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Regional Freiräume für Kreative: Dresdner suchen bei Löbtau-Spaziergang Ideen für Kunstprojekt
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18:05 09.09.2015
Bei Spaziergängen wollen Anwohner und Kreative ein Kunstprojekt vorbereiten. Quelle: Tanja Tröger
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Die Erkundungstour soll Vorarbeit für das Kunstfestival „Sichtbetong-Camp“ leisten, das vom 2. bis 9. September stattfinden wird. Dabei werden zahlreiche deutsche und europäische Kreative zusammenkommen, um das heruntergekommene Areal mit Installationen und anderen Kunstwerken zu beleben. Die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen fördert das Projekt zwischen Drewag-Kraftwerk und der großen Brache an der Freiberger Straße.

„Das ist ein abgehängter Stadtteil, ein altes Arbeiterviertel“, so Mitorganisator Felix Liebig. „Es hat so einen improvisierten Charakter, ist noch nicht fertig saniert und bietet noch Nischen.“ Ein Kunstfestival könne einen Beitrag dazu leisten, die Wahrnehmung des Areals zu verändern, an die sich die Leute längst gewöhnt haben, und die Dresdner zum Selbermachen zu animieren.

Ziel des Spaziergangs am Sonnabend ist es laut Liebig, das Gebiet zu erleben, mehr über die Geschichte des Ortes zu erfahren, Ansichten und Geschichten der Anwohner zu hören und daraus Anregungen für das Kunstprojekt zu sammeln. Die Künstler können dann aus dem Hausgerippe an der Oederaner Straße oder aus Möbel-Stillleben in verlassenen Wohnungen Ideen für Kunstwerke entwickeln. Es gehe darum, Möglichkeiten und Orte für „menschliche Intervention“ zu suchen, so der 34-Jährige. „Wir wollen den Künstlern ein profundes Wissen von dem Stadtteil mitgeben.“ Das könne beispielsweise anhand einer Datenbank oder einer Karte des Areals passieren, in der eingetragen ist, wo früher der Bäcker oder die Gaststätte „Zum heiteren Blick“ waren, welche Originale in dem Gebiet lebten oder welche Gebäude und Flächen den Bewohnern besonders am Herzen liegen. Einen ersten Spaziergang gab es bereits am 11. Mai, im Sommer sollen weitere folgen.

Die Mieter der Gebäude einzubeziehen, ist den Organisatoren besonders wichtig. „Wir haben an allen Hauseingängen Zettel aufgehängt und die Anwohner eingeladen“, so Liebig. Bisher sei die Reaktion jedoch sehr gering. Gerade die Älteren seien sehr vorsichtig und zurückhaltend. „Auch deswegen gehen wir spazieren, um vor Ort präsent zu sein. Man braucht viel Zeit, bis die Leute wach werden und Vertrauen haben.“ Ziel sei es, dass sich die Bewohner einbringen, etwa Stories oder Material für Installationen liefern, Orte für die Kunstwerke vorschlagen und im besten Falle die Ideen weiterführen.

Die Dresdner "Sichtbetong"-Initiative um Jan Minack organisiert das Kunstprojekt. Quelle: Tanja Tröger
Die Beschäftigung mit der Oederaner Straße sehen die Organisatoren auch als Teil der aktuellen Freiraum-Debatte für Dresdner Kreative: „Der Gedanke hinter dem Kunstprojekt ist auch: Da ist eine Häuserzeile, die steht völlig leer, und bis da mal wieder jemand wohnt, könnte man das ja anders nutzen“, so Felix Liebig. Allerdings habe sich schon der Haushalten Dresden e.V., der seit Mai das Wächterhaus am Emerich-Ambros-Ufer betreibt, die Zähne an dem Vorhaben ausgebissen, Künstler und gemeinnützige Projekte in den leeren Häusern anzusiedeln. Grund dafür seien unklare Eigentumsverhältnisse und unkooperative Hausbesitzer.

Bereits im September 2012 hatten unter anderem Liebig und die Betreiber des Löbtauer Werk.Stadt.Ladens eine Bürgerkonferenz geplant, bei der Ideen für die Nutzung und Entwicklung des Areals diskutiert werden sollten. Aufgrund ausbleibender Fördermittel konnte das Symposium jedoch nicht stattfinden.

Die „Sichtbetong“-Gruppe besteht aus jungen Dresdnern, hauptsächlich Studenten, mit kreativem und soziokulturellem Hintergrund. Das Team um Jan Minack stellt seit 2009 Kunst- und Kulturfestivals auf die Beine, zunächst zwei Mal in Prohlis, im vergangenen Jahr im Industriegelände im Dresdner Norden. Bei allen Veranstaltungen stand der Austausch zwischen Anwohnern und Künstlern im Fokus.

Treff für den Löbtau-Spaziergang ist am Sonnabend um 10 Uhr am Schornsteinstumpf an der Freiberger Straße 101–107. Wer später dazukommen möchte, kann unter der Telefonnummer (0151) 31 90 46 51 erfragen, wo sich die Gruppe gerade aufhält.

ttr

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