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Regional Ganz viel Liebe im Alten Schlachthof
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17:15 23.09.2018
Brachte die Liebe mit: Katrin Bauerfeind. Quelle: Anja Schneider
Dresden

„Und ich düse düse düse düse im Sauseschritt / Und bring die Liebe mit / Von meinem Himmelsritt / Denn die Liebe Liebe Liebe Liebe, die macht viel Spaß / Viel mehr Spaß / Als irgendwas“, heißt es im Lied „Codo … düse im Sauseschritt“, mit dem die Band Deutsch-Österreichisches Feingefühl 1983 auf der Neuen Deutschen Welle erfolgreich surfte. Nun sei ja leider so viel Hass in der Welt, konstatierte am Sonnabend Katrin Bauerfeind im Alten Schlachthof, wohin sie gekommen war, um Dresden Liebe zu bringen. Denn eines ist Fakt: „Hass macht hässlich“, also gib ihm keine Chance.

Zunächst ließ Bauerfeind, die im Fernsehen nicht nur alles an- und wegmoderiert, was sich ihr in den Weg stellt, sondern auch Bücher mit unterhaltsamen Kurzgeschichten übers Leben im Allgemeinen und das einer Frau im Speziellen zu schreiben vermag, im Rahmen ihres „Liebe: Die Tour zum Gefühl“ betitelten Programms tief in ihr schwäbisches Herz blicken, ohne aber nu glei schwäbisch zu schwätza. Der Schwabe, räumt Bauerfeind ein, tut sich schon vom Naturell her schwer, Liebe zu zeigen. Den Satz „Ich hab Dich lieb“ würde ihre Oma nie und nimmer über die Lippen bringen, sie zeige ihre Liebe beim Kochen. Oder beim Backen. Aber mit zwölf Jahren, da kam „der Markus“, da wusste Bauerfeind plötzlich, was Liebe ist. Verschwitzte Hände. Herzklopfen. Und als es mit Markus aus war, war sie durch damit. Aber wie das Leben so spielt – die Achterbahnfahrt in der Liebe ging weiter. Doch egal, was das Leben sonst so an Eindrücken bot, die erste Liebe vergaß Bauerfeind nie, ganz im Gegensatz zur binomischen Formel und vielen anderen Dingen, mit der man sie in der Schule auf den Ernst des Lebens vorzubereiten gedachte.

Der Abend lebt nicht von zotigen Witzen, wie sie etwa ein Mario Barth in Bezug auf Frauen und Männer so in petto hat und die Bauerfeind durchaus auch beherrscht, sondern eher von Geschichten mit nicht selten nachdenklichem und tiefgründigem Hintergrund, die gekonnt vorgetragen werden. Mal schildert sie Erlebnisse in Zügen, diesen „Klappsen auf Rädern“, mal wie sie einen Zettel hinter dem Scheibenwischer ihres Autos fand, als sie mal nicht ganz vorschriftsmäßig parkte – „wahrscheinlich von einem Lehrer oder sonst wie sozial nicht kompatiblen Typen“. Sie lässt die Zuhörer sogar wissen, was für ein Gefühl das war, als sie, die nun über 30 ist, beim Schminken feststellte, wie viel Gesicht sie doch hat. Manchmal vergaloppiert sie sich auch: Dass der Satz „Da kriegst Du nie Parkplatz!“ grammatikalisch „nicht ganz“ korrekt ist, merkt sie durchaus selbst, der Kommentar „Geiles Deutsch“ ist jedenfalls eindeutig (selbst-)ironisch gemeint.

Katrin Bauerfeind im Alten Schlachthof. Foto: Anja Schneider

Wie stellt man es nun an, die Welt liebevoller zu machen? Ein Vorschlag Bauerfeinds: Ein „Barbara Schöneberger-Lächeln für jeden fünften Spacken, der vorbeikommt“. Aber es fällt halt schwer, mitunter hätte sie ganz gern „eine Rückspultaste fürs Leben“, schon kurz nach der Jugend stellte sich das Gefühl ein, dass „das richtige Leben vorbei ist, jetzt kommt nur noch Abspann“. Die ultimative Herausforderung, die sie als Single hat, ist, als solcher auf einem Pärchen-Abend zu bestehen.

Hier wird es tagespolitisch aktuell, mal platt, bei einer Nummer aber auch grandios. Bauerfeind hält jene Ansprache, die Merkel leider nie gehalten hat. Bauerfeind hält quasi eine Lobrede auf die Bundesrepublik, in der Verdrossenheit zum Nationalsport geworden ist. Ja, sie wisse, dass nicht nur Hochbegabte als Flüchtlinge ins Land kämen, aber trotzdem. Wer glaube, ständig über alles und jeden meckern zu müssen, der möge doch mal vier Wochen ganz woanders leben, und zwar leben, nicht als Tourist herumreisen. Der werde dann schon merken, wie gut es hier uns alles in allem doch geht. Über vieles in dieser Rede könnte man diskutieren, aber ihr Grundtenor stimmt.

Am Ende des Abends schwebte das Publikum, in dem die Frauen deutlich die Mehrheit bildeten, auf Wolke sieben und begleitet vom Beatles-Song „All You Need Is Love“ nach Hause. Mission accomplished, Mission erfüllt: Bauernfeind hatte Liebe nach Dresden gebracht.

Von Christian Ruf

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