Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 3 ° Sprühregen

Navigation:
Google+
Gefängnis Stuttgart-Stammheim soll 2015 abgerissen werden - Eine Ausstellung zeigt Fotografien aus der RAF-Zelle

Gefängnis Stuttgart-Stammheim soll 2015 abgerissen werden - Eine Ausstellung zeigt Fotografien aus der RAF-Zelle

Und auch wieder nicht. Wer sein Theaterstück von vornherein "eine Stückentwicklung" nennt, sichert sich gleich ab gegen Kritik an offenen Enden, langatmigen Passagen, fehlender Spannung.

Voriger Artikel
Ein Gesamtkunstwerk: Derevos "Fünfte Sonne" im Festspielhaus Hellerau in Dresden uraufgeführt
Nächster Artikel
Hamlet und die Wende: Theatrale Subversion präsentierte "1989 [exit ghost]" im Projekttheater Dresden

Lorenz Pilz, Norman Grotegut und Annika Stadler (v. r. n. l.) wirken bei "1989 [exit ghost]" mit.

Quelle: Peter Kreibich

Ambitioniert. Wer im Handzettel schreibt, dass am Ende "auf der Bühne der breite Diskurs einer Generation" steht, der hat das Argument schon vorweggenommen, man hätte genauso gut einem Kneipengespräch am Nachbartisch zuhören können.

Dennoch: Was das Dresdner Theaterkollektiv Theatrale Subversion unter der Regie von Romy Weyrauch da versucht, spricht durchaus an. In der aktuellen Produktion "1989 [exit ghost]", die jetzt ihre Premiere im Projekttheater erlebte, präsentieren sie die Generation der heute Mitte-Zwanzig- bis Mitte-Dreißigjährigen eben gerade nicht als die Konsummenschen, die man häufig wahrnimmt, sondern als überaus kritische Zeitgenossen. Inmitten der von Henrike Terheyden mit großen Wasserkanistern dekorierten Bühne stehen da zwei Frauen und vier Männer und nähern sich an Heiner Müllers "Hamletmaschine" - in der DDR lange Zeit nicht für die Bühne zugelassen, dann, 1989, inmitten der gesellschaftlichen Umbrüche sieben Monate lang geprobt und endlich aufgeführt - ebenso an wie an die reale Wendezeit.

Wobei von Anfang an Rätsel erscheinen, die sich nicht auflösen: Soll die Kombination aus dunklen Kleidungsstücken mit gelben Accessoires (Kostüme ebenfalls Terheyden) für die schwarz-gelbe Regierung des Westens stehen oder für die FDJ? Oder für beides? Warum wird die zweite Heiner-Müller-Figur so lächerlich dargestellt mit einer übergroßen Brille und Rüschenärmeln? Als weltfremder Intellektueller? Der dann dennoch kluge Sachen von sich gibt - die Zuschauer im fast ausverkauften Saal reagieren jedoch fast nur mit Lachen, des Äußeren wegen.

"War die Wiedervereinigung der Anfang vom Ende des Kapitalismus?" So lautet die Grundfrage des Stückes - pardon: der Stückentwicklung. Und: Ist jetzt die Zeit für eine Revolution? Aber: Es wäre eine ohne Alternative. Das wirkt streckenweise naiv, doch an vielen Einwürfen merkt man, dass der Truppe das auch bewusst ist.

Eindringliche Bilder werden durch Sprache - teilweise sehr gekonnt - hervorgerufen: Christa Wolfs Appell vom 9. November, im Land zu bleiben und an einem grundlegenden Wandel mitzuarbeiten; die Szene vorm Dresdner Hauptbahnhof, als die Züge aus Prag durchfuhren. Auch die Schilderungen, wie sie selbst - bzw. ihre Figuren - die Wende erlebt haben, rühren an, wirken unmittelbar. Die Sequenzen, die dagegen Westdeutsche der gleichen Generation charakterisieren sollen, erscheinen eher plump. Im Kontrast angelesen, ausgedacht.

Die immer wiederkehrenden Parts aus Müllers "Hamletmaschine", das Schlüpfen in die Rolle jenes Hamlet, der an den real existierenden Verhältnissen scheitert, sie sind der rote Faden, hier werden auch immer wieder die Verknüpfungen hergestellt: "Ich bin Hamlet, Kind des Wirtschaftswunders". Was jedoch das Stück überlädt, sind die Reflektionen der Schauspieler des Deutschen Theaters während jener endlosen Proben in Berlin. Da wird zum einen bei den Zuschauern zu viel vorausgesetzt - Wissen über Müllers schwieriges Stück als solches, in dem bereits der privilegierte, aber einflusslose Künstler Hamlet an seiner Situation verzweifelt ebenso wie das Erkennen der Parallelen zwischen jenem Inhalt und den Gefühlen der Schauspieler. Zum anderen verfügt die Theatrale Subversion dann eben doch nicht über die schauspielerischen Mittel, diesen Sprung erlebbar zu machen. Der Grundgedanke ist zweifelsohne reizvoll - die Umsetzung fast nur durch Sprache funktioniert nicht. Hier müsste wirklich gespielt werden, um die Konflikte auch sinnlich erfassbar zu machen.

weitere Vorstellungen 22. und 31. Dezember, 1. und 2. Januar, 4.-6. April, 20 Uhr.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.12.2012

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr