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Freejazz in der DDR - eine Ausstellung im Jazzclub Tonne

"Vor der Mauer - nach der Mauer" Freejazz in der DDR - eine Ausstellung im Jazzclub Tonne

Man könnte es ganz persönlich sehen: Just zum Geburtstag beschenkte sich Tonne-Chef Steffen Wilde mit einer Ausstellung und einem Jazzkonzert der Extraklasse. Das Ganze hat aber gesellschaftliche Dimensionen:

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Das Zentralquartett spielt am Neujahrstag in der Tonne.

Quelle: Stephanie Pilick/dpa

Dresden. Man könnte es ganz persönlich sehen: Just zum Geburtstag beschenkte sich Tonne-Chef Steffen Wilde mit einer Ausstellung und einem Jazzkonzert der Extraklasse. Das Ganze hat aber gesellschaftliche Dimensionen: Im immer noch neuen alten Tonne-Keller findet die Wanderausstellung "Freejazz in der DDR - Weltniveau im Überwachungsstaat" nun ihre letzte Station.

Die von der Deutschen Gesellschaft e.V. konzipierte Schau ist zuvor in Berlin, Cottbus, Hamburg sowie an weiteren Orten präsentiert worden. Wer jetzt durch die Schautafeln im Keller unterm Kurländer Palais spaziert und sich den alten Fotos, Plattencovern, Bild- und Schrifttafeln widmet, mag sich vielleicht fragen, was solch eine Ausstellung soll. Schließlich gibt's kein Jubiläum, das damit zu feiern wäre, und der Prozess des Freejazz ist glücklicherweise nach vorne offen.

Weit offen, wie das Sonderkonzert zur Vernissage in die klingende Tat umgesetzt hat. Da haben die alten Haudegen Günter Baby Sommer am Schlagzeug und Friedhelm Schönfeld am Saxofon gemeinsam mit zwei jungen Grazien - Julia Kadel am Klavier und Walburga Walde mit ihrer wandelbaren Stimme - aufgespielt und bewiesen, wie zeitgenössisch der Freejazz immer noch ist. Kritische Stimmen mögen ja meinen, gerade das ungestüm Offene, das im damaligen "Überwachungsstaat" zumindest für die Musik eine absolute Freiheit eingefordert hatte, hätte viele potentielle Jazzfreunde von diesem großartigen Genre dauerhaft abgeschreckt.

Es dürfte die Gräben geweitet haben zwischen übergriffigem Gute-Laune-Crossover und innovativem Experiment, so man dem Einen ansteckenden Hohlsinn und dem Anderen inhaltsvolle Tiefe attestieren mag. Tatsache ist, dass sich der geistige Drang nach Freiheit auch und ganz besonders in dieser Musik manifestiert hat. Bei einem Gang durch die kleine Schau werden jede Menge Erinnerungen wach: Peitz, Leipziger Jazztage, Klubkonzerte, Langspielplatten, Jazz Jamboree Warschau - Jeans, lange Haare, wilde Bärte, das Trampen zu den Konzerten, der dafür gehortete Rotwein - ein Anderssein-Wollen sowie das Gefühl dieser besonderen Zugehörigkeit hatten sich ineinander vermengt und werden von den Beteiligten wohl niemals vergessen sein.

Die Authentizität dieser Ausstellung wird durch nachhörbare Interviews mit den Jazzlegenden von einst und heute bezeugt. Deren Fotografien lassen hier und da über Vergänglichkeiten sinnieren; Mensch, das war doch erst gestern, wie lang ist das her! Wer aber dann aus dem Ausstellungsraum in den Konzertsaal wechselt und Schönfeld / Sommer schier alterslos mit Kadel / Walde in neuen Tonwelten hört - der Titel "Vor der Mauer - nach der Mauer" ist geradezu sinnbildlich gemeint -, der findet für den Moment den Glauben wieder. Den Glauben an die Kraft der Musik, die Freiheit gebiert. Völlig unabhängig von politischen Systemen ist das heute so nötig wie eh und je.

Die Ausstellung ist bis 10. Januar im Jazzclub Tonne im Kurländer Palais zu seheh. Das nächste Konzert spielen morgen am Neujahrsabend Zentralquartett um 21 Uhr.

www.jazzclubtonne.de

Aldo Lindhorst

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