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19:16 10.07.2018
Auch Klatsch + Muff (Julia Schleißner und Nora Otte) sind Teil des Schaubudensommers. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Man kann es so schreiben, als ob es für die unbedarften Straßenbahnleser, die statt ordentlichem Zeitungskonsum lieber dem Deckenbildschirmgucken frönen, wäre: „Der 21. Dresdner Schaubudensommer rings um das Kulturzentrum Scheune in der Dresdner Neustadt öffnet am Donnerstagabend seine Pforten und bietet an elf Abenden bis zum 22. Juli lang das bunte Flair von Artistik, Theater über Tanz und Illusion bis hin zu skurriler Kleinkunst. Über 70 internationale Künstler in 37 Formationen sind zu Gast, an jedem Abend sind zwölf bis 15 Shows zu erleben, bis zu vier davon sind zeit- und persönlich zu schaffen.“ Oder man zitiert lieber den unverbesserbaren Duktus der Schaubudensommermacher von ihrem 10-Meter-Turm, „bereit mit vierfachem Doppelsalto dem Sommer die Krone aufzusetzen und mit Furore dem Theater, dem Tanz, der Kunst und dem Skurrilen Raum zu schenken.“ Ein „Kosmos aus großer Kleinkunst“ stünde bereit für „die große Chance, sich in neue Menschen zu verlieben und schwebend den Platz zu verlassen“.

Was will man dem ernsthaft hinzufügen? Außer, dass das Gelände – hintenrum um den baustellenartigen Schulhof beraubt – etwas kleiner und dichter wird, dass bei 1200 Menschen auf dem Gelände ein Einlassstopp einsetzt und demzufolge zur Schlangenbildung bis zum Rondell der Befreiung sorgen dürfte.

So bringt Georg Traber, der Messerwurfmaschinenkonstrukteur mit Schweizer Präzision, für „Till trifft“ sein eigenes „Tollhaus“ mit. Und hinten, hinter „The Big Hole“, wartet das „EmpØrium“ als einer den neuen Spielorte.

Das Programm bietet für den Kenner neben den Exoten auch etliche Lokal- als Kerngrößen – so wie die Juwie Dance Company (mit „Rumichaca Vol. 2“), aber auch The Guts Company (mit individuellem Bewegungsraum namens „Unit“ und eingebildetem Honig bis zum Knie im Container), dazu Derevo, die sich im Graffiti Rondelli, der neuen Freiluft-Spielfläche hinter Katy‘s Garage, „Dem Himmel ein Stück näher“ fühlen.

Für fremde Freaks wichtig zu wissen: Es gibt neben den fünf allabendlichen Dauergästen – wie Tarotmeisterin Yvonne Burmann oder Muriel y César mit ihrem Schwarzlichttheater „Scheu-Schein-Chao“ – im Prinzip drei Etappen als Phasen der Bespielung der einzelnen Orte. Diese aber mit jeweils etlichen Höhepunkten: Vom Start bis Sonntag (12. bis 15. Juli) gastieren zum Beispiel Aaron Dewitz als „Herr Kasimir“ als rasender Jongleur im großen roten Zelt, während Dado aus Kanada per „Mon Oncle le Bossu“ im neuen „Salon de Husch“ – dem WM-Final-Zelt im Kneipenbereich – musikalisches Clownskabarett anbietet.

Vom Montag- bis Mittwoch- oder gar Donnerstagabend wirkt Phase zwei: Da gehört der Saal der Echse mit Michael Hatzius im Gepäck, während Paul Currie aus Belfast, angekündigt als bärtiger Turboclown, durchs große blaue Zelt braust. Auch zwei persönliche Favoriten fallen in diesen Zeitraum: Direktor Helmut Raeder freut sich auf Manaña – chilenische Strickartisten, die nur am 18. und 19. Juli als Hauptshow den großen Saal erobern, während Co-Kuratorin Dana Bondartschuk auf The Equipment, also zwei „androgyne Toyboys“, die angeblich Jahre lang so sehr auf Tour waren und daher keine Zeit für Dresden hatten, als Publikumsliebling setzt. Auch ihr Kollege Robert Lewetzky und Produktionsleiterin Judith Hellmann freuen sich auf Tanz: Er auf die international gemixte The Young Boy Dancing Group, sie auf Joshua Monten aus der Schweiz.

Anna Mateur. Quelle: David Campesino

Das Abschlusswochenende vom 20. bis 22. Juli steht wieder unter der Ägide der ungekrönten Schirmherrin namens Anna Mateur, die damals beim Start anno 1998 als Quasi-Mitgründerin noch mit dem Statt-Theater Fassungslos im kleinsten Raum auftrat, aber nun zum Abschluss mit The Ringtones (mit Rany Dabbagh an Keyboard und Gitarre und Jim Withing am Sax) per „Piepshow“ den großen Saal rocken wird. Der Autor empfiehlt dazu noch den Niederländer Jaap Slagman zum Schluss- und den Israeli Ariel Doron zum Startwochenende.

Am Ende wieder ein kleiner, reiner Ausflug ins formale Reich der Fakten: Der Einlass auf den Festivalplatz hinter der Scheune beginnt täglich 18.30 Uhr, kurz nach Mitternacht wartet im Festivalclub jeweils eine Band als zusätzliche Freeshow. Der Eintritt ins zirzensisch dekorierte Gelände kostet wie im Vorjahr für Erwachsene moderate drei Euro, die einzelnen Shows fünf, die Dreierkarte zwölf Euro. Am Sonntag (15. Juli) lockt ab 15 Uhr die Familienschaubude. Dort wird das ermäßigte Ticket, das zwei Euro kostet, dann schon ab zwei Jahre Alter (und je bis zwölf) gültig.

Zum Familiensonntag gehören auch das WM-Finale im „Salon de Husch“ plus echte Esel aus dem Nest. Und allein die Bands – von Björn Reinemer ebenso so dynamisch und sorgfältig ausgewählt wie deren Vorprogramm – wären allabendlich einen eigenen Besuch wert, der in den frühesten Morgenstunden eskaliert: Marmitiko mit HipHop-Rumba aus Südamerika (14. Juli), The Dizzy Brains mit Garagenpunk aus Madagaskar (16. Juli) und Panivalkova als echte Folk-Ukrainiens (19. Juli) sind neben den psychedelischen Skapunkern von Ampersan aus Mexiko (20. Juli) sowie Dr. Krapula aus Kolumbien (22. Juli) die Perlen für eine rasche Weltreise im Dresdner Neustadttanzkreis.

www.schaubudensommer.de

Von Andreas Herrmann

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