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Germaine Acogny beeindruckt im Festspielhaus Hellerau

„Mon Élue Noire“ Germaine Acogny beeindruckt im Festspielhaus Hellerau

Dass im Festspielhaus Hellerau mit schöner Kontinuität immer wieder Überraschendes und auch absolut Aufregendes zu erleben ist, wissen die recht unterschiedlichen Besucher des Hauses ganz offenbar zu schätzen. Und haben sich jene unglaublich künstlerisch-menschliche Präsenz der nun schon 72-jährigen afrikanischen Tänzerin und Choreografin Germaine Acogny nicht entgehen lassen.

Tänzerin und Choreografin Germaine Acogny

Quelle: François Stemmer

Dresden. Dass im Festspielhaus Hellerau mit schöner Kontinuität immer wieder Überraschendes und auch absolut Aufregendes zu erleben ist, wissen die recht unterschiedlichen Besucher des Hauses ganz offenbar zu schätzen. Und haben sich, obwohl es noch viel mehr Neugierige hätten sein können, auch jene unglaublich künstlerisch-menschliche Präsenz der nun schon 72-jährigen afrikanischen Tänzerin und Choreografin Germaine Acogny aus Senegal nicht entgehen lassen. Mit ihrem Solo „Mon Élue Noire“ („Meine schwarze Auserwählte“) hat sie sich jetzt beim Festival Shifting Realities, diesem vielseitigen tänzerischen Dialog zwischen Afrika und Europa, bestens eingeprägt.

„Was zählt, ist das Beispiel“ hatte einst Ruth Berghaus in Würdigung von Palucca gesagt. Und irgendwie passt dieses Zitat ebenso zu dieser so spannenden Frau aus Senegal, die mit ihrem Wirken auch in Europa viele Spuren hinterlassen hat. Sie ist einfach eine großartige Künstlerin! Als Germaine Acogny im Publikumsgespräch bemerkt, dass Begegnungen auch im Tanz überhaupt nur möglich seien, wenn man sich auf Augenhöhe wahrnehme, mit dem Stolz auf die eigene Kultur und frei von der Einbildung, dem anderen überlegen zu sein, trifft sie gewissermaßen ins Schwarze.

Und so ist sie auch in der Arbeit des französischen Choreografen Olivier Dubois explizit als „Auserwählte“ zu erleben. Womit zugleich assoziiert ist, dass Gerrmaine Acocny bereits in den 1970er Jahren als solche an der berühmten Schule Mudra Afrique von Maurice Bejart für ein mögliches Projekt mit „Le Sacre du Printemps“ auserkoren war. Dazu ist es aber offenbar nicht gekommen. Zumindest nicht mit ihr in dieser Rolle.

Nun hat Dubois Jahrzehnte später für die beeindruckende, kraftvolle Tänzerin einen Raum geschaffen, den sie auf ganz eigene Weise ausfüllen und zugleich sprengen kann, wo sie als irdisch-fassbare wie auch rätselvoll-zeitlose Gestalt erscheint, ein fast mythisches Wesen mit diesseitiger Präsenz. Zunächst ist in dem hochragenden, im Lichtwechsel veränderlichen schwarzen Turm nur dieses Klacken eines Feuerzeuges auszumachen, dann flackerndes Licht sowie Rauch, der aus einer Pfeife aufsteigt, die offenbar im Leben wie auch in der Kunst zu ihrem Markenzeichen geworden ist.

Mehr schemenhaft taucht dieses Geschöpf auf, ein Körper im Dunkeln, ein Wesen voller Geheimnisse. Das sich zu schaffen macht in seinem begrenzten Reich, ein Mensch an einem heimischen wie auch verwunschenen Ort. Dazu Anklänge aus der so bekannten Musik „Le Sacre du Printemps“ von Igor Strawinsky. Etwa 250 Choreografien soll es zu dieser expressiven Komposition mittlerweile schon geben. Und diese hebt sich deutlich ab von vielen anderen, erzählt eine ganz persönliche, sehr eigene Geschichte.

Als später im Gespräch die Rede davon ist, dieser schwarze Turm sei möglicherweise auch einem Käfig, hält Germaine Acogny vehement dagegen. Für sie sei es kein Käfig. Sie nenne es ihren Thron. Und so bewegt sie sich in diesem „Reich“ voller Geheimnisse und Gefährdungen, wo sie eingeengt, eingeschränkt existiert, aber dennoch auch frei und selbstbewusst, sich behauptet gegen Demütigungen und Gefahren. Sie ist kein Opfer. Sie ist eine Kämpferin. Die eindringlich und bildhaft auch in ihrer Körpersprache davon spricht, was die Kolonisation für ihren Kontinent, für ihre Familie mit sich brachte.

Und immer wieder richtet sie ihren fragenden, wissenden Blick zum Publikum hin. Wenn man darüber nachdenkt, was an diesem Solo, an dieser gemeinsam mit Dubois erarbeiteten Darstellung so besonders wichtig ist, scheint es fast, das wäre wohl das Nichtgesagte, Nichtdargestellte. Denn die „Grande Dame des afrikanischen Tanzes“ versteht es auch, wunderbar zu schweigen, und das in Würde und in ihrer besonderen Beredtsamkeit. Dabei entwirft sie mit weißer Farbe ein Szenario, das viele Assoziationen zulässt. Ein sehr berührender Abend. Wo der Choreograf im weitesten Sinne ihr viel Raum gegeben hat. Den sie sich wohl auch nicht hätte nehmen lassen. Eben eine Auserwählte!

Von Gabriele Gorgas

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