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Regional Gebürtige Meißnerin veröffentlicht neuen Krimi „Totenweg“
Nachrichten Kultur Regional Gebürtige Meißnerin veröffentlicht neuen Krimi „Totenweg“
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13:58 11.03.2018
Romy Fölck Quelle: Kerstin Petermann
Dresden

Die Autorin Romy Fölck kennt die Zutaten für einen gelungenen Krimi: Man nehme einen alten, ungelösten Mordfall, ein uneheliches Kind aus einer Affäre, einen rätselhaften Suizid, Todesdrohungen, einen sexuellen Missbrauch, einen Brand sowie eine Entführung und erzeuge dabei die ständige Frage im Hinterkopf, wie all diese Geschehnisse miteinander zusammenhängen. Es ist genau diese Frage und die bemerkenswerten Cliffhanger, die den Leser nicht mehr loslassen und ihn motivieren, den fesselnden Roman „Totenweg“ sprichwörtlich zu verschlingen. Die gebürtige Meißnerin veröffentlichte zuvor unter anderem die Dresden-Krimis „Duell im Schatten“, „Täubchenjagd“ und „Blutspur“. Am 23. Februar erscheint ihr fünfter Roman. Diesmal spielt die Handlung in der Nähe ihrer derzeitigen Wahlheimat Hamburg.

Romy Fölck: Totenweg. Kriminalroman; 412 Seiten, 20 Euro Quelle: Lübbe Verlag

Schon der rasche und brutale Einstieg, der den ersten Mord bereits auf der ersten Buchseite beschreibt, deutet an: Diese Handlung ist starker Tobak. Als 1998 die 14-jährige Marit erwürgt in Deichbrand aufgefunden wird, ist nichts mehr wie früher. Auch 17 Jahre später hat sich das kleine Dorf in der Nähe von Hamburg noch nicht von dem Schock erholt – erst recht nicht, da der Mörder nie gefasst wurde. Als Jahre später Bauer Fridtjof Paulsen nach einem brutalen Angriff ins Koma fällt, kehrt seine Tochter Frida, angehende Ermittlerin an der Polizeiakademie Hamburg, an den Ort zurück, dem sie schon lange aus dem Weg geht. Ihr Wiedersehen mit alten Bekannten wird überschattet von quälenden Erinnerungen und Schuldgefühlen, die an ihr nagen. Ihr bester Freund aus Kindertagen und gleichzeitig ihre alte Flamme ist nun verheiratet und Vater, wird aber erneut zu ihrem wichtigsten Ansprechpartner. Dafür möchte ein anderer sie unbedingt los werden: Überall tauchen auf einmal sonderbare Graffiti auf. Auch ein totes Kaninchen in ihrem Bett, ein Drohanruf sowie der Einbruch und die Brandstiftung auf ihrem Hof machen Frida schwer zu schaffen.

Ermittler Bjarne Haverkorn untersuchte damals Marits Mordfall und widmet sich nun auch den Ermittlungen zum Überfall auf Fridtjof Paulsen. Nach wie vor ist er überzeugt davon, dass Frida – Marits damalig beste Freundin – ihm etwas verschweigt. Der Hamburger Kommissar sieht nun die Gelegenheit, den alten Fall endlich zu lösen. Haverkorn geht Marits Tod aus persönlichen Gründen sehr nahe: er erinnert ihn an ein Trauma, mit dem er noch nicht abschließen kann und das seine Ehe auf eine Zerreißprobe stellt. Die Autorin kreierte hier eine Figur, die dem klassischen „Tatort“-Kommissar nicht ähnlicher sein könnte: Die Projektion der Mordfall-Umstände auf das eigene Leben und private Probleme dienen auch hier als Ansporn der Ermittlungen.

Das verschlafene Bauerndorf wird idyllisch beschrieben, die Nachbarn sind hilfsbereit und halten in schlechten Zeiten zusammen. Doch schnell wird auch klar: In der kleinen Kommune, in der jeder jeden zu kennen scheint, lauern tief verborgene, dunkle Geheimnisse. Durch Intrigen und Verrat wurden viele Familien und Freundschaften zerstört. Hierbei verweist die Autorin auf ein zeitloses Dilemma: Solange jeder Mensch Geheimnisse verschweigt, kann das Puzzle nie vollständig zusammengesetzt werden. Stattdessen agieren die Protagonisten nur auf Grundlage dessen, was ihnen bekannt ist – und ziehen dadurch unnötige Fehlschlüsse. So geht Frida etwa davon aus, dass ihre Eltern sie nach Marits Tod ins Internat verwiesen hätten, um sie loszuwerden. Ein folgenschwerer Irrtum, der die Beziehung zu ihren Eltern bis zu ihrer Rückkehr schwer belastet. Ob von Romy Fölck gewollt oder nicht: Der Roman zieht auch gleichzeitig die Lehre nach sich, an menschlicher Kommunikation zu arbeiten.

Frida lebte auch 17 Jahre lang irrtümlich in dem Glauben, den Mörder ihrer besten Freundin Marit zu kennen. Als sie ab der Mitte des Buches eines Besseren belehrt wird, kann nun auch der Leser erneut miträtseln: Wer ist der wahre Mörder von Marit? Und welcher Dorfbewohner ist der Wolf im Schafspelz? Frida Paulsen und Bjarne Haverkorn ermitteln fortan gemeinsam. Geschickt führt Romy Fölck die Leser dabei einige Male auf die falsche Fährte. War man sich eben noch sicher, den Mörder zu kennen, ändert sich diese Vermutung kurze Zeit später schon wieder. Gegen Ende ist der Generalverdacht so weit gestreut, dass Hauptperson Frida Paulsen irgendwann sogar ihrem geliebten Vater misstraut, nachdem auch seine Geheimnisse ans Licht kommen. Doch wem kann sie jetzt überhaupt noch vertrauen und trifft sie dabei die richtige Entscheidung? Der Leser fiebert unweigerlich bis zu den letzten Seiten des Buches mit.

Perfekt wird dabei der Spannungsbogen so aufgezogen, dass man spätestens bei den letzten 100 Seiten den Blick nicht mehr vom Buch wenden kann und dabei jegliches Zeit- und Raumgefühl ausblendet. Mit immer neuen Handlungswechseln wird die Geschichte gekonnt mitreißend gestaltet. Zum Ende des Buches wird deutlich: Die dramatischen Ereignisse zum Höhepunkt der Handlung wären vermeidbar gewesen, wenn die Dorfbewohner nicht so lange geschwiegen hätten.

Leider greift Autorin Romy Fölck dabei aber auf zahlreiche Hollywoodklischees zurück, die nicht nötig gewesen wären. Der sonst so glaubhafte Krimiroman verliert an Authentizität, wenn man etwa liest, dass ein Kirchenbesucher – wie in einem schlechten Film – während seiner Beichte auf Tonband aufgenommen wird. Der generelle Schreibstil hingegen ist sehr bildhaft. So schreibt Fölck etwa davon, dass Frida die „Wucht dieser Worte schmerzte wie ein Projektil, das sie innerlich zerfetzte“. Weiter spricht sie von einem Täter, der sein Opfer ansieht „wie ein Insekt, das er in einem Glas gefangen hatte, um ihm die Flügel auszureißen.“ Romy Fölcks lebhafte Sprache bewegt den Leser dazu mitzufühlen und macht neugierig auf ihre weiteren Bände der Krimiserie um die beiden Ermittler Frida Paulsen und Bjarne Haverkorn.

Kriminalroman „Totenweg“ von Romy Fölck, ab 23. Februar 2018 als Hardcover, Ebook und Hörspiel erhältlich, Verlag Bastei Lübbe, 410 Seiten, 20 Euro.

Autorenlesung auf der Leipziger Buchmesse bei der Kriminacht am 16. März, 19 Uhr am Petersteinweg 19

Von Katharina Jakob

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