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Fünf Jahre „go plastic“ in Dresden

Starke Frauen, starker Tanz Fünf Jahre „go plastic“ in Dresden

Gesucht haben sie sich nicht, aber gefunden schon, die in Dresden an der Palucca Hochschule ausgebildete Tänzerin und Choreografin Cindy Hammer und Susan Schubert, die an der Freien Universität in Berlin ihr Masterstudium in den Fächern Tanztheorie und Tanzwissenschaft absolviert hatte und nach Dresden kam.

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Quelle: Cindy Hammer (l.) und ) Susan Schubert ergänzen sich in ihrer Arbeit. Seit fünf Jahren stehen sie hinter go plastic.

Dresden. Gesucht haben sie sich nicht, aber gefunden schon, die in Dresden an der Palucca Hochschule ausgebildete Tänzerin und Choreografin Cindy Hammer und Susan Schubert, die an der Freien Universität in Berlin ihr Masterstudium in den Fächern Tanztheorie und Tanzwissenschaft absolviert hatte und nach Dresden kam.

Bei der ersten gemeinsamen Bühnenproduktion vor fünf Jahren gab es diesen „zündenden Moment“. Sie wussten, „wir können miteinander“, wir ergänzen uns, wenn es darum geht, im Tanz mit seinen vielen Facetten, vor allem aber auch immer im Dialog mit anderen Künsten, „unsere Ideen plastisch werden zu lassen“, daher auch der Name go plastic.

Und wie sie es verstanden, dass eine Idee nur dann trägt, wenn sie so viel Potenzial hat, auch immer in neuen Varianten „plastisch“ zu werden, das zeigten sie gleich in der am Ende auf vier Varianten angelegten Produktion „Alice“. Zunächst mit einem Solo, dann im Duo, im Trio und schließlich im Quartett, machten sie sich auf den Weg und waren nicht nur in Dresden, „Mit Alice in den Städten“. Seit 2014 brachten Cindy Hammer und Susan Schubert in wechselnden Besetzungen der Compagnie pro Jahr eine große Produktion heraus.

So wie man schon mit den vier Stationen der „Alice“ bewusst versuchte, einer Grundthematik unterschiedliche Aspekte abzugewinnen, was auch gelungen ist, so zuletzt jetzt mit einer Trilogie, die sich verschiedenen Filmgenres widmet. Dies aber nicht, und darauf legen die beiden Künstlerinnen Wert, weil so etwas gerade in Mode ist, sondern weil es diese Sujets ihnen möglich machen, gemeinsam mit den Künstlern, mit denen sie jeweils zusammen ein Stück entwickeln, etwas von dem zur Sprache zu bringen, was sie gerade bewegt.

Auf die Beschäftigung mit dem vielfältigen Genre des Krimis folgte mit „go west“ – erstmals im großen Saal des Festspielhauses Hellerau – eine so heitere wie hintersinnige Beschäftigung mit den Bildern, die man von Männern hat, in denen sie sich sehen müssen oder unter denen sie leiden. Diese Beschäftigung mit Filmsujets fand ihren Abschluss, der zu einem Höhepunkt wurde, mit „clean me“. Eine fiktionale Reise in die Zukunft mit Helden, Nerds, Erlösern oder Amazonen, nicht zu vergessen die Frau im Mond. Gewinner dieser angstfreien Reise in die unbestimmte Zukunft ist das erstmals räumlich mit einbezogene Publikum.

Im Hinblick auf die Resonanz dieser Arbeiten in Dresden können Cindy Hammer und Susan Schubert darauf verweisen, dass eben ein langer Atem nötig ist. Den Atem haben sie und es wäre ja auch unsinnig, nicht zu sagen, dass sie erfolgreich sind und inzwischen nicht nur hier ein ansehnliches Stammpublikum haben.

Sie wollen mit ihren Produktionen, denen es – was ja im freien Tanz eher eine Seltenheit ist – auch nicht an Humor und skurrilem Hintersinn mangelt, auf keinen Fall Kunst für Auserwählte machen. Sie sind davon überzeugt, dass ihre Aufführungen auch etwas widerspiegeln vom Prozess der Entstehung, einem Privileg der Freiheit. Je mehr die beteiligten Protagonisten, ob sie sich am Ende auf der Bühne bewegen oder dahinter und an den Pulten dafür sorgen, dass die Bewegung im rechten Licht beim besten Sound vonstatten gehen kann, zuvor selbst einbringen, desto größer sind am Ende auch die Chancen, die gänzlich unterschiedlich motivierten Zuschauer zu erreichen.

Und in diesen lustvollen Arbeitsprozessen ergänzen sich die beiden Frauen. Während Cindy vornehmlich die choreografischen und szenischen Arbeiten übernimmt, kann es sein, dass Susan lange Zeit still beobachtet, dass sie zunächst nur im eigenen Kopf die Bewegungen zulässt, um sich dann im Dialog mit ihrer Kollegin und im abschließenden kreativen Prozess mit der ganzen Compagnie einzubringen.

So soll es weitergehen. Und auch mit dem, was typisch ist für die Arbeit, die Zusammenarbeit mit Tänzern, die aus sehr unterschiedlichen Kontexten ihrer künstlerischen Arbeit und damit verbundener Ansprüche kommen. So wie Cindy Hammer als Tänzerin bereits in einem Programm junger Choreografen des Semperoper Balletts mitwirkte, so konnten jetzt Mitglieder dieser renommierten Kompanie für Produktionen von go plastic gewonnen werden. Und sie kommen gern, sie bringen sich ein, sie erkunden neue Möglichkeiten im Dialog mit Kollegen aus der freien Tanz- und Kunstszene, die nicht nur aus Dresden kommen.

Der Weitblick ist wichtig, dazu gehören Gastspiele und Kooperationen, wie etwa beim letzten Teil von „Alice“ mit dem Lofft in Leipzig. Für Dirk Förster, den künstlerischen Leiter und Geschäftsführer des Lofft, gehört go plastic zu den Hoffnungsträgern in der Tanzszene Sachsens. Für ihn birgt, „der interdisziplinäre Ansatz der Compagnie ein außergewöhnliches Potenzial“.

Mit großem Lob im Gepäck kamen sie auch schon 2014 vom Regensburger internationalen Schleudertraum-Festival zurück. Die Kuratorin des Festivals, Alexandra Karabelas, war begeistert von diesen „Tanzproduktionen mit Eigensinn“ und bescheinigte den Dresdnern „Schrägheit von hoher Qualität“. So ist mit Begriffen wie Eigensinn, Schrägheit oder auch mit den aufblitzenden Traditionen der Kunst der Groteske, gerade im Tanz, gut beschrieben, was das Besondere der Dresdner Compagnie ausmacht.

Das wiederum lässt sich nur erreichen, wenn man den Blick immer wieder in die Ferne richtet, sei es durch Gastspiele, auf Festivals oder bei Residenzen, wie im letzten Jahr im italienischen Turin und im englischen Skipton. Ein Stipendium der Palucca Schule hatte Cindy Hammer einen Studienaufenthalt in North Carolina und New York ermöglicht, hier konnte sie sogar in Aufführungen beim Joyce Theatre tanzen in „Various Stages of Drowning: A Cabaret“ von Rosie Herrera. So fällt dieser Rückblick anlässlich des Jubiläums auch sehr dankbar aus. Es ist nicht möglich, alle zu nennen, denen go plastic dankbar ist für ganz unterschiedliche Arten der Förderung, der Begleitung, der Kritik und der Ermutigung.

Kein Stillstand also. Mit fünf Jahren ist man noch nicht groß, aber Stillstehen fällt garantiert nicht leicht. Der Tanz geht also weiter. In diesem Jahr soll es vornehmlich darum gehen, das inzwischen beachtliche Repertoire lebendig zu halten, Wiederaufnahmen, Neueinstudierungen, was ja am Ende eben doch bedeutet, dass man die Arbeiten im neuen Licht sehen wird.

Aktuell wird der Beitrag für die 6. Dresdner Lange Nacht der Theater, am 1. April, in Hellerau vorbereitet. Und hier möchten Cindy Hammer und Susan Schubert dann auch 2018 ihre nächste neue Arbeit präsentieren, das müsste doch möglich sein, möchte man meinen, denn das letzte Wort anlässlich des fünfjährigen Jubiläums von go plastic hat Dieter Jaenicke, Intendant in Hellerau, dem Europäischen Zentrum der Künste in Dresden: „Cindy Hammer ist sicher eines der auffälligsten Talente in der Freien Tanzszene Dresdens. Sie geht mit ihren Choreografien einen sehr eigenen und eigenständigen Weg. Deshalb haben wir sie auch als erste Choreografin aus Dresden mit ihrer Compagnie go plastic als ’assoziierte Künstlerin’ für Hellerau ausgewählt. Damit gewinnt sie wesentlich bessere Produktionsbedingungen und die Einbindung in unser Haus und seine Netzwerke, die für ihre künstlerische Entwicklung wichtig sind.“

www.goplasticcompany.com

Von Boris Gruhl

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