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Freie Künstlergruppe "12 Nischen" stellt in der Galerie 2. Stock im Dresdner Rathaus aus

Freie Künstlergruppe "12 Nischen" stellt in der Galerie 2. Stock im Dresdner Rathaus aus

Die vierte und letzte Ausstellung der einjährigen Präsentation "Spiegelfeld Dresden" im Rathaus steht unter dem Titel "Das Kleid der Maler". Die Schau in der Galerie 2. Stock wurde in bewährter Weise durch den Dresdner Maler Walter Batisti kuratiert, wie alle drei bereits gelaufenen Ausstellungen in diesem Jahr. Die Initiative der Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU), Kunst im Rathaus zu zeigen und die Verbindung der Stadt mit den Künstlern zu demonstrieren, ist voll aufgegangen.

"Nischen" gab es auch zur DDR-Zeit. Aber in sie flüchteten jene Künstler, die sich nicht vereinnahmen lassen wollten oder vom offiziellen Kunstbetrieb ausgegrenzt wurden.

Heute ist besagte Nische ein Ort der durch die Stadt geförderten Kunst, wo in den Wandbögen des Rathausganges Platz auch für die Künstler ist, die weniger im Rampenlicht stehen und sich hier gewissermaßen "geborgen fühlen" sollen. Zum Abschluss der Reihe zeigen fünf Künstler der freien Gruppe "12 Nischen" eine repräsentative Auswahl aus ihrem Schaffen. Diesmal unter oben genanntem Titel, der Kunst als Verwandlung, Maske und Hülle meint, die wie ein Kleid das kreative Ich des Künstlers bedecken und immer anders ein wandlungsfähiges Bild ergeben.

Die Malerei Juliane Vestings (geb. 1980 in Wittenberg) ist gleichnishaft und zugleich realistisch. Über die Allegorie verschlüsselt sie Existenzielles: Lebensalter- und Zyklen, gelebtes Leben, Beziehungen und Krisen werden im Prozess abgearbeitet und in Mimik und Gestik realisiert. Dazu gehören ihre Bilder vom "Schweben" und "Schwimmen" als Lebensgleichnis. Zwei Freundinnen neigen einander zu, die fragenden Augen auf den Betrachter gerichtet. Beiden fehlt das linke Auge als Ausdruck noch fehlender Lebensweisheit. In einer Serie von umbrafarbenen Aquarellen erzählt sie von einem Film über den japanischen Butoh-Ausdruckstänzer Kazuo Ono, dessen tanzende Bewegungen sie faszinierte, besonders die Integration von alltäglichen Dingen in den Tanz. Juliane Vesting studierte von 2000 bis 2009 an der Hochschule für Bildende Künste Dresden und war Meisterschülerin bei Professor Ralf Kerbach.

Durch ein Regierungsstipendium kam die Dresdner Malerin Franziska Fennert (geb. 1984 in Rostock) nach Indonesien, wo sie auf Bali und Java Projekte mit einheimischen Künstlern durchführte und sich mit den indigenen Maltechniken vertraut machte. Sie studierte alte islamische Handschriften und die von Japan beeinflusste Kunst, sowie Tuschemalerei und Kalligrafie. Außerdem beschäftigte sie sich mit persisch-indischer Miniaturmalerei und dem asiatischen Holzschnitt. In ihren farbigen Arbeiten erschafft sie einen eigentümlichen Synkretismus europäischer und fernöstlicher Kunst. Ihre Malerei leuchtet, während die Tuschezeichnungen eher karg und zart sind. Interieurs geben einen Einblick in das Leben zwischen den Kulturen auch in der Fantasie der Malerin, zeigen sich aber auch als Zeitkritik in dem "Überwachungsbild" mit einem schwarzen Panther, der das Bild beherrscht und ein altes Symbol für den ausufernden Machtanspruch darstellt. Die Malerin studierte von 2003 bis 2005 bei den Professoren Christian Seri, Wolfram Hänsch und Elke Hopfe, von 2005 bis 2009 war sie Meisterschülerin bei Prof. Ralf Kerbach.

Der Maler und Grafiker Jörg Otto Schulze (geb. 1959 in Wittenberg) widmet sich in seiner Arbeit der Landschaft und dem figürlichen Bildnis. Elbaue und städtische Architektur, Häuserzeilen und Bahnanlagen erscheinen in einem düsteren, erdenschweren Licht, beinahe kafkaesk in der Sepiazeichnung. Die vom Grau bestimmte Morbidität erinnert an überlebte Landschaften, auf die plötzlich Licht fällt. In einer vagen Gegenständlichkeit erscheinen seine Ölbilder: In ihnen verschlüsselt er die Verbindung von Mythos und Mensch hermetisch still, wie in einem Hochformat, das den Gekreuzigten ebenso vorstellt wie Adam oder den ewig wandernden Juden, vielleicht auch Mohammed. Mond und Davidstern und zur Spur geronnenes Rot spielen auf den Kampf der Kulturen an. Jörg Otto Schulze ist Autodidakt. Von 1987 bis 1989 war er Gast im Malsaal von Prof. Gerhard Kettner, der ihn ohne Studienberechtigung gewähren ließ.

Auf weiten Radwanderungen ins Böhmische entdeckt Andreas Kunath (geb. 1955 in Radebeul) die Natur mit ihren Schmetterlingen. Am Computer wird zu Hause jedes Bild ausgewertet. Die hier gezeigten Acrylbilder aber sind frei und ohne Hilfe der Fotografie entstanden. Sie sind auch keine authentischen Wiedergaben nach der Natur. Immer fließen eigene Vorstellungen mit Änderungen in Farbe und Flügelformen ein. Manchmal setzt er sie auch auf ein grünes Blatt oder eine Blüte, lässt sie abstürzen oder treibt die Vorstellung bis ins Surreale. Dresden und sein Panorama ist eines seiner festen Themen. Ein Blick auf das Kongresszentrum zeigt die Stadt in einem bedrohlich-fluoreszierenden Licht, der Himmel lodert und strahlt im Aufscheinen von Gelb und Orange. Prägend für Kunaths Kunst waren die Maler Eberhard von der Erde, Reinhard Sandner und Agathe Böttcher.

Mit wenigen Mitteln schafft der Dresdner Maler Thomas Traeder (geb. 1958 in Premnitz) große Stimmungen und eine Atmosphäre, die sich ins Gedächtnis gräbt. Halb geöffnete Türen und Durchgänge, vor denen Dinge stehen, die einladen, wie die Blume oder das schmucklose Eisenbett, auf dem ein Mantel hängt und auf dem ein mysteriöser gelber Schal liegt, assoziieren die Anwesenheit des Menschen in seiner Abwesenheit. Die Dinge erzählen von ihm und seinen Geheimnissen, schaffen Nähe und eine klangvolle Poesie, in der sie lebendig werden. Seine Elbegartenbesuche hat Traeder in einigen Landschaften mit der Radiernadel verewigt: Der feine sensible Strich umschreibt die Welt des Künstlers in großer Einfachheit mit gebändigter Kraft und Archaik, die von einem intensiven Ringen um den Gegenstand begleitet sind. Thomas Traeder studierte an der HfBK Dresden bei den Professoren Klaus Weidensdorfer und Ralf Kerbach.

Bis 30. Dezember. Galerie 2. Stock, Neues Rathaus, Dr.-Külz-Ring, Tel. 0351/844 26 94, geöffnet Di.-Fr. 9-18 Uhr

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.12.2011

Heinz Weißflog

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