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Regional Geoff Berner im Dresdner Societaetstheater
Nachrichten Kultur Regional Geoff Berner im Dresdner Societaetstheater
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08:23 05.12.2017
Geoff Berner  Quelle: Pr
Dresden

 Mit seiner ganz speziellen Mischung aus Klezmer und Punk hat er Erfolge gefeiert: Geoff Berner aus der schönsten kanadischen Stadt, dem entspannten Vancouver. Und das war immer ganz und gar authentisch. Berner ist Jude und musste diese, seine kulturelle Haltung aufarbeiten. Aber immer mit den Zutaten, die auch ein Joe Strummer gewählt hätte. Oder ein Jack Kerouac, um mal eben den Bogen zu der Poesie zu schlagen, bei der die Musik nur auf den Buchseiten stattfindet. Schon immer war der heute 46-Jährige Berner dabei auch ein Songschreiber der Extraklasse. Nicht umsonst ist der große Engländer Billy Bragg sein Fan.

Nun ein neuer Weg der künstlerischen Erkundung. Auf seiner aktuellen CD „Canadiana Grotesqusica“ lässt Berner Klezmer und Judentum komplett beiseite und beschäftigt sich ausschließlich mit dem Gegenwarts-Kanada. Der Punk, er schimmert noch immer durch, fein sublimiert wie bei Lou Reed, an den auch Berners Gesang häufig erinnert.

Es mögen vielfach Insiderthemen sein – wer in Mitteleuropa interessiert sich überhaupt für Eishockey, und kennt dann noch die Helden jenes Sports? Aber das ist egal. „Gino Odjick“ funktioniert auch ohne solches Wissen als ordentliche Punk-Attitüde mit schönen Textzeilen: „I’m just fighting to stay in the game“ (Ich kämpfe nur, um im Spiel zu bleiben) – Etwas, was für Künstler in den allermeisten Fällen auch zutrifft.

Auch der Opener dreht sich um einen kanadischen Sportler: „The Ghost of Terry Fox“ soll laut Pressetext eine Hymne auf den großen Leichtathleten sein, der lockere Country-Song wartet jedoch auch mit den Selbstzweifeln des Mannes auf – die sich ebenfalls wieder auf Kreative übertragen lassen: „Standing on the podium anyone could see what a fraud I am“ (Wenn ich auf dem Podium stehe, kann jeder sehen, was für ein Betrüger ich bin“)

Wer des Englischen mächtig ist, ist im Vorteil bei diesem Sänger, der in herrlich klarem Duktus seine Geschichten erzählt – in „Hustle Advisory“ mit witzigen Anekdoten aus einem - seinem? - Lebenslauf aufwartet, bei „Don’t Play Cards For Money With Corby Lund“ Insidergags über die kanadische Country-Ikone aneinanderreiht. Es ist aber kein Muss. Auch wer die Zeilen nicht versteht, kann sich an der großartigen Geige in „The Ghost of Terry Fox“ erfreuen, der Jodeleinlage im Song über Corby Lund, an den die ganze Scheibe durchziehenden, prägnanten Gitarren, am wunderbar besoffenen Shuffle „Phony Drawl“.

So seltsam schon der CD-Titel klingt, er wird getoppt durch „My Heart Is A Piece Of Garbage. Fight Seagulls! Fight!“ Und ausgerechnet dieser Song entpuppt sich als ungemein anrührender Sprechgesang, mächtig-gewaltig!

Sonderklasse, definitiv etwas für Feinschmecker und -hörer, die eine perfekte Mischung aus Text, Musik und Haltung zu schätzen wissen. Live in der Stadt – am 5.Dezember im Societaetstheater. Hingehen!

Geoff Berner, 5. Dezember 20 Uhr, Societaetstheater. Tickets ab 13,20 €

Von Beate Baum

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