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Regional Galerie Himmel zeigt sehenswerte Ausstellung
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05:00 04.08.2017
Annedore Dietze: Letztes Aufgebot, 2011, Öl auf Leinwand. Quelle: galerie
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Dresden

Diesmal lädt die Galerie Himmel zu einer sehenswerten thematischen Schau, ergänzt von einer Kabinett-Ausstellung zum selben Thema: „Schädel Kopf Mensch“ heißt es auf der Einladung. Zu sehen sind Werke von Annedore Dietze (geb, 1972), Heinz Drache (1929 – 1989), Hubertus Giebe (geb. 1953), Johannes Heisig (geb. 1953), Frank Maasdorf (geb. 1950), Peter Makolies (geb. 1936), Stefan Plenkers (1945), Tanja Pohl (geb. 1985) und Trak Wendisch (1958). Begleitet werden sie von „Köpfen“ Max Uhligs (geb, 1937), der 2017 seinen 80. Geburtstag beging.

Ging es in früher Zeit eher darum, sich überhaupt über die Rolle des Kopfes klar zu werden, war den Künstlern neuerer Zeit mittlerweile bekannt, dass Denken, aber auch Fühlen hier, vermittelt über die Reflexion der Außenwelt, ihren Ausgangspunkt haben, ebenso wie das Handeln der Menschen über den Kopf gesteuert wird, mal mit mehr, mal mit weniger Ratio besetzt.

Zunehmend, besonders in der Moderne, geht es bei Darstellungen des Kopfes weniger um das äußere Erscheinungsbild, einschließlich der Darstellung von Jugend und Alter, idealer Schönheit, manchmal auch von Hässlichkeit, sondern um die im Gesicht ablesbare individuelle Charakteristik und auch die innere Befindlichkeit. Euphorie wie Ängste und seelische (aber auch materielle) Not, Unbeschwertheit oder Trauer, Offenheit oder In-sich-Gekehrtheit, auch Unsicherheit – dies und anderes spiegelt sich in Darstellungen; nicht zuletzt in den als Selbstbefragung geltenden Selbstporträts. Dabei entstanden wohl zu allen Zeiten Werke, die herausragen aus ihrer Zeit – so etwa Dürers Bildnis seiner Mutter. Man könnte aber auch an die von Picasso geschaffenen Bilder von Dora Maar denken, dessen letztes nur noch eine graue Figuration ist, die alles über eine Beziehung auf dem Tiefpunkt sagt.

Bei Himmel nun findet man Werke von Bildhauern und Malern unterschiedlicher Altersgruppen und Herangehensweisen. Schonungslos auf ihre Art sind die Schädel/Köpfe von Hubertus Giebe, Johannes Heisig und – knapp 20 Jahre jünger – Annedore Dietze. Giebes in sich aufgewühlte Schädel („Großer Schädel“, 1995/96) sind von innerer, aufgewühlter Expressivität, die förmlich nach außen zur Explosion drängt, während aus dem nicht weniger expressiv gemalten „Kopf des Denkers“ (1991/2011) die gedankliche Kraft als weißer Rauch zu entweichen scheint. Schonungslos zeigt sich auch die dunkel-expressive, farblich fein nuancierte Darstellung von Annedore Dietze, deren Bilder „Kopf“ (1999) und „Letztes Aufgebot“ (2011) teils ihren Studien im Boxermilieu zu verdanken sind und den Kopf – eher Schädel – als durchaus auch physisch verletzlich erscheinen lassen. Auf andere Art schonungslos ist Johannes Heisig mit seinen übermalten Lithographien, denen wohl ein Selbstporträt zugrunde liegt, welches aber – als Ergebnis der Selbstbefragung – teils im Dunkel der Unkenntlichkeit verschwindet. Diese „Nachtköpfe“ sind teils Ergebnis von Überarbeitungen 2016 und 2017.

Fast in Auflösung begriffen scheinen wiederum die späten, 1988, kurz vor seinem Tod entstandenen „Köpfe“ von Heinz Drache. Besonders gilt dies für „Kopf eines Mannes I“, aber auch die „Nervenbahnungen“. Und „Der weise Alte“ scheint mit schon wässrigem Blick wie aus weiter Ferne auf den Betrachter zu blicken. Malerisch eher zeichenhaft geben sich die Arbeiten von Stefan Plenkers, der 1990 – es war nach einem schweren Unfall – in „Das fremde Gesicht“ schaute, das im Bildraum zeichnerisch angedeutet ist. Auch die jüngste unter den Beteiligten, Tanja Pohl, gestaltet eindrucksvolle, dunkel-farbstarke Köpfe (Rosamunde, 2013, Alice, 2015) nahe an der Zeichenhaftigkeit, was sich auch in der Grafik „Getäuscht“ (2015) bestätigt. Empfindungen und Befindlichkeiten drücken sich über Augen und Mundpartie, aber auch die Farbe aus, während in der Grafik massierte dunkle Formen an die Stelle der Farbe treten.

Eine wunderbare, unverzichtbare Bereicherung der Schau sind die Skulpturen. Von einer nahezu klassischen Klarheit zeigen sich die drei Köpfe Frank Maasdorfs, die – jeweils von unterschiedlicher Materialität (Holz, Sandstein, Bronze) – das menschliche Antlitz (weiblich, männlich) in einer ruhigen, friedlichen Schönheit erfassen. Nicht allzu weit entfernt in seiner künstlerischen Auffassung dürfte Maasdorf von Peter Makolies, dem Älteren, sein. Der fand in jüngerer Zeit immer wieder Steine, teils Feldsteine, die ihm durch ihre Form zur Vorgabe wurden. Daraus gestaltete er immer wieder Köpfe, die in ihrer Grundauffassung durchaus den archaisch anmutenden Arbeiten der frühen 60er Jahre nahestehen, nur dass der Künstler in die dem Stein nun abgerungenen Gesichter eine Stimmung, ein Befinden eingemeißelt hat – so beim „Roten Kopf“ (2012), während der „Feldstein“ von 2014 einer Totenmaske gleicht und die Vergänglichkeit heraufbeschwört. Schließlich muss hier noch von Trak Wendisch die Rede sein, der auch als Maler bekannt ist. Er hat in den 1990er Jahren mehrere „Doppelköpfe“ (1997) geschaffen, die das Thema der Janusköpfigkeit heraufbeschwören, das ja durchaus eine aktuelle Frage ist.

Diese kleine Ausstellung wirkt, indem sie qualitätvolle und zugleich interessante Positionen in erstaunlicher Vielfalt und jenseits des Konventionellen zusammenführt. Zu sehen ist auch, wie Künstler zum gleichen Thema nach unterschiedlichem Ausdruck suchen – etwa Hubertus Giebe und Trak Wendisch, die beide Arbeiten unter dem Motto „Kopf und Fuß“ zeigen.

bis 12. August, Mo–Fr 10 bis 19, Sa 10–16 Uhr

www.galerie-himmel.de

Von Lisa Werner-Art

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