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Regional Ganz eigene Lesarten: Marek Janowski dirigierte im Hygienemuseum
Nachrichten Kultur Regional Ganz eigene Lesarten: Marek Janowski dirigierte im Hygienemuseum
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17:23 09.09.2015

Denn bei Janowski darf man stets etwas musikalisch Extravagantes erwarten. Nicht anders war es auch an diesem Abend im Hygienemuseum, wenngleich man die musikalischen Lesarten des Programms nicht vorbehaltlos teilen musste.

So fand Janowski in Antonín Dvoráks bestens geläufiger Serenade E-Dur op. 22 weit mehr oder auch ganz anderes, als Abendunterhaltung. Die feine, detailreiche Zeichnung des ersten Satzes hob noch am stärksten den luftigen, atmenden Tonfall hervor, der dieses Werk trägt. Dagegen aber wurden starke, fast harte Kontraste gesetzt, mit denen Janowski alles Wohlige in Zweifel zog. Besonders deutlich war dies im furios, wie hingeworfen gespielten Scherzo, und selbst noch der langsame Satz hatte bei aller Sanglichkeit einen herben Zug. Passend bekam das Finale stärkstes Leben, und doch fehlte in der Summe etwas von der dieser Serenade eigenen Atmosphäre.

Dem Gegenpol im ersten Teil des Abends, Paul Hindemiths Konzert für Trompete und Fagott mit Streichorchester von 1949, hätte ein entsprechender Ton zuvor eine andere Wirkung gegeben. Denn das nicht wenig augenzwinkernde Konzertstück wirkte im Gestus nun fast "romantischer" als Dvorák. Bei ganz wenigen Abstrichen in der Korrespondenz während des ersten Satzes boten die beiden Solisten, Christian Höcherl (Trompete) und Daniel Bäz (Fagott), in großartig freiem Spiel die exzentrisch dramatisierten und bisweilen verspielten Ideen der Ecksätze, nicht weniger auch den Ernst des zweiten Satzes, sehr bemerkenswert dar. In den präzise und klanglich außerordentlich farbig spielenden Streichern des Philharmonischen Kammerorchesters hatten die beiden sonst als Solobläser der Philharmonie tätigen Musiker mehr als nur eine Begleitung. Der Witz des letzten Satzes kam so ideal zur Geltung.

Weniger eindeutig fiel hingegen die Deutung von Beethovens Streichquartett Nr. 16 F-Dur in Marek Janowskis Fassung für Streichorchester aus. Zumindest für die beiden ersten Sätze, die unmittelbar auf das intensive Miteinander, auf das Aufeinanderhören der Quartettbesetzung angewiesen wären, funktionierte die Orchestrierung inhaltlich nicht recht. Denn bei aller Disziplin in Janowskis Vermittlung mussten die Musiker innerhalb der Instrumentengruppen aufeinander hören, was die Sprache des Stückes zerfaserte. Eine bemerkenswerte klangliche Wirkung ergab sich im langsamen Satz, der fast den Zug Mahlerscher Scheinidyllen bekam, die stets schroff gebrochen werden. Nur fehlt bei Beethoven dieser inhaltliche Abgrund. Am schlüssigsten in dieser orchestralen Lesart trat der Gehalt des Finales zutage, denn hier potenzierte sich der erzählende Gestus im "Programm" des "schwer gefassten Entschlusses" mit der verstärkten Besetzung. Es blieb also ein durchaus kontroverses Konzert, das unbedingt und bis zum letzten Ton zu konzentriertem Hören zwang.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 09.02.2015

Hartmut Schütz

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