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Forsythe Company im Festspielhaus Hellerau mit neuer Version des 2008 in Dresden aufgeführten Stückes "Yes, we can’t"

Forsythe Company im Festspielhaus Hellerau mit neuer Version des 2008 in Dresden aufgeführten Stückes "Yes, we can’t"

Die Bühne ist nur mit dem schwarzen Tanzboden akzentuiert - der Große Saal im Festspielhaus Hellerau kommt bei dieser Aufführung gänzlich ohne "Ummantelung" aus.

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"Yes we can't" mit den Tänzern Parvaneh Scharafali und Cyril Baldy (im Vordergrund).

Quelle: Dominik Mentzos

Durch die oberen Seitenfenster fällt das Abendlicht ein, und nach und nach betreten die Tänzer die offene Szene. So beginnt die Aufführung der neuen Version von "Yes, we can't" mit der Forsythe Company. Und zum Ende der Vorstellung, wenn das Raumlicht immer mehr zurückgenommen wird und nur noch der natürliche, dämmernde Schein von draußen den Saal erhellt, entsteht eine wunderbar diffuse Stimmung, in der sich Klang und Körper fast verlieren. Da hat die Nacht den Tag ereilt - die ewig zweifelnden, irrenden Wesen kommen zur Ruhe.

Eine Aufführung, die nicht eben spektakulär beginnt, zunächst auch auf Musik und gänzlich auf raffinierte Bühneneffekte verzichtet. Sie setzt ein wie eine Probensituation, als würden sich die Tänzer vergewissern, weshalb sie in diesem Moment und an diesem Ort auftreten. Und, warum sie es überhaupt tun. Fast unmerklich entwickelt sich aus der Verschiedenartigkeit ihrer von William Forsythe inspirierten Körpersprache, die so oder so individuelle Eigenheiten aufweist, eine bewegte, sich verändernde Struktur mit Charakteren, Konfrontationen, Beziehungen. Und auch zum Raum, das ist immer wieder ablesbar. Diese Art des Erzählens muss man quasi enträtseln, entdecken, sich dafür öffnen. Und mancher versucht es auch gar nicht erst, bleibt schon in der ersten Wahrnehmung stecken.

Keine Frage, "im Ringen um die außergewöhnliche Darbietung", wo es zwangsläufig um ein "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Beckett) geht, gewinnt Riley Watts umgehend die Sympathie des Publikums. Wie er da mit heroischem Blick in Richtung Zuschauer und auf die Frauen in seiner Nähe auf einem Bein ausharrt - das andere hält er angewinkelt wie ein schweres Paket empor -, ist ein höchst kurioses Bild. Und offenbar wechseln in seiner blitzschnellen Positionsveränderung jeweils auch die Anvisierten. Zuweilen versucht er gar, aus dem Stand heraus gleich beide Beine "anzuheben". Doch dafür hätte er wohl fliegen müssen.

Eingeprägt hat sich ebenso die Szene, in der Ander Zabala am Mikrofon mit erstaunlicher Stimmakrobatik die Gangarten von Amancio Gonzales begleitet. Und es ist kaum herauszufinden, von wem da jeweils die Impulse für den anderen kommen. Eine Symbiose in Klang und Bewegung, ein rhythmisches Kuriosum. Und überhaupt gibt es immer wieder wunderbare künstlerische Qualitäten zu entdecken. Beispielsweise von Esther Balfe oder Cyril Baldy, die zum Schluss in ihrem Zeit- und Raumgefühl eindringliche Soli haben, von Elizabeth Waterhouse, deren Intensität jeden Auftritt zu etwas Besonderem macht. Wie auch die Präsenz von Parvaneh Scharafali oder Inma Rubio, beide Gäste der Company.

Das "Yes, we can't" von 2012 knüpft zumindest namentlich an die 2008 in Dresden aufgeführte Version an, ist aber letztlich ein anderes Stück. Kein Wunder bei Forsythe, geht es doch um "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern", um Bewegung in vielerlei Hinsicht. Er ist da wie ein Maler, der seine eigenen Schöpfungen übermalt. Aber das macht auch seine Qualität aus, dass er mit dem so außergewöhnlichen Ensemble stets auf Entwicklungen drängt. Übrigens hat unmittelbar vor der Aufführung am Sonnabend Freya Vass-Rhee im Nancy Spero Saal einen Vortrag über das Erbe vom Emile Jaques-Dalcroze und 100 Jahre Improvisationstechnologien gehalten, speziell natürlich auch zu Arbeitsweisen von William Forsythe.

Da ist die Aufführung von "Yes, wie can't" gewissermaßen gleich die Probe aufs Exempel gewesen. Mit rhythmischen Strukturen arbeitet Forsythe nicht minder wie einst Emile Jaques-Dalcroze, nur eben auf gänzlich andere Weise. Während der Schweizer Musikpädagoge, Musiker, Komponist die Bewegung als den Weg zu Musik, zu anderen Künsten verstanden hat, ist für Forsythe die Bewegung im weitesten Sinne überhaupt der Weg. Ihn interessiert das Nachdenken darüber, das, was der Tanz anstoßen, auslösen kann.

"Yes, we can't", Festspielhaus Hellerau, Aufführungen mit der Forsythe Company wieder am 6., 7. und 8. Juni, Beginn jeweils 20 Uhr

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.06.2012

Gabriele Gorgas

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