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Regional Glashütte Original MusikFestspielPreis geht an Joyce DiDonato
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18:31 29.05.2018
Joyce DiDonato trat am 28. Mai in Dresden auf und wurde mit dem Glashütte Original MusikFestspielPreis geehrt. Quelle: Oliver Killig
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Dresden

Letzte Woche war Joyce DiDonato mit ihrem Programm „In Krieg und Frieden – Harmonie durch Musik“ bei den Händel-Festspielen zu Gast und nahm den Händel-Preis der Stadt Halle entgegen. Intendant Clemens Birnbaum hatte zuvor festgestellt, dass der Preis eigentlich weniger die Sängerin ehre, vielmehr würden die Festspiele durch Joyce DiDonato ausgezeichnet. Am Montag trat die amerikanische Mezzosopranistin in Dresden auf, wo ihr nach dem Konzert im Kulturpalast der Glashütte Original MusikFestspielPreis verliehen wurde. Hinsichtlich der Ehre könnte man ähnliches sagen wie in Halle, doch die Preise sind bei weitem nicht beliebig. Während für den Händelpreis besonders das Wirken für den Komponisten und die seit Jahren überragenden Interpretationen gelten, ist der Glashütte Original MusikFestspielPreis auf solche Musiker fokussiert, welche ihre Kunst in sozialen Projekten verankern. In den letzten Jahren hat Joyce DiDonato solche in der Jugendarbeit oder mit Sträflingen begleitet, auch das Preisgeld des Glashütte Original MusikFestspielPreises (25 000 Euro) wird in eines fließen: El Sistema Greece widmet sich Kindern von Flüchtlingen und ermöglicht ihnen mit Lehrern und Instrumenten einen Zugang zur Musik.

„Das Gegenteil von Krieg ist nicht Frieden, es ist Kreativität“

Kreativität, Leidenschaft und Inspiration seien wesentlich für die Entwicklung junger Menschen, Musik könne dazu beitragen, hatte Joyce DiDonato zum Pressetermin gesagt. Dass sie dort (bei Glashütte Original) pünktlich auf die Minute erschien, war aber wohl keine Gefälligkeit an den Preisstifter, sondern zeugt von der Professionalität der Sängerin.

„Das Gegenteil von Krieg ist nicht Frieden, es ist Kreativität.“ Dieser Satz hat Joyce DiDonato beflügelt und stand wohl auch Pate für das Programm „In Krieg & Frieden“. Allerdings sollte man sich hüten, es wahllos auf heutige Konflikte zu übertragen. Vielmehr ging es in den Opern des 17. und 18. Jahrhunderts um die Darstellung des Leides, des Wandels oder des Glücks einzelner, oft heroischer Personen, weniger um Aktualität oder Realismus.

Bis zum projizierten Feuerwerk

In zwei Teilen mit Meisterwerken von Leonardo Leo, Georg Friedrich Händel und Henry Purcell erklangen zunächst mit dem Thema Krieg behaftete Stücke, nach der Pause solche mit Friedensgedanken. In der Regie von Ralf Pleger war das Konzert zu einer Show gewachsen, die neben Tanz vor allem Licht und Projektionen enthielt. So eindrucksvoll dies war, lenkten gerade die Lichtblitze und Bilder oft ab oder überluden den Gesamteindruck, was die Wirkung der Musik minderte. Wenn zu Händel Kugeln oder Blasen projiziert werden, hat das ein wenig etwas vom „Klanggarten“. Wer all diese Eindrücke aufnehmen wollte, fand manches Mal nur simple Symbolik, etwa, wenn zu „Lascia ch’io pianga“ (Teil „Krieg“) die Rosenblätter herabfallen und bei „Da pacem Domine“ von Arvo Pärt (Teil „Frieden“) heraufschweben, später gab es gar ein projiziertes Feuerwerk – puh!

Eigentlich schade, denn auf die Musiker, die schon zu Beginn im abgedunkelten Raum spielten, hätte man sich gerne mehr konzentriert. Sie zeigten sich durchaus mehrfach begabt als Streicher und Flötisten (Anna Fusek) oder als Leiter, Cembalist und Zinkist (Maxim Emelyanychev). Die instrumentalen Intermezzi waren an sich beruhigend und überleitend, auch wenn ausgerechnet beim Minimalisten Arvo Pärt noch Lichtbläschen sprudelten. Übrigens konnte sich fragen, was denn hier als „Originalklang“ (das Konzert zählte zur Reihe) gemeint war. Und das ist ohne Provokation gemeint: Ist im neuen Konzertsaal des Kulturpalastes denn nicht die Musik des 21. Jahrhunderts ein „Originalklang“ (Pärts Werk ist 2004 entstanden)?

Mit goldener Geschmeidigkeit

Was aber wohl die meisten bewegte, war die fabelhafte Sängerin, die sich mit Leidenschaft und Emphase präsentierte und brillierte. Dass sie in den kurzen Opernausschnitten Effekte vor allem technische herausarbeitet und der Beginn von beinahe sportivem Glanz geprägt war und manche Überhöhung enthielt, lässt sich in so einem Auswahlprogramm kaum vermeiden. Joyce DiDonatos Stimme wurde im Verlauf jedoch weicher, blühender. Gerade mit Henry Purcell („Thy hand, Belinda…“, „They tell us that yous mighty powers“) beeindruckte sie und entfaltete die goldene Geschmeidigkeit ihres Mezzos.

Dabei agierte und posierte die Sängerin immer wieder auf der Bühne und mit der Flötistin sowie Tänzer Manuel Palazzo, dessen Choreographie auf eine Bezugnahme (in Person oder Thema) ausgerichtet war unaufdringlich blieb.

Auch das ist ein Credo Joyce DiDonatos: optimistisch bleiben. Schließlich ging nach jeder noch so dunklen Nacht die Sonne wieder auf. Insofern war die letzte Zugabe, Richard Strauss’ „Morgen“, nicht nur ein wunderbarer musikalischer Augenblick, sondern eine positive Botschaft.

Joyce DiDonato hat den Kontrast zwischen kriegerischem Chaos und der Harmonie der Musik schon 2016 zum Thema eines Albums gemacht – als Reaktion auf die Pariser Attentate 2015 und weitere damalige Gewalttaten weltweit. Ein Jahr später gastierte die amerikanische Mezzosopranistin mit diesem Programm im Liceu Theater in Barcelona, begleitet vom Ensemble Il pomo d’oro und dem Tänzer Manuel Palazzo. DiDonato kombiniert darin barocke Arien mit Arvo Pärts zeitgenössischem Werk „Da pacem, Domine“. Den Abschluss bildet Richard Strauss’ Lied „Morgen“.

Der Live-Mitschnitt ist Anfang April 2018 als DVD und Blu-ray bei Warner erschienen. Preis: 19,99 Euro.

Von Wolfram Quellmalz

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