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Regional Flachgewebe der Belutschen, osmanische Stickereien (oder: Carpet Diem)
Nachrichten Kultur Regional Flachgewebe der Belutschen, osmanische Stickereien (oder: Carpet Diem)
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18:56 13.03.2017
Flachgewebe der Barahui, die zwischen Iran, Afghanistan und Pakistan zu Hause sind. Quelle: Repro: Flyer
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Dresden

Florale Pracht und Figurenfülle, verschlungene Arabesken und Ornamente, nach traditionellen Mustern geduldig von Hand geknüpft – das zählt schon lange nicht mehr zum Inbegriff eines zeitgemäßen Interieurs. Vorbei die Zeiten, als sich im 19. Jahrhundert diverse Maler von der Welt des Orients und von den orientalischen Geweben vor allem ob ihrer Farbpracht gefangen nehmen ließen, als etwa ein Maler wie Delacroix verkündete: „Die schönsten Bilder, die ich je gesehen habe, sind ganz bestimmte Teppiche aus Persien.“ Festzuhalten sei an dieser Stelle noch, dass „persisch“ nicht wörtlich zu nehmen ist, weil in dieser wie in späteren Epochen in Europa die Teppiche des Orients – also auch die ägyptischen, die kaukasischen und die turkmenischen – pauschal aus „persisch“ bezeichnet wurden.

Falsch ist auch die Vorstellung, dass Belutsch-Teppiche und -Flachgewebe aus Belutschistan kommen müssen. In diesem Gebiet, in das sich Iran, Afghanistan und Pakistan teilen, leben wohl viele Belutschen, die übrigens eine eigene Sprache sprechen. Das Hauptherstellungsgebiet der Belutsch-Arbeiten erstreckt sich aber entlang der iranisch-afghanischen Grenze, von Sabsawar und Mesched im Norden bis nach Zahedan im Süden. Die Belutschen vermochten Knüpfteppiche herzustellen, welche je nach Herkunft Unterschiede in ihrer Qualität aufweisen. So werden die Meschhed-Belutsch-Teppiche höher angesehen als die Herat- oder Afghan-Belutschen. Meschhed-Teppiche werden in der iranischen Provinz Chorassan hergestellt. Sie zeichnen sich durch eine sehr feine Knüpfung und durch gestochen scharfe Muster aus, sind allerdings nur in kleinen Formaten erhältlich. Auf afghanischem Boden stellen die Teymuri Herat-Belutschen her, das sind leichtere Teppiche, die auch in größeren Formaten gefertigt werden. Die Farben eines Belutsch sind meist Rot- oder Brauntöne, die Muster sind geprägt von geometrischen Motiven, die Meschhed Teppiche auch von Tieren, Wappen und sogar Schriftzeichen in der Bordüre.

Bereits um 1955 gaben die nomadisierenden Belutschen die Herstellung ihrer großen Flachgewebe auf. Durch Feldforschung ist es dem Schweizer Jörg Affentranger gelungen, signifikante Merkmale dieser Textilien zu erfassen und die geografische und ethnische Herkunft zu ermitteln. Affentranger hält morgen ab 19 Uhr im Rahmen der Dresdner Teppichabende im Japanischen Palais den Vortrag „Die großen Flachgewebe der Belutschen und ihrer Nachbarn“. Carpet diem, möchte man frei nach einer Stelle in der Ode „An Leukonoë“ des römischen Dichters Horaz sagen.

Und am 8. Juni, 19 Uhr, spricht Friedrich Spuhler bei der von Simone Jansen ins Leben gerufenen Reihe über wiedergefundene osmanische Stickereien aus dem Besitz Friedrich Sarre (1865 bis 1945). Dieser gehörte zu den großen Archäologen seiner Zeit, war ein bedeutender Sammler und Wissenschaftler, einer der Gründungsväter des Fachgebiets „Islamische Kunst“ und Gründer des Museums für Islamische Kunst in Berlin, des ersten außerhalb der islamischen Welt, dessen Direktor er bis 1931 war. Ihm gelangen bedeutende Ankäufe, darunter das weltberühmte Aleppozimmer, das ein ähnliches „Kleinod“ wie das Dresdner Damaskuszimmer ist.

Eintritt jeweils 6 Euro (erm. 4,50 Euro)

www.skd.de

Von Christian Ruf

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