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Gaynial: "Meine Braut, sein Vater und ich" als deutsche Erstaufführung in der Dresdner Comödie

Gaynial: "Meine Braut, sein Vater und ich" als deutsche Erstaufführung in der Dresdner Comödie

In der herrlichen Filmkomödie "Notting Hill" hat es Hugh Grant nicht leicht mit seinem walisischen Mitbewohner namens Spike, der dermaßen dämlich ist, dass man sich unwillkürlich fragt: "Hey, Hugh, warum wirfst du ihn nicht einfach aus der Wohnung, dann hast du wenigstens eine Baustelle im Leben weniger?" In der Komödie "Meine Braut, sein Vater und ich", die in der Comödie Dresden ihre deutsche Erstaufführung erlebte, hat der Frauenheld und eingefleischte Junggeselle Henri (Sebastian König) ebenfalls Probleme mit einem Mitbewohner.

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Peter Mohr (li.) und Sebastian König (re.) ziehen alle Register, damit Tim Sander als Dodo sich breitschlagen lässt, einen Mann zu heiraten.

Quelle: Robert Jentzsch

Rauswerfen kann er den Chaoten Dominique (Tim Sander), dieses allseits Dodo genannte Kind im Körper eines Mannes, allerdings nicht. Er ist mit ihm verheiratet. Henri ist mit ihm - es war die Idee des gemeinsamen Freundes Norbert (Peter Mohr) - eine Scheinehe eingegangen. Warum? Nun, um an eine Million Euro zu kommen, die ihm eine "bigotte Pute" von Tante vererbt hat, aber eben unter der Bedingung, dass es ein Ende hat mit Henris Frauen verschleißendem Lotterleben. Und da Henri keine Ex hat, die ihn in guter Erinnerung hätte, musste Dodo herhalten. Ist ja nur für ein Jahr. Und weiß ja sonst keiner.

Wissen aber bald alle. Denn da ist eben Dodo. Seinetwegen und aufgrund einer kurzen Notiz in dem einschlägigen Magazin "Gaynial" gerät Henris Leben völlig aus der Bahn, verstrickt er sich in immer neuen Lügen, sowohl gegenüber seinem Vater Edmond (Max Schautzer) als auch der gutgebauten wie auch sonst aparten Elsa (Kathrin Osterode). Die nun glaubt, Henri würde mit seinem geistig behinderten Bruder zusammenleben, weshalb Dodo, um die Chose zu retten, sich entsprechend kindisch benimmt, und zwar so überzeugend, dass ihn Elsa vor Angriffen Henris in Schutz nimmt. Die (Homo-)Scheinehe zweier Heteros wird zum Albtraum, so rosarot wie die Hemden, die Dodo versehentlich von weiß auf rosa umgefärbt hat. Und das Problem bei einer Scheinehe ist, dass "man sich nach einem heftigen Streit nicht wieder im Bett versöhnen kann", wie Mohr alias Norbert so treffend bemerkt.

Verfasst haben das Werk zwei Franzosen: Gérard Bitton und Michel Munz. Es ist ihr erstes Bühnenwerk, und man kann nur hoffen, dass sie noch viele weitere folgen lassen. "Le Gai Mariage", wie das Stück im Original heißt, ist ein Angriff auf die Lachmuskeln, wie man ihn sich nicht besser wünschen kann. Da haben sich die Comödie-Betreiber ein ausgesprochen hinreißendes Werk für ihr Haus gesichert. Ja, zugegeben, "Le Gai Mariage" steckt voller Tunten-Klischees, letztlich führt das Spiel mit Sitten- und Moralvorstellungen diese aber durchaus ad absurdum, wie einst "La Cage aux Folles" (Ein Käfig voller Narren). Natürlich sind die Typen überzeichnet, das hat das Genre Komödie so an sich.

Christian Kühn, der künstlerische Leiter der Comödie, hat jedenfalls einmal mehr bewiesen, dass er zwei Regiehändchen hat, die wissen, was sie tun. Nur ein oder zweimal fragt man sich, ob weniger mehr gewesen wäre, dem Affen in der einen oder anderen Szene eine Überdosis Zucker verabreicht wurde. Aber das ist Beckmesserei, Kühn und den durch die Bank weg famos aufspielenden Akteuren (naja, König und Sander ragen noch einen Tick heraus) kann man für diese famose Leistung nur Respekt zollen. Wenn Dodo Möbel- wie Wäschestücke einer Pflegebehandlung unterzieht, wie sie ekliger kaum sein könnte, dann bleibt im Saal kein Auge trocken, ebenso wenn er im Schweinchen-Kostüm die Sau rauslässt. Warum er in einem solchen steckt? Ach, sehen Sie selbst.

Christian Ruf

Nächste Vorstellungen: Di bis Sa, jeweils 19.30 Uhr, So 18 Uhr

Karten: Tel. 0351/86 64 10

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.10.2012

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