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Regional Freejazz hoch zwei: Doppelmoppel im Dresdner Jazzclub Tonne
Nachrichten Kultur Regional Freejazz hoch zwei: Doppelmoppel im Dresdner Jazzclub Tonne
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17:22 09.09.2015
Zwei mal Posaune, zwei mal Gitarre: Conny Bauer, Helmut "Joe" Sachse, Uwe Kropinski und Johannes Bauer (v.l.). Quelle: Matthias Creutziger

Besetzung und musikalische Muster waren zwar anders, das jazzige Grundverständnis, das intelligent witzige Herangehen an die Improvisation, der hoch professionelle Umgang mit dem Instrumentarium sowie nicht zuletzt die unbändige Spielfreude allerdings waren durchaus vergleichbar.

Wie die Viererbande vom Zentralquartett stammt auch das Jazz-Kleeblatt Doppelmoppel aus der ostdeutschen Frühzeit des unverkrampften und widerständigen, des aufbegehrenden und reibungsvollen Freejazz. Die Mannen sind Avantgarde gewesen nicht nur im Osten, sie haben internationale Einflüsse gespiegelt und Eigenes auch grenzüberschreitend vermittelt, sie haben Akzente gesetzt, die Ohren für Neues geöffnet; inzwischen sind Hörgewohnheiten daraus geworden, die nicht mehr weh tun und die niemand missen mag.

So wird es auch nicht verwundert haben, dass die Luft unterm Gewölbe der Tonne am ersten Tag dieses Jahres rasch kräftig aufgeheizt war. Schließlich zog es viele Neugierige und sowieso zahlreiche Stammgäste zum gut zweistündigen Auftakt in ein sicherlich spannungsvolles Jazz-Jahr 2015. Mit dem Posaunisten Konrad "Conny" Bauer zählt in dieser Formation immerhin ein Mitglied des Zentralquartetts zu diesem 1981 gegründeten Ensemble, das in der eigentümlichen Doppel-Besetzung je zweier Posaunen und zweier Gitarren ein Unikat ist. Obendrein sind sie Spielfreunde brüderlich nicht nur im Geiste, denn mit Johannes Bauer an der zweiten Posaune wird tatsächlich eine besondere Form von Familien-Jazz betrieben. Inmitten der blasenden Bauer-Brüder sorgen die Saiten-Schläger Uwe Kropinski und Helmut "Joe" Sachse für drangvolle Rhythmik und flirrende Klänge.

Was für ein Geist in dieser Musikwelt von Doppelmoppel steckt, ergibt sich zwar ohnehin mehr aus der Summe des Ganzen, basiert aber auf den veritablen Einzelleistungen des Quartetts. Perlende Fingerfertigkeiten und grenzenlose Ideenfülle bei den Gitarrenhelden, brüllende Orkane und stapfende Grundierungen aus den Schalltrichtern der Blechfraktion ergeben wieder und wieder ein wüstes Feld der Improvisation. Doch erst im Zusammenspiel dieser schier bremsenlosen Energetiker entfaltet sich die brüchige Pracht ihres eigenwilligen Musizierstils komplett. Vor allem in der Wirkungsmacht des zweiten Sets kamen gehörige Portionen verwegener Melodik und aberwitziger Laune hinzu, wodurch unvermeidlich alle Neujahrsgäste in den Doppelbann gezogen worden sind. Ein toller Auftakt - und vielleicht ein weiterer Grundstein für Traditionen im Aufbruch?

www.jazzclubtonne.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 03.01.2015

Aldo Lindhorst

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