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Finalboom und Zukunftsbangen in Dresden - Am Wochenende schließt die Ostrale 013

Finalboom und Zukunftsbangen in Dresden - Am Wochenende schließt die Ostrale 013

In der letzten Woche der Ostrale O13 bietet sich ein Bild, wie es sich die Veranstalter nur wünschen könnten. Gut frequentierte Ausstellungsräume, während am Kassenpavillon neben etlichen Einzelbesuchern weitere Schulklassen anstehen.

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Andrea Hilger vor Jan Brokofs Holzschnitt-Fries zur deutschen Geschichte.

Quelle: Tomas Petzold

Diese in der Mehrzahl vermutlich Erstbesucher stellen ein großes Potential für die Zukunft dar und zeugen zugleich vom großen Engagement vieler Ostrale-Freunde, die durch ihre Spenden schon etlichen Tausend Schülern den Besuch der Ausstellung ermöglichten. Wenn es nach einer am Sonntag verbreiteten Zwischenbilanz vielleicht trotzdem nicht mehr reichen wird, um die Besucherzahlen vom Vorjahr noch deutlich zu übertreffen waren daran nicht zuletzt die Hitzewellen des vergangenen Sommers schuld, die wohl so manchen guten Besuchervorsatz im Schweiß zerrinnen ließen. Auch habe man sich mit der Verlegung des Beginns auf einen Termin vor Beginn der Schulferien verkalkuliert, gesteht Pressesprecher Harald Schluttig. Im Vergleich zur früher praktizierten Eröffnung parallel zu Diplomausstellung der Kunsthochschule und Museumsnacht habe das nichts gebracht. Auch die Art der Präsentation im Stadtbild sei überdenkenswert. "Es muss klarer werden, dass es sich um eine attraktive zeitgenössische Kunstausstellung handelt, die sich ganz in der Nähe befindet."

Stadt unterschätztMarketing-Potenzial

Und auf hohem, international konkurrenzfähigen Niveau. Auch wenn angesichts so mancher Details im Ambiente die Eintrittspreise eher etwas elitär wirken - dem Aufwand angemessen sind sie allemal, und in dieser Logik hat die Verringerung von 14 auf 12 bzw. 9 auf 8 Euro auch keinen Zuwachs gebracht. Das tut Ostrale-Leiterin Andrea Hilger richtig weh, denn "da fehlten an guten Wochenenden gleich ein paar Tausend Euro in der Kasse, aus der wir ein Viertel unserer Kosten bestreiten müssen." Während Förderer wie das Spitzencluster Cool Silicon die Ostrale am Leben erhalten, hält sich die Stadt mit 50 000 Euro Förderung bei einem Gesamtetat von etwa einer Million Euro doch sehr bedeckt - eine klare Unterschätzung des Potentials auch im Hinblick auf Stadtmarketing und Kunsttourismus.

Die Antwort auf die Frage, ob die Ostrale nun wirklich ihren Rubikon überschritten hat, fällt folglich eher gemischt aus. Mit der Resonanz sind die Macher insgesamt zufrieden. Der überregionale Zuspruch hat zugenommen, auch "gesetztere" Dresdner Kunstfreunde sind eine Bank. Wie sich an der noch laufenden, gemeinsam mit der TU Dresden direkt und online durchgeführten Befragung zeige, sei für viele Besucher die Verbindung zwischen dem besonderen Ort und der zeitgenössischen Kunst sehr attraktiv. Herausgefunden werden soll dabei auch, welche Werke besonders ansprechen.

"Die Qualitätssteigerung war unser wichtigstes Ziel dieses Jahr", bilanziert Andrea Hilger, "und dazu gehört natürlich eine gewisse Disziplin auch in der Auswahl der freien Bewerbungen. Wir haben bewusst Galeristen eingeladen, um die regionale Vernetzung zu steigern und weil ein Galerist nach seinen Kriterien doch ganz anders auswählt als ein freier Künstler. Wir hatten dann in der Jury eine ganz starke Diskussion, wohin es gehen soll und wie weit man bei allem frischen Wind der dadurch hereinkommt, alles andere negieren kann. Dabei sind einige Sachen herausgefallen, die ich nächstes Jahr auf jeden Fall wieder herholen werde, bei denen ich bis heute nicht verstehe, worum es in der Diskussion ging, anscheinend vor allem darum, wie weit ein Künstler bereits anerkannt und in Galerien präsent ist. Das sind Kriterien, die die Ostrale nicht unbedingt interessieren sollten, wenn sie wirklich Neues zeigen und etwas entdecken will. Für mich ist die Qualität des Malerischen und des Handwerklichen dabei genauso wichtig wie die Aussage, die dahinter steckt."

In der Folge bleiben die Strukturen der Ostrale im Wandel "Die Reduzierung, die entstandenen Freiräume haben der Ausstellung gut getan", ist Hilger allerdings sicher. "Das ist bei den Besuchern sehr gut angekommen. Auch nach sieben Tagen Biennale in Venedig, nach denen ich doch mit einem ganz anderen Auge hier durchgegangen bin, denke ich dass es eine gute Entscheidung war. Konsequenz ist aber auch eine Aufforderung an die Künstler, sich bewusster, gezielter zu bewerben. Im Übrigen habe ich über die Arbeit mit Moritz Stange viel dazugelernt im Sinne was bedeutet so ein Externer, der auch den Katalog erarbeitet. Diese Bündelung hat uns nun dazu gebracht, diesen einen Kurator jedes Jahr neu auszuschreiben. Wir wollen die Zusammenarbeit mit Galerien beibehalten, uns aber immer wieder neu konstituieren." Stange zieht sich aus der künstlerischen Leitung der Ostrale wieder zurück und widmet sich seiner Dissertation.

Für das kommende Jahr mit Tschechien als Gastland ist man in Kontakt mit Rea Michalova von der Akademie der Künste in Prag. "Wir wollen uns noch in diesem Monat zum Gespräch treffen", erklärt Hilger. Außerdem wird ein etablierter Künstler als Kurator gesucht. Für den Beirat, der diesen Kurator bestimmen und auch in der Jury mitarbeiten soll, wünscht sich die Ostrale-Leiterin, dass die Chefs der führenden Dresdner Kunstinstitutionen präsent sind, als Garanten für die nötige Weitsicht und Distanz bei der Auswahl.

Cleane Räume innerhalb maroder Strukturen

Statt der Inszenierung in einer konkreten historisch-räumlichen Situation rückt die werkgerechte Präsentation in den Vordergrund, die aber durchaus auch auf einer sehr "malerischen" Wand stattfinden kann - jedenfalls immer in Abstimmung mit den Künstlern. Da gab es durchaus Überraschungen, erklärt Andrea Hilger. Bei Jan Brokof und Theo Boettger hatte sie gedacht, "dass sie mit einem sehr herunter gewirtschafteten Raum zurechtkommen, Sarah Hoppe sich für einen der geweißten Ställe entscheiden würde. Es kam aber genau umgekehrt. "Wir können aber in jedem Fall innerhalb dieser maroden Strukturen auch relativ cleane Räume herstellen", ergänzt Harald Schluttig. "Gerade die Möglichkeit, behutsame Veränderungen vorzunehmen, Räume etwas zu gliedern, Distanzen zu schaffen, macht erst die eigentliche Symbiose aus, und das wird auch von vielen Besuchern anerkannt."

Das letztlich Entscheidende aber wird sein, ob sich die Stadt nun endlich zur Ostrale bekennt bzw. die Weichen für die dauernde Präsenz von Kunst auf dem Gelände stellt. "Wir können es uns nicht leisten, jedes Mal für temporäre Bauten - allein die Toiletten haben diesmal 40 000 Euro gekostet - so viel Geld von der Kunst abzuknapsen. Wir müssen wissen, wie es weitergeht mit dem Wegeleitsystem, den Parkmöglichkeiten, der Sanierung, damit wir nicht irgendwann zur Freiluftveranstaltung werden. Wir brauchen noch in diesem Jahr Klarheit über die weitere Entwicklung dieser Räumlichkeiten, die Sicherheit, dass wir hier für eine Zukunft investieren können."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.09.2013

Tomas Petzold

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