worden, erzählte Schöbel, der um den Schauspieler vorher vergebens geworben hatte, als Winnetou auf der Felsenbühne Rathen zu stehen.

„Jeder kennt Winnetou und Old Shatterhand, aber keiner kennt Mühlenberg“, fasste Mitic gestern seine Motivation zusammen. Der aber gehöre zur deutschen Geschichte. „Ich konnte nicht nein sagen.“ Dafür habe er sogar ein Filmprojekt abgesagt, um sich ganz auf das Theater konzentrieren zu können.
In dieser Konstellation ist es für Moritz Gabriel auf den ersten Blick nicht einfach. Der Schauspieler, Jahrgang 1982, verkörpert jenen Mühlenberg. Den er durchaus als ambivalente Figur sieht, „ein Lutheraner mit ausgeprägter Obrigkeitshörigkeit“.

Nicht immer war klar, dass dieses Projekt auch umgesetzt werden würde. Der Grund: die Dramatisierung des Textes. Olaf Hörbe, der ebenfalls mit auf der Bühne stehen wird, hatte sich lange daran versucht. „Zwischenzeitlich hatte ich eigentlich abgesagt“, meinte er. Taubert habe ihn aber bei der Stange gehalten. Und schließlich habe er auch einen Dreh gefunden. „Die Umsetzung des Romans ist nicht einfach. Das eigentlich Dramatische ist der Zeitenumbruch“, ließ Hörbe einen Einblick in seine Arbeit zu. So werden aus gut 300 Buchseiten etwa zweieinhalb Stunden Inszenierung entstehen.
Görner zeichnet in dem Buch die Schwierigkeiten Mühlenbergs nach, in jährlichen Kapiteln, die die Jahre 1742 bis 1760 umfassen. Der war zunächst für drei Jahre durch Gotthilf August Francke, Direktor der Glauchaschen Anstalten (den heutigen Franckeschen Stiftungen) berufen worden, die drei deutsch-lutherischen Gemeinden in Philadelphia, New Hanover und Providence zu betreuen. Görner kreiert im Roman die anfängliche Freundschaft Mühlenbergs mit dem Häuptling Fliegender Pfeil – die der Bühnenfassung natürlich zugute kommt. Mühlenberg selbst, so schreibt Thomas Müller-Bahlke im Epilog des Buches, „habe wenig über seine Berührungen mit der indigenen Bevölkerung“ berichtet.

Eine Ausstellung zum Making of der Inszenierung ist im Foyer der Landesbühnen zu sehen. Und auf der Leipziger Buchmesse soll eine graphic novel zu Mühlenberg vorgestellt werden. Das Gesamtpaket zum Reformationsjubiläum.
Premiere: 29. April, Stammhaus Radebeul

Torsten Klaus

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