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Fotografie-Ausstellung „Haltungen“ im Bürgerfoyer des Sächsischen Landtags

Fotografie Fotografie-Ausstellung „Haltungen“ im Bürgerfoyer des Sächsischen Landtags

Eine Ausstellung im Bürgerfoyer des Sächsischen Landtags beleuchtet 17 Positionen sächsischer Fotokunst der Gegenwart. Das Ausstellungsprojekt wurde 2015 unter der Schirmherrschaft des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst, Dr. Eva-Maria Stange, für die Galerie für zeitgenössische Fotografie „Domek Romanski“ in Wroclaw konzipiert.

Fotografie-Ausstellung „Haltungen“ im Bürgerfoyer des Sächsischen Landtags
 

Quelle: Oliver Killig

Dresden.  Eine Ausstellung im Bürgerfoyer des Sächsischen Landtags beleuchtet 17 Positionen sächsischer Fotokunst der Gegenwart. Das Ausstellungsprojekt wurde 2015 unter der Schirmherrschaft des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst, Dr. Eva-Maria Stange, für die Galerie für zeitgenössische Fotografie „Domek Romanski“ in Wroclaw, der polnischen Partnertstadt Dresdens, konzipiert und sowohl dort als auch in der Galerie des Büros für Ausstellungswesen in Kielce gezeigt. Die für die heimische Fotografie repräsentative Schau erlaubt durchaus Schlüsse und Vergleiche der einzelnen Handschriften, die den Zeitgeist reflektieren, sowie Mutmaßungen über deren Tendenzen: Die zeitgenössische Fotografie befindet sich gerade an einem neuralgischen Punkt: Immer mehr Mischformen aus digitalen und analogen Techniken, sowie die Einbeziehung von Mitteln der Malerei und Grafik und deren innovativen Ausdrucksformen beherrschen die Szene; sowohl fototechnisch als auch inhaltlich rücken die einzelnen Medien immer enger zusammen und profitieren voneinander. Zugleich aber verliert die traditionelle analoge Fotografie (besonders die Schwarz-Weiß-Fotografie) immer mehr an Bedeutung. In der vorliegenden Ausstellung konzentrieren sich viele sächsische Künstler/innen wieder verstärkt auf das Schwarz-Weiße Lichtbild, oft aber digital erzeugt oder in digitale prints übertragen. Von realistischen Positionen im Porträt und in der Landschaft dagegen weichen viele ab.

Die Grand Dame der sächsischen Fotografie, Evelyn Richter, führt die Phalanx der ausstellenden Künstler mit vier veristisch anmutenden Arbeiten von morbiden Stadtlandschaften an, die zwischen 1968 und 1981 entstanden (darunter der Haltepunkt „Dresden-Pieschen“ von 1981). Ob mit kamera- oder computertechnischen Mitteln werden zum Teil minimalistische und geometrisch-abstrakte Bilder von teils gegenständlich belassenen Räumen geschaffen (bei Matthias Blumhagen, Roland Nagel), Unschärfen und Makroperspektiven von Pflanzen (bei Evelyn Krull), während Günter Starke mit seinen Kinderporträts aus der Äußeren Neustadt und Karin Wieckhorst mit ihren China-Impressionen psychologisch feine Milieuschilderungen betreiben. Matthias Creutziger zeigt eine kleine Auswahl seiner Musikerporträts sowie notatehafte Eindrücke von Städten auf Reisen. Die Malerin Angela Hampel, die sich sich seit vielen Jahren künstlerisch mit der Fotografie beschäftigt, steuerte eine Serie von klaren, kontrastreichen Schwarz-Weiß-Fotos über die sorbischen Osterreiter bei, ein wichtiger seasonaler Brauch, der für die Ostlausitzer Volksgruppe identitätsstiftend ist. Luc Saalfeld zeigt Bilder aus seinem beiden Hauptwerkgruppen „LA MER“ (Schwarzes Meer) und LA CITE“ (Sofia), Meeres-und Stadtlandschaften und Ausschnitte davon in einem lapidar vorgetragenen Realismus, bei denen Ausstattung und Raumvorstellung, Staffelungen von hinten nach vorn, eine besondere Rolle spielen. Michael Lange bemüht das Stilleben in der Malerei. Aus einem großen Fundus an Fundstücken schöpfend, setzte er gebogenes, patiniertes Blech und andere Materialien in zum Teil großformatige, stark farbige Fotostillleben ins Szene. Durch Inszenierungen schuf Oxana Jad surreal anmutende farbige Interieurs, in die sie weibliche Akte und Frauen integrierte, die nebend einer starken Erotik auch eine Botschaft vermitteln. Werner Lieberknecht stellte in seinen „stills“ (Filmsequenzen) skurrile erotische Situationen nach, die er mit seinem Modell inszenierte. Tina Bara (in der DDR durch ihre freizügigen Aktbilder und deren Inszenierungen bekannt geworden) inszenierte den Traum ihres Modells Elisabeth von Marilyn Monro in aufreizenden Posen. Im Zentrum dieser Serie steht das Verhältnis zur eigenen Leiblichkeit und sexuellen Ausstrahlung. Die Fotoarbeit „Menschen des 21. Jahrhunderts“ von Thomas Bachler und Karin Weinert bezieht sich auf August Sanders „Menschen des 20. Jahrhunderts“. Sie wurde 2007 begonnen und ist wie eine thematische Orientierung als Langzeitprojekt angelegt. Die dabei verwendeten Berufsbezeichnungen wurde erfunden und wirken wie eine Groteske auf die übertriebene Aufwertung eigener beruflicher Tätigkeit. Franz Zadnicek arbeitet Zeitgeschichte auf und begibt sich auf das Terrain der Mythen (Nymphen). Die Japanerin Mako Mizobuchi arbeitet den Tsunami auf und setzt sich mit der Gewalt des Meeres auseinander. Im Gedenken an die Opfer entstanden Bilder von Opferschreinen und Gräbern der Umgekommenen. Henry Grahn Hermunen zeigt als finnischer Gast aus Schweden lichte Sonnenauf-und Untergänge, hat die vierfach übereinander liegenden Positive auf Acrylglas gezogen. „Es entstehen romantische und apoklayptische Szenarien von einem Zustand des Noch nicht oder Nicht mehr“ (Karin Weber, Kuratorin der Ausstellung). Er ist der Initiator einer Ausstellung, die für Helsinki geplant ist.

Bis 22. Februar. Sächsischer Landtag, Bürgerfoyer, Postfach 12 07 05, 01008 Dresden, Kontakt: 0351/ 493-50. Geöffnet: 9-18 Uhr.

Von Heinz Weißflog

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