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‚Gesichter in der Stadt‘ - eine künstlerische Momentaufnahme

Ausstellung im Dresdner Rathaus ‚Gesichter in der Stadt‘ - eine künstlerische Momentaufnahme

Es ist keine Ausstellung mit herkömmlichen Porträts, die derzeit in der Galerie 2. Stock im Dresdner Rathaus zu sehen ist. Mit dem allgemeinen Kunstbegriff hat sich auch der Porträtbegriff erweitert, das zeigt die Spannbreite der ausgestellten Werke deutlich auf.

Zwölf Künstler zeigen ausgewählte und einzigartig gestaltete Porträts in der Ausstellung im Dresdner Rathaus.

Quelle: Ausschnitt aus der Einladungskarte

Dresden. Es ist keine Ausstellung mit herkömmlichen Porträts, die derzeit in der Galerie 2. Stock im Dresdner Rathaus zu sehen ist. Mit dem allgemeinen Kunstbegriff hat sich auch der Porträtbegriff erweitert, das zeigt die Spannbreite der ausgestellten Werke deutlich auf. Beschränkt auf grafische Arbeiten (Zeichnung und Druckgrafik), erzählt die Exposition außer der inhaltlichen Aussage fast nebenher, welche künstlerischen Mitteln in der zeitgenössischen Grafik zur Verfügung stehen.

Sicherlich können die ausgewählten zwölf Künstlerinnen und Künstler nicht alle verfügbaren Techniken vorstellen, darum geht es in dieser Ausstellung auch nicht. Im Vordergrund steht das menschliche Gesicht beziehungsweise komplette Köpfe. Die Darstellung des menschlichen Körpers und somit auch des menschlichen Antlitzes gehört mit zu den Anfängen künstlerischer Tätigkeit, das steht wohl zweifelsfrei fest. Angefangen von der Höhlenmalerei über die Porträtkunst in der Antike hin zu Renaissance und Barock wurde das Medium als repräsentative Darstellung genutzt. Aber es war auch immer mehr als die getreue Wiedergabe einer einzigen Person oder eines Gesichts.

Idealtypische Züge transportierten Ideologien der Herrschenden oder schönten bestimmte Gegebenheiten für die Nachwelt. Die Manipulationsmöglichkeiten waren und sind zahlreich, nicht erst seit dem Einzug der digitalen Welt in unsere Köpfe und Körper. Speziell im 20. Jahrhundert weitete sich nicht nur der Kunstbegriff mit rasanter Geschwindigkeit, sondern gleichfalls der Porträtbegriff. Insofern basiert diese Ausstellung hier, nun schon im voranschreitenden 21. Jahrhundert, auf dem gängigen erweiterten Porträtbegriff, und daraus hat sich auch der Titel herleiten lassen.

zeigt vier Siebdrucke. Drei kleine Formate gehören zu ihrer 2005 angelegten Serie „Atlas“. Die gesamte Werkgruppe besteht aus ca. 30 Porträts von Freunden und Bekannten der Künstlerin und ist bereits in unterschiedlichen Konstellationen gezeigt worden, meist von Lichtkästen hinterleuchtet. Auffällig ist, dass die Porträtierten recht frontal auf den Betrachter schauen; alle wirken durch die harten Kontraste scheinbar typisiert, gleichwohl verbirgt sich hinter jedem Druck eine reale Person als Grundlage der Gestaltung der einzelnen Siebe.

Der vierte Druck aus dem Jahr 2015 zeigt Helga Hoskova-Weissová, eine tschechische Malerin mit jüdischen Wurzeln. 1929 in Prag geboren, verlor sie durch die judenfeindliche Politik der deutschen Besatzungsmacht mehrere Familienmitglieder und entkam selbst nur knapp dem Verhungern. Stefanie Busch lernte Helga Hoskova-Weissová und ihre Lebensgeschichte 2013 in Freiberg kennen und schuf dann 2015 den gezeigten Siebdruck. Das Blatt hat durch seinen politischen und zugleich persönlichen Hintergrund eine ganz besondere und außerordentliche Brisanz; zeigt es doch auf zurückhaltende Art und Weise, wie wichtig es ist, Geschichte weiterzutragen und dafür eben auch die Mittel der Kunst zu nutzen.




Von
Jahrgang 1952, sind vier Collagen aus einer größeren Serie von Köpfen ausgestellt. Mit fast jugendlicher Farbenfreude spielt sie mit den Formen und entwickelt über Subthemen eine heitere Vielfalt in der Kopfdarstellung. Abstraktion wird zwar hinreichend eingesetzt, führt aber im Resultat nicht weg vom imaginierten Sujet, sondern vielmehr darauf hin. Vor ihrem Studium an der HfBK hat sich Gumnitz umfassend mit indischer Dekormalerei beschäftigt, möglicherweise ist aus dieser Zeit der Hang der Künstlerin zu Farbkontrasten und Mustern geblieben.



kann aufgrund ihres Alters bereits an ihrem Spätwerk arbeiten, sie ist die älteste Beteiligte in der Ausstellung. Ihre Collagen bewegen sie nahe am realistischen Porträt entlang, obwohl die einfließende Phantasie und ein gutes Maß an poetischer Überhöhung die Werke heiter erscheinen lassen und sie in die Nähe von Bildverständnis und Arbeitsweise von Sabine Gumnitz rücken. Die vier Kinderköpfe auf den Blättern von Herrmann zeigen drei ihrer Enkel und einen Freund dazu und enthalten durchaus wiedererkennbare Elemente. Letzteres trifft auch auf ihr Selbstbildnis von 2014 zu, das sie mit Erinnerungen und sicher auch einem Blick in die Zukunft verknüpft.



Schaffen ist in mehrfacher Hinsicht eng mit Dresden verbunden, obwohl sie sich in ihrem künstlerischen Werk nie speziell mit Dresdner Themen beschäftigt hat. Hier im Rathaus der Stadt zeigt sie zwei großformatige Algrafien, die den Porträtbegriff im Grunde allegorisch auffassen und die somit als Porträts der Gesellschaft gesehen werden können und müssen. Der kritische Grundzug in vielen ihrer Werke findet sich auch in den gezeigten Blättern. Es sind Drucke voller direkter und indirekter Anspielungen, jeder einzelne Betrachter wird die auftretenden Figuren wie Narr, Affe und König auf seine Weise interpretieren.

ist Arbeiten auf Papier vertreten, die Psychogrammen gleichen. Die 1975 geborene Künstlerin sagt selbst zu ihrer Arbeit: „Als Grundlage meiner Arbeit dienen mir meist Fotos von Freunden, Bekannten und mir selbst. Neben äußeren Merkmalen des Gesichtes werden durch Bearbeiten und Zerstören der Oberfläche tiefere Wesenszüge des Porträtierten sichtbar gemacht, hervorgeholt und festgehalten. Bisweilen entfernt sich ein Menschengesicht durch Verfremden so stark vom Abbild, dass es beginnt, ein ,Eigenleben’ zu führen.“



zeigt zwei großformatige Zeichnungen, die aus einen größeren Serie von Köpfen mit dem Titel „Kohleköpfe oder AROUND ME“ stammen. Die feinnervigen Kohlezeichnungen betten die jeweiligen Protagonisten des einzelnen Blattes in Umgebungsszenerien ein, ohne dass sie konkrete Hinweise auf eine regionale Zuordnung liefern. Die Verbundenheit der Künstlerin mit ihrer angestammten Heimat, der Lausitz, mag eine Rolle spielen, und das Erleben der Menschen im Hier und Jetzt erscheint als Grundlage für die Zeichnungsfolge. Die Künstlerin bleibt auf beobachtender Distanz und hält auch den Betrachter auf neutralem Boden.



neun farbige Blätter sind in einer dem Stencil-Graffiti ähnlichen Schabloniertechnik hergestellt. Der technischen Umsetzung geht eine malerische Studie voraus, wie auch die Ergebnisse mit einer malerischen Attitüde aufwarten. Die Dargestellten wirken eigenartig distanziert, beim zweiten Blick durch den Künstler auch teilweise idealtypisch zubereitet oder, wie es Wolfram Neumann selbst beschreibt, als Vorwegnahme unserer Haushalthelfer von morgen. Entdeckt werden die Köpfe von Neumann allerdings in Schaufenstern als Staffagepuppen; die Herkunft der Ausgangsbilder aus der seriellen Massenproduktion ermöglicht es Künstler und Betrachter, in einem Modus der Coolness zu bleiben – sowohl bei der künstlerischen Produktion als auch beim Betrachten.

pflegt in ihrem Schaffen noch eine Art der Porträtkunst, die in einer Wiedererkennbarkeit der Gesichtszüge eine zentrale Grundlage des künstlerischen Tuns ausgeht. Ihre Person steht ganz im Einklang mit dem ruhigen Strich auf den Blättern, in der Ausstellung zeigt sie vier Bleistiftzeichnungen. Im Zusammenhang mit den Porträts entstehen in dörflicher Abgeschiedenheit in der Nähe von Dresden auch Körperdarstellungen, Landschaften, Tierdarstellungen. Die Porträts folgen dem gesehenen Gesicht – es ist Zeichenkunst im Modus vergangener Zeit, die uns Elisabeth Richter hier vorführt. Man kann das als unzeitgemäß ablehnen oder man kann es ob seiner Klarheit, Unbestechlichkeit und Zeitlosigkeit bewundernd mögen.


geboren 1951, hat sich in seinem umfangreichen künstlerischen Werk immer wieder der menschlichen Figur und dem Porträt zugewandt. Seien es Bleistiftporträts von Politikern, seien es ihm sehr nahestehende Personen oder Künstlerkollegen – immer wieder greift Sandner zu Stift oder Tusche, um einen Moment der Begegnung festzuhalten. Zahllose Zeichnungen ganz unterschiedlicher Formate sind so über Jahrzehnte entstanden, eine inhaltliche Gewichtung entsteht für den Künstler über seinen persönlichen Bezug zu den Dargestellten. Auf Außenstehende wirkt das künstlerische Material intim, fast fühlt man sich wie ein Voyeur beim Betrachten der Blätter, die schon über das kleine Format eine gewisse Schutzbedürftigkeit ausstrahlen.

. Die Künstlerin hat sich ganz dem Medium der Druckgrafik verschrieben und sich dabei auf die Radierung spezialisiert. Die Arbeit mit der Radiernadel kommt ihren inhaltlichen Intentionen entgegen, sie beherrscht ihr bevorzugtes Arbeitsfeld bis in die kleinste Nuance hinein, und so können wir auf den Blättern sehr differenzierten menschlichen Stimmungen begegnen. Das Gemüt ihrer Köpfe und Gesichter ist aufgehoben in dem scheinbaren Wirrwarr aus Linien und Flächen, das sich bei näherem Hinsehen allerdings als sehr individueller Kosmos der einzelnen Figuren entpuppt.


bis 23. Februar, Ausstellung „Gesichter in der Stadt – Grafik“ im Rathaus, Dr-Külz-Ring,

Von Claudia Reichardt

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